Ein Appell, der es in sich hat

Diskussion ums Fierche entbrannt: Am Alten festhalten oder das Klima schützen?

Archivfotos: O|N - Mit dem Entzünden des Fierche auf dem Marktplatz beginnt in Bad Hersfeld Deutschlands ältestes Volksfest - das Lullusfest.

07.10.2019 - Mit seinem Appell an die Stadt Bad Hersfeld, das Lullusfeuer bereits am Lolls-Donnerstag zu löschen, hat Martin Püschel in den sozialen Netzwerken eine Welle der Entrüstung ausgelöst – und gleichzeitig zum Nachdenken angeregt. Mit ihrem Ansinnen, die Brenndauer des Fierche um drei Tage zu verkürzen, wollen der 31-Jährige und dessen Mitstreiter einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.



„Wir machen uns Sorgen um unsere Zukunft und appellieren an Sie, die CO2-Belastung der Stadt Bad Hersfeld zu reduzieren“, heißt es in einem Schreiben an die Stadt und die politischen Mandatsträger. „Eine gute Möglichkeit wäre, beim Lullusfest wieder zu der anfänglichen Tradition zurückzukehren und das Lullusfeuer, wie es früher üblich war, nur von Montag bis Donnerstag brennen zu lassen.“

OSTHESSEN|NEWS hat im Bad Hersfelder Rathaus, bei Stefan Kopetschek vom Lullusfest-Verein, bei Feuermeister Klaus Otto und bei Geschäftsmann Arno Seelen nachgehakt. Übrigens: Sowohl Kopetschek als auch Otto und Seelen sind Mitglieder der Lullusfestkommission oder gehören dieser als sachkundige Einwohner an.

Während das Fierche brennt, regiert in ...

Am Betrieb des Lullusfeuers in diesem Jahr könne nichts mehr geändert werden, heißt es aus dem Bad Hersfelder Rathaus. „Die Laufzeit des Feuers ist, wie viele andere städtische Leistungen auch, natürlich Teil der aktuellen Absprachen mit allen Beteiligten des Lullusfestes und auch in dem schon verabredeten Sicherheitskonzept so festgelegt.“ Allerdings werde Martin Püschels Vorschlag wunschgemäß an die politischen Verantwortlichen weitergegeben. „Dies sind konkret die Mitglieder der städtischen Lullusfestkommission, in der neben Vertretern aus der Bürgerschaft auch Stadtpolitiker vertreten sind.“

Feuermeister Klaus Otto.

Die mühevoll gesammelten Kastanien werden ihrer ...

Stefan Kopetschek, der erste Vorsitzende des ...

Am liebsten am „guten Alten“ festhalten möchte Stefan Kopetschek, der erste Vorsitzende des Lullusfest-Vereins: „Holz verbrennt CO2-neutral“, sagt er. Sowohl Stadt als auch Schausteller seien bemüht, die Umwelt zu schonen. „Das Gros der Schausteller hat beispielsweise auf LED-Beleuchtung umgestellt“, erläutert der Lolls-Enthusiast.

Das Fierche sei der wichtigste und schönste Treffpunkt während des Lullusfestes. Dass das Lullusfeuer bis Sonntagabend brennt, hätte durchaus Sinn. „Die Verlängerung übers Wochenende ist damals speziell für Familien eingeführt worden“, erörtert Kopetschek. „Zudem kommen Besucher und gebürtige Bad Hersfelder in Scharen extra am Wochenende angereist, um in des Feuers Glut zu blicken und in Erinnerungen zu schwelgen.“

Deutliche Worte findet Feuermeister Klaus Otto: „Langsam aber sicher machen wir uns zum Gespött der Welt. Bad Hersfeld kann die Welt nicht allein retten. Im übertragenen Sinn dürften wir dann auch keine Würstchen mehr braten, mit Holzkohle grillen und müssten auf Hutzel- oder Osterfeuer verzichten. Lasst uns bitte bedenken, dass sich unglaublich viele Menschen darauf freuen, am Wochenende das Fierche zu sehen.“

Auch Geschäftsmann Arno Seelen, der den Stadtmarketingverein in der Lullusfestkommission repräsentiert, plädiert dafür, an der jetzigen Regelung festhalten: „Vor vielen Jahren ist die Brenndauer des Fierche bis Sonntag verlängert worden – und das war die richtige Entscheidung. Schließlich entpuppt sich das Lullusfeuer gerade am Wochenende als Publikumsmagnet und liebgewonnener Treffpunkt.“

Fakt ist: 2019 brennt das Fierche bis Sonntagabend. Fakt ist aber auch, dass sich die Lullusfestkommision mit der Thematik auseinandersetzen wird. (Stefanie Harth) +++