Knien und Beten verboten!

NippleJesus - das Skandalbild in der Kapelle im Museum - "Was ist Kunst?"

Fotos: Gudrun Schmidl - Chefdramaturgin Dr. Bettina Wiltz als Ideengeberin und Regisseurin des Stückes "NippleJesus" und André Mendez.

19.07.2019 - In dieser Festspielsaison kommt das an die Stiftsruine angrenzende Museum im Stift ganz groß raus. Am vergangenen Samstag eroberten die „Nachteulen“ mit dem ersten Festspiel-Late-Night-Talk den Kapitelsaal, in dem ab diesem Jahr auch die Einführungsvorträge gehalten werden. Ebenfalls im Museum wurde die frei zugängliche und doch wenig beachtete Kapelle im ersten Stock aus ihrem „Dornröschenschlaf“ geweckt und steht nun als kleine, aber feine neue Spielstätte zur Verfügung. Dietmar Wolf, technischer Leiter der Festspiele, hatte das Kleinod entdeckt und zur Nutzung vorgeschlagen.



Durch diese unscheinbare, niedrige Tür gelangen ...

Gesagt, getan. Dr. Bettina Wilts, hat mit „NippleJesus“ aus der Feder von Nick Hornby ein Stück „in den Ring geworfen“, das sofort die Zustimmung von Intendant Joern Hinkel fand. Die Mönchskapelle mit den Wand- und Deckenmalereien aus dem frühen 11. Jahrhundert bietet den idealen Rahmen für das Soloprojekt und außerdem 40 Sitzplätze für Besucher, die Dave, den freundlichen Ich-Erzähler kennenlernen und natürlich einen Blick auf das Bild namens „NippleJesus“ werfen wollen. Schaut man vom Eingang auf das Bild, so erblickt man lediglich den gekreuzigten Jesus mit schmerzverzerrtem Gesicht. Man muss schon sehr nahe an das Bild herantreten, um herauszufinden, dass der Kopf aus lauter kleinen Quadraten zusammengesetzt ist, auf dem weibliche Brüste und Nippel zu sehen sind. Diese stammen offensichtlich aus pornografischen Magazinen. Die Skulptur dazu entwarf und baute Dietmar Wolf. Man darf gespannt sein.  

Auf dem weißen Sockel wird zur ...

Dr. Bettina Wilts, die das Stück inszeniert, hat den Museumsaufseher, der für dieses Skandalbild verantwortlich ist, mit ihrem Wunschkandidaten Andrés Mendez besetzt. „Er kann Farbe und Futter reinbringen und rund 70 Minuten mit seinen Monologen füllen“, ist sie sich sicher. Seit Montag, dem 8. Juli, probt die Regisseurin mit Mendez, der bereits im dritten Jahr bei den Bad Hersfelder Festspielen engagiert ist. Er wirkte in Franziska Reichenbachers Märcheninterpretation „Das tapfere Schneiderlein“ mit und besetzt auch in diesem Jahr in der Wiederaufnahme „Shakespeare in Love“ verschiedene Rollen.

Dr. Bettina Wilts war in der Saison 2016 als Künstlerische Betriebsdirektorin bei Intendant Dr. Dieter Wedel in Bad Hersfeld engagiert. Seitdem übernimmt sie einen Großteil der Einführungsvorträge, die Dramaturgie der Inszenierungen von Regisseurin und Autorin Franziska Reichenbacher sowie die Redaktion der Programmhefte. Hierfür schrieb sie auch diverse Texte. Zum August 2018 holte Intendant Joern Hinkel Bettina Wilts als Chefdramaturgin und Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros in sein Team.

Schon vor Monaten hat Dr. Bettina Wilts Schauspieler Andrés Mendez, der sie in mehreren Rollen begeistert hat, den Text zugesandt. „Seitdem gehe ich mit dem Text schwanger“, betont Mendez, der generell kein Lampenfieber verspürt, auch vor seinem ersten Soloauftritt nicht. Etwas Nervosität wird sich einstellen, aber nach dem ersten Monolog, einem Adrenalinschub und Vertrauen zu sich selbst und seiner Regisseurin wird er jedem imaginären Besucher klarmachen: „Knien und Beten verboten!

„Was ist Kunst?“ Das scheint die Kardinalfrage dieser Kurzgeschichte aus dem Band „Speaking with the Angel“ des englischen Erfolgsautoren Nick Hornby zu sein. Das Buch ist im Jahr 2002 erschienen, das Theaterstück dazu wurde vielfach gespielt. Am Samstag, 27. Juli, feiert das humorvolle und liebevolle Stück bei den Bad Hersfelder Festspielen Premiere. Beginn 20 Uhr. Am Freitag, 2. August, heißt es „Nachts im Museum“, denn dann wird um 23.55 Uhr „NippleJesus“ gespielt. Taschenlampen sind ausreichend vorhanden. Tickets sind erhältlich direkt vor Ort, Am Markt 1, unter Telefon 06621 640 200 oder [email protected]. Info unter www.bad-hersfelder-festspiele.de  (Gudrun Schmidl) +++