Farbenfrohes Hessenland

Größte Trachtenvielfalt in Deutschland - die Hersfelder Tracht gehört dazu

Fotos: Gudrun Schmidl - Schon der Nachwuchs ist mit Feuereifer dabei.

13.06.2019 - Hessen hat aufgrund seiner geschichtlichen Vergangenheit von allen Bundesländern die größte Trachtenvielfalt, rund 40 an der Zahl. Am Mittwoch hatten interessierte Besucher die Gelegenheit, sich über das „Farbenfrohe Hessenland“ im „Trachtenland Hessen“ zu informieren, das auch für den Verband steht. Gemeinsam mit Jung und Alt stellt die Hessische Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege und der Bund kultureller Jugend die Trachten- und Brauchtumsvielfalt in Hessen dar und vereinen über 17.000 Mitglieder aus dem ganzen Bundesland.



Irmgard Schmidt (links) moderierte den Auftritt ...

Auf der Bühne tanzte zunächst die Kindergruppe der Volkstanzgruppe Ludwigsau-Tann unter der Leitung von Marion Scherer. Mit viel Hintergrundwissen informierte Irmgard Schmidt, die Gründerin der Volkstanzgruppe Ludwigsau-Tann, über die Besonderheiten der Trachten, die früher manchmal schon von Ort zu Ort ganz anders ausgesehen haben. Schnell war klar: Das ist eine Wissenschaft für sich.  

Das Schnierheit

Die Ludwigsauer tanzen in der Hersfelder Tracht, zu der neben dem Hersfelder Raum auch die Dörfer aus dem Aulatal von Kirchheim bis Oberaula und die Gemeinden aus dem Landecker Amt (Schenklengsfeld, Friedewald, Malkomes, Lautenhausen und Ausbach) gehören. Die Trachten sind relativ schlicht und in gedeckten Farben gehalten. Durch die vielen in Hersfeld ansässigen Tuchfabriken wurden neue leichte Stoffe hergestellt. Viele Leute arbeiteten in den Fabriken und bekamen die Stoffe dort günstig zu kaufen.

Die Jüngsten tanzen in roten Röcken, die früher nur am Kirmestanz von den jungen Mädchen getragen wurde. Die verheirateten Frauen trugen den Rock als Unterrock. Die jungen Tänzerinnen auf der Bühne tragen weiße Leinenunterhosen mit Gummizug und Spitzenbesatz am Bein. Eine Besonderheit ist das Schnierheit, der Name kommt vom „schnüren“ um den Schnatz auf dem Kopf, war ursprünglich die Brautkrone und wurde zur Hochzeit noch mit langen weißen Bändern geschmückt. Aber auch zu Kindstaufen war es für junge Mädchen üblich, das Schnierheit zum Kirchgang zu tragen.

„Blaues Garn und Kupferdraht“, die „Münchner Polka“, der „Besentanz“ in Anlehnung an die Besenbinder im Besengrund, gehörten zum vielfältigen, schwungvollen Repertoire des Nachwuchses. Irmgard Schmidt erläuterte die ausgestellten Trachten im „Trachtenland Hessen“. Natürlich ist die Hersfelder Tracht dabei, aber auch eine Ungarn-Deutsche Tracht aus dem Besitz von Irmgard Schmidt. Diese Tracht ist sinnbildlich für den ersten Hessentag im Jahr 1961, initiiert von dem damaligen Ministerpräsidenten Georg August Zinn. Mit dem Landesfest wollte er erreichen, dass sich die Alteingesessenen und Zuwanderer, die zahlreichen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen besser kennenlernen. 

Ungarisch-Deutsche Tracht (links)

Schnierheit aus dem Jahr 1890

Dann gehörte der Schlitzerländer Trachten- und Volkstanzgruppe die Bühne. Die Schlitzerländer Tracht ist eine vielfältige und stolze Bauerntracht, die von den Bewohnern der 16 Dörfer des Schlitzerlandes bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts getragen wurde. Eine weitere Tracht, die auf „Integration zugeschnitten ist“. Trachten verbinden die Menschen in Deutschland, in Europa und weltweit. (Gudrun Schmidl) +++