Im Windschatten durch Osthessen

Drei Festspielschauspieler auf Rennrädern on Tour - Orientierung bitte

Fotos (4): privat/Thomas M. Held - Thomas M. Held, Jürgen Hartmann und Thorsten Nindel (von links) verbindet nicht nur die Leidenschaft für ihren Beruf, sondern auch das Rennradfahren

22.07.2019 - Sie strampeln sich mit Begeisterung ab. Zwei- bis dreimal pro Woche treten die Schauspielkollegen Thorsten Nindel, Jürgen Hartmann und Thomas M. Held an einem Strang rund drei Stunden in die Pedale ihrer Rennräder und legen dabei jeweils 50 bis 60 Kilometer teils hügelige Strecken, aber bestenfalls immer auf Asphalt, zurück. Die Mittelgebirgslandschaft rund um die Festspielstadt gefällt den sportlichen, durchtrainierten Schauspielern außerordentlich gut. Seit Beginn der Proben der Bad Hersfelder Festspiele im Mai, bedingt durch den Hessentag mit viel Anspannung und Zeitdruck verbunden, sind die aus dem Fernsehen bekannten und beliebten Schauspieler vor Ort.



Thorsten Nindel und Jürgen Hartmann begegneten sich in Bad Hersfeld nach 30 Jahren erstmals wieder. Beide studierten zeitgleich an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Noch während der Ausbildung wurde Nindel als Franz-Joseph „Zorro“ Pichelsteiner in der Kultserie „Lindenstraße“ berühmt. Beide freuen sich, dass sie sich nach drei Jahrzehnten endlich richtig kennenlernen können.

Nindel spielt in Joern Hinkels gefeierter Inszenierung „Der Prozess“ den Maler und Fotografen Titorelli, Jürgen Hartmann ist als stv. Direktor und Untersuchungsrichter zu sehen. Dritter im Bunde ist Thomas M. Held, der in dem Schauspiel als Franz, der Beauftragte des Gerichts, auf der Bühne steht. „Kafka geht gar nicht“, war die gängige Meinung aus dem persönlichen Umfeld der Schauspieler, die aber ganz im Gegenteil voll des Lobes sind: „Es ist toll, was Joern Hinkel geschaffen hat. Im Festspielsommer ein herbstlich/winterliches Stück auf die Bühne zu bringen, ist sehr mutig. Ein Stück, das auch zukünftig bespielbar ist“.

Fotos (3): Gudrun Schmidl

Privat verbindet das Trio ihre Leidenschaft für das Rennradfahren. „Jürgen ist die Zugmaschine“, betont Thomas M. Held, der auch im Winter mit Rollentraining an seiner Körperspannung arbeitet und „dabei stundenlang vor die Wand guckt“, amüsieren sich seine Mitfahrer. Der 43-Jährige will fit bleiben, auch für den nächsten Triathlon. Held war hier auf olympischer Distanz unterwegs und ist in der Sportart noch immer für den guten Zweck aktiv. Konditionell sind die drei auf einem Level, da geben sie sich nichts. Jürgen Hartmann schätzt an den Radtouren neben dem sportlichen Aspekt die Möglichkeit, die Gedanken fließen zu lassen.„Passt auf euch auf“, werden die Radsportler immer wieder ermahnt, die selbst wissen, dass Radfahrer im Straßenverkehr am gefährlichsten unterwegs sind. „Wenn ein Autofahrer einem Radfahrer die Vorfahrt nimmt, wird dem Radler noch ein Vogel gezeigt“, ist die Erfahrung der Vielfahrer auf schmalen Reifen.

Kurz vor der Ausfahrt zum Eisenberg

Eine wahre „Hitzeschlacht“ war ihre erste gemeinsame Ausfahrt nach Rotenburg an der Fulda, wo nur noch der Sprung in den Niederellenbacher See für Abkühlung sorgte. Ihre schönste Tour führte über den Radweg 10 durch das Geistal nach Mühlbach, von dort über Hainrode abwärts rollend nach Ersrode und von hier aus ins Rohrbachtal. Landschaftlich einmalig schön und ländlich: „Von Kuhweide zu Kuhweide sind wir gefahren“. Bestenfalls im Windschatten, um hinter dem Windbrecher bis zu 30 Prozent Energie zu sparen. Viele weitere kleinere und größere Ausfahrten standen in ihrer Freizeit auf dem Programm, um den Reiz der Geschwindigkeit zu erleben und ihre „Heimat auf Zeit“ besser kennenzulernen. Inzwischen haben sie auch den anspruchsvollen Aufstieg zum Eisenberg geschafft, mit 636 Metern die höchste Erhebung des Knüllgebirges.

Die drei sportlichen Fahrer sind geübt, haben professionell auf dem Rennrad trainiert und in ihre Ausrüstung investiert. Jürgen Hartmann, der übrigens einen schweren Sturz mit dem Fahrrad dank Helm glimpflich überstand, hat sich als groß gewachsener Mann den ergonomisch passenden Rahmen von einem Rahmenbauer anmessen lassen. Das Trio fährt „Navi gesteuert“. Thomas Nindel gesteht, dass er mit der Technik nicht warm wird und verliert schon mal die Orientierung. Dafür punktet er mit einem Rennrad „mit Bimmel“. Nindel empfindet Bad Hersfeld als fahrradunfreundlich, hauptsächlich wegen der gepflasterten Wegstrecken, die zudem für ältere Menschen und Gehbehinderte schwierig zu bewältigen sind. Auch ein Fahrradservice, der zeitnah einen Defekt am Rennrad reparieren kann, fehlt.

Obwohl sie dem Rennradsport frönen, befürworten die drei E-Bikes für alle die Menschen, die noch lange Spaß am Radfahren haben wollen und so in Bewegung bleiben. Überhaupt machen sie sich für zukunftsfähige Entwicklung der E-Mobilität stark, „die von der Politik verschlafen wurde“. Informationen über die Schauspieler und die Bad Hersfelder Festspiele gibt es unter www.bad-hersfelder-festspiele.de (Gudrun Schmidl) +++