Ein Spiegelbild ihrer Zeit?

Konfetti und Heiratsantrag: Bühnenpoetin Julia Engelmann verzückt Publikum

Fotos: Hans-Hubertus Braune - Bühnenpoetin Julia Engelmann lässt Konfetti für ihre Fans in der Bad Hersfelder Stiftsruine regnen.

01.08.2019 - Bühnenpoetin Julia Engelmann lässt Konfetti für ihre Fans in der Bad Hersfelder Stiftsruine regnen: Es ist eine rosafarbene, himmelblaue und plüschige Welt, in die die 27-jährige Ich-Erzählerin – frei nach Nina Ruges Wahlspruch „Alles wird gut“ – ihr Publikum entführt. Und das tritt gemeinsam mit der Dichterin, Poetry-Slammerin, Sängerin und Schauspielerin liebend gerne diese Reise auf die Insel der Glückseligkeit an.



Romantischer Höhepunkt: Michael macht seiner Angelika ...Fotos (3): Festspiele / Steffen Sennewald

Als Trostpflaster für die Seele entpuppen sich Engelmanns lyrische Selbstgespräche sowie die Songs aus ihrem Debütalbum „Poesiealbum“. Sie singt und sinniert übers Verliebtsein, über Einsamkeit, übers Abschiednehmen und über ihre Familie: und versprüht dabei jede Menge Optimismus. „Lass mal so tun, als wären wir für immer jung. Lass mal ne Nacht drüber tanzen – ohne Gedanken“, heißt es in „Lass mal ne Nacht drüber tanzen“. In ihrem Liedgedicht und Hoffnungsschimmer-Titel „Grapefruit“ beschwört sie „Wenn du fest daran glaubst, dann wirst du glücklich und heute gibt es Grapefruit zum Frühstück. Siehst du, ich versteh dich…“

Ja, Julia Engelmann versteht uns. Oder besser gesagt diejenigen unter uns, die es sich in einer hochkomplizierten Welt bereitwillig bequem machen und einfache Lösungen präferieren. Alles wird gut – irgendwie! Nutze den Tag! Lebe deinen Traum! Mit Verve streut die gebürtige Elmshornerin Konfetti in unser Leben.

Als einstige Studentin der Psychologie und Tochter einer „Glückscoachin“ weiß die Künstlerin freilich, wie es funktioniert, eine Wohlfühlzone für jedermann zu erschaffen. Worte, wie Sonnenlicht, Federwolken, Heimat, Lichterkette, Zuckerwatte, Luftballons, Anker und Glück, die sie in ihren Gedichten verwendet, erwecken beim Zuhörer unwillkürlich ein wohliges Gefühl der Geborgenheit. „Für meine Mutter“, „Für meinen Vater“, „Für meinen Bruder“ und „Für meinen Hund“, ihre Oden an die Familie, rühren sämtliche Generationen zu Tränen.

Eine weiße Sonnenblume, ein weißes Einhorn und ein tanzendes Pärchen vor einer Großstadtkulisse – selbst das Bühnenbild passt perfekt in diesen Kontext. Harmonie ohne Ende herrscht zwischen der Vollzeitpoetin und ihren grandios aufspielenden Musikern Martin und Lukas. Harmonie herrscht auch zwischen Engelmann und ihren Fans: in der obligatorischen Fragerunde gibt sie sich authentisch, umgänglich, liebenswürdig und verständnisvoll.

i-Tüpfelchen für alle Romantiker ist, als Michael die letzte Frage des Tages nicht Julia Engelmann, sondern seiner Freundin Angelika stellt. „Eines Tages, Baby, werden wir alt sein…“ Ein Heiratsantrag in aller Öffentlichkeit. Das Publikum ist verzückt. Es regnet Konfetti (die Dichterin spricht von „Ersatzsternschnuppen“). „Ja, ich bin glücklich“, sagt Engelmann. An diesem Abend ist ganz Bad Hersfeld glücklich. (Stefanie Harth) +++