80 Jahre und kein bisschen leise

Peter Kraus rockt die Stiftsruine - der deutsche "Elvis" hat´s noch drauf

Alle Fotos: Martin Engel -

10.06.2019 - Peter Kraus, das Teenageridol der 50er- und frühen 60er-Jahre, feierte am 18. März seinen 80. Geburtstag. Er brachte als 17-Jähriger den Rock´n Roll nach Deutschland, 1957 landete er mit der deutschsprachigen Version von Little Richards „Tutti Frutti“ seinen ersten Hit. Der Hüftschwung des „deutschen Elvis“ ist legendär und er hat ihn noch immer drauf.



Am Pfingstsonntag konnte sich das Publikum im besten Alter von seinem unschlagbaren Charme überzeugen. Peter Kraus, das Sinnbild des ewigen Jugendlichen, rockte zum Hessentag die gut besuchte Stiftsruine.  Mit "Sugar Baby" eröffnete er das rund zweieinhalbständige hochkarätige, thematisch ganz besonders zusammengestellte  Programm, begleitet von einer herausragend spielenden fünfköpfigen Band und einem charismatischen, energiegeladenen Gesangspaar. Peter Kraus kam, sang und siegte. Gestern auf der Festspielbühne und im Jahr 1956 im Konzertsaal des Deutschen Museums in München. "Zu dieser Zeit hatte Deutschland noch keinen Rock´n Roller. Nur einen. Mich."

Er erinnerte mit kleinen Anekdoten an die Anfänge, den Höhepunkt und den vermeintlichen Niedergang des Rock´n Roll. Die Eltern fürchteten die Musikrichtung, die sie  liebevoll "Negermusik" genannt haben. Sie könnte die Kinder verderben. Das Publikum ging mit Peter Kraus auf eine musikalische Zeitreise, begleitete ihn in Erinnerungen schwelgend auf seiner langen musikalischen Karriere, in der er wie von ihm verlangt "lieb und nett die Mädels mit seinen Schmusesongs eingelullt hat". Die Prüderie hatte gesiegt. Selbst der echte Elvis "lullte". Peter Kraus sang "Love Me Tender" als Beweis. "Ich war der erste Rock´n Roller auf dem Platz", betont der agile Star mit einem Augenzwinkern, denn seine meistverkaufte Single ist mit "Schwarze Rose Rosemarie" kurioserweise ein Walzer, die mehr als 17 Millionen Mal verkauft wurde. Textsicher sangen die begeisterten Fans mit.

Auf seiner neuesten CD hat er die größten Hits seiner musikalischen Weggefährten wie Bill Ramsey neu vertont. "Ohne Krimi geht die Mimi nicht ins Bett" ist einer der Gassenhauer, die begeistert beklatscht wurden. Für Peter Kraus ist diese CD eine Verbeugung vor all den großartigen Künstlern der vergangenen Jahrzehnte. Ein Medley seiner eigenen großen Hits, allesamt fröhlich und temporeich, durfte natürlich nicht fehlen. Peter Kraus kann aber auch "Balladen" hingebungsvoll schmachten. Genannt sei der wunderschöne Marlene-Dietrich-Song "Sag mir wo die Blumen sind" oder "Die Straße der Vergessenen", eines seiner Lieblingslieder, die B-Seite seiner ersten Single. Und schon ist es wieder vorbei mit der Träumerei. "Marina", "Let´s Twist Again", "Viva Las Vegas", "Rock Around The Clock" sind nur einige Titel, bei denen er es auf der Bühne richtig krachen ließ. Niemand konnte glauben, dass dieser Künstler 80 Jahre alt sein soll.

Es war ein Genuss, dieses Konzert zu erleben. Das Publikum honorierte die handgemachte Musik und die gespielten Soli  mit frenetischem Applaus. Alle spürten, dass ein eingespieltes Team auf der Bühne steht und den Rahmen für einen Rock´n Roller bildet, der sich nach seiner Glanzzeit immer wieder neu erfunden hat. Sein mit ihm älter werdendes Publikum unterhielt er mit Fernsehshows wie "Hallo Peter", ging aber bis heute auch immer wieder auf Tourneen. Dabei hatte Peter Kraus bereits 2014 mit 62 ausverkauften Konzerten in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ seinen Abschied von der Bühne zelebriert. 2018 wiederholte er die Abschiedstournee, um seinen Fans mitzuteilen: „Schön war die Zeit“.

Schnell merkte er: Die Energie, die ich auf der Bühne bekomme, ist mein Lebenselixier und das Geheimnis meiner Beweglichkeit. So kamen die Freunde des Rock´n Rolls in der Hessentagsstadt in den Genuss eines seiner ausgewählten Konzerte.  Wer nicht genug bekommen kann, dem kann geholfen werden. Im Oktober 2019 startet seine „Jubiläumstour“ aus Anlass seines runden Geburtstages und seiner anstehenden Goldenen Hochzeit. Außerdem ist es die fünfte Abschiedstournee,  die aber nun definitiv die letzte sein soll. Vorausschauend forderte das Publikum mit stehenden Ovationen Zugaben und wurde mit einer langen Version von "Sugar Baby" ordentlich in Bewegung gebracht und berührend  und leise verabschiedet. (Gudrun Schmidl) +++