Kommentar von Hans-Hubertus Braune

Zehn Tage für die Ewigkeit - Danke, Bad Hersfeld, für diesen genialen Hessentag

Fotos: Hans-Hubertus Braune -

18.06.2019 - Was wurde im Vorfeld kritisiert, schlecht geredet - und überhaupt: "Die können das eh nicht..." Es gehört wohl zur deutschen Grundmentalität: Erstmal alles negativ sehen. Nur gut, dass es ein paar positiv gestimmte "Verrückte" im Vorfeld gab, die sich Tag und Nacht um die Ohren geschlagen haben, um ein Fest auf die Beine zu stellen, das in überaus schöner Erinnerung bleiben wird. Über 862.000 Besucher, über 1.000 Einzelveranstaltungen in zehn Tagen: das sind die nackten Zahlen.



Um den Kritikern nicht gleich die Lust am Weiterlesen zu nehmen: Ja, es gab auch ein paar Dinge, die nicht optimal waren. Dazu weiter unten. Erstmal steht das Positive im Vordergrund. Das Verkehrskonzept ist aufgegangen. Ganz staufrei bekommt man solch einen Marathon nicht hin. Und ja, nicht für jeden Einzelnen kann mitten in der Nacht noch ein Bus fahren. Insgesamt aber war das TOP. Auch der Aufwand am Bahnhof war vollkommen gerechtfertigt. Wer schon einmal nach einem Bundesligaspiel schnell raus aus der jeweiligen Stadt wollte, weiß, was das bedeutet. Und dort gibt es eine entsprechende Infrastruktur. Bundespolizei und Polizei sind hochzufrieden.

Daumen hoch für den Hessentag in ...Foto: Carina Jirsch

Begeisterung herrschte in der Stadt: Was all die Vereine, Institutionen und Gruppen in ihrem jeweiligen Bereich auf die Beine gestellt haben, war beeindruckend. Es ist schwer, Einzelne herauszuheben. Stellvertretend sollen die evangelische Kirche mit ihrem Feuer und Flamme-Konzept, das wunderbare Projekt Natur auf der Spur oder das Festival des Sports genannt werden. Stellvertretend für so viele, die sich besonders engagiert haben, nenne ich Heide Aust. Was sie mit ihrem Team geleistet hat: einfach nur Respekt.

Das gilt sicher auch für den Ersten Stadtrat Gunter Grimm und dessen Team. Ich glaube, niemand wollte oder will mit ihm tauschen. Wer für die Sicherheit zuständig ist, wandelt immer auf einem schmalen Grat zwischen Vernunft und Partyspaß. Viel Kritik gab es für die Konzertabsage der Black Eyed Peas. Stellen Sie sich mal vor: Sie sind für die Sicherheit tausender Menschen verantwortlich? Ist immer leicht gesagt, das musste nicht sein. Im Nachhinein sowieso.

Das Wetter war der einzige Störfaktor, unterm Strich aber lässt sich selbst darüber nicht so viel meckern. Die Stimmung in der Stadt war einfach klasse. Die Menschen schlenderten durch die Straßen, guckten hier und guckten dort. Im Kurpark gab es so viel zu bestaunen und zum Mitmachen. Gerade auch für die Kinder und Jugendlichen. Auf dem Marktplatz zog die Landesausstellung zehntausende Besucher an. Es zeigt sich, dass die Informationen der Ministerien durchaus interessant sind. Dazu das Polizei-Bistro. Die Polizei und die Bundeswehr entwickelten sich zudem zu Hot-Spots für diejenigen, die abends abtanzen und feiern wollten.

Im Schilde-Park hatte der hessische Rundfunk ein Areal geschaffen, welches ebenso begeisterte. Selbst viele junge Leute und diejenigen, die nicht so oft ins dritte Programm zappen, haben gemerkt: der HR hat es drauf. Das Gewusel war auch für uns höchst interessant. Allein 220 Mitarbeiter waren für den HR vor Ort.

Eines kann man auch sagen: hungrig musste keiner bleiben. Bude an Bude reihte sich in der Hessentagsstraße - für einige zu viel des kulinarischen Schmauses. Die Sparkassen-Arena wurde im Vorfeld kritisch beäugt. 15.000 - wie sollen die da reinpassen?! Bestens. Das Areal war selbst bei Just White immer noch so, dass man sich nicht eingezwängt fühlte. Die Stars gaben - ZZ Top mit Abstrichen - Vollgas. Mein persönliches Highlight: Früher, vor 35 Jahren, habe ich schon "Santa Maria" gehört. Dass Roland Kaiser mal in Bad Hersfeld auftreten würde, das habe ich nicht gedacht. Roland, Du warst Spitze (er hat uns allen das "Du" angeboten).

Nicht verschwiegen werden darf allerdings: Dass Gehbehinderte mit Krücken oder Rollator zunächst nicht in die Sparkassen-Arena rein durften, erschließt sich mir nicht. Wer liest sich die Geschäftsbedingungen auf den Tickets durch? Der Sicherheitsdienst hat nur gehandelt und war machtlos. Es waren die Vorgaben. Vor der FFH-Party wurde diese blödsinnige Sicherheitsmaßnahme aufgeweicht - und es ging problemlos. Warum nicht gleich so?

Klar, die Anwohner mussten zurückstecken und fanden sich in so manch einer Sackgasse. Manche beschwerten sich in den sozialen Medien über fehlende Busverbindungen. Jetzt aber ist es geschafft. All die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Menschen, die sich für den Hessentag engagiert haben, haben einen grandiosen Job gemacht. Am Montagabend treffen sie sich zum Helferfest. Feiert ordentlich: Ihr habt es Euch mehr als verdient. Es bleibt nur eines zu sagen: Danke, Bad Hersfeld, für diese zehn Tage für die Ewigkeit. (Hans-Hubertus Braune) +++