09.08.07 - VB

Experte aus Niederlanden bei KVA - "brauchen neue Kultur des Ernstnehmens"

"Wir brauchen eine neue Kultur der Kommunikation und des Ernstnehmens", sagte Arbeitsmarktberater Dick Vink aus den Niederlanden. Dort werden seit einigen Jahren „erstaunliche Erfahrungen“ mit "sofortiger Arbeitsvermittlung" dem sogenannten "Work first Prinzip" und in der "Werkakademie" gemacht. Dick Vink war auf Einladung Werner Köhlers nach Lauterbach gekommen. Köhler ist Chef des Amtes für Soziale Sicherung und damit auch zuständig für die größte Abteilung der Kreisverwaltung, die Kommunale Vermittlungsagentur (KVA). Begleitet wurde Dick Vink von Dr. Bernd Werner von der Hessen-Agentur und Stephan Wachsmuth aus dem Hessischen Sozialministerium.

Der Experte aus Holland, selbst zuvor langjähriger Sozialamtsleiter, bescheinigte den Vogelsberger Kollegen: "Der Vogelsbergkreis ist schon ganz weit in der positiven Entwicklung." Werner Köhler, Bruno Eurich, Sachgebietsleiter der KVA, und Hans-Ulrich Merle, Bereichsleiter der Aktivierenden Hilfe, betonten ihre Schwerpunktsetzung gerade bei den jungen Menschen. 20 Prozent aller SGB-II-Kunden sind junge Leute unter 25 Jahren. "Hier entfalten wir unsere größten Anstrengungen und gerade hier funktioniert die regionale Zusammenarbeit besonders gut", sagte Merle.

Das Foto zeigt von links Marina Fölsing, Controlling in der KVA, Hans-Ulrich Merle, Aktivierende Hilfe KVA, Bruno Eurich, Sachgebietsleiter KVA, Werner Köhler, Chef des Amtes für Soziale Sicherung, Dick Vink, niederländischer Arbeitsmarkt-Experte, Dr. Bernd Werner, Hessen-Agentur, und Stephan Wachsmuth, Sozialministerium.

Das "Netzwerk Jugend und Beruf", die Zusammenarbeit mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, das Projekt JOKER zur Erlangung des Hauptschulabschlusses und die Bedeutung von Praktika seien besonders herauszustellen. 80 Ausbildungsplätze biete beispielsweise allein das Netzwerk - mit einer Vermittlungsquote von 40 Prozent.

Prinzip Gegenseitigkeit

Dick Vink plädierte in seinem leidenschaftlichen Vortrag an die Fachleute für flexibles, positives Denken, für Aktivierung und Ermutigung - und sich immer wieder neu die Frage zu stellen: "Wie sehe ich meine Kunden?" Das Prinzip der "Gegenseitigkeit" spiele eine zentrale Rolle fürs Gelingen. Dazu zähle seine Erfahrung des "Work for support"-Arbeiten, um Unterstützung zu erhalten.

„Es ist deine Aufgabe, Arbeit zu finden“

In der "Werkakademie" zum Beispiel ist jeder Antragsteller, der staatliche Unterstützung erhalten möchte, verpflichtet, sofort und direkt in der Werkakademie an vier Vormittagen in der Wochen pünktlich anwesend zu sein und zu arbeiten. Das heißt: gemeinsam mit anderen Interessenten im Internet gezielt selbst - mit dem verlässlichen Beistand von Beratern - nach geeigneten Jobs zu suchen. Den Arbeit und Unterstützung Suchenden wird gesagt: "To get a job is your job" - Es ist deine Aufgabe, Arbeit zu finden.

Daraus entwickle sich "Empowerment" und eine hohe Dynamik. Unter anderem auch mit dem Ergebnis, dass die Nicht-Engagierten nicht mehr kämen - aber damit auch keine Unterstützung mehr erhalten. In der neuen Erfahrung in der Werkakademie entstehe erkennbar häufiger als sonst eine neue Sichtweise auf sich selbst mit dem Ergebnis: mehr Optimismus, mehr Energie. Das nennen die Fachleute "Empowerment": Selbstbestimmung erlebbar machen, das Gefühl der Selbstwirksamkeit spüren und zielgerichtetes Handeln fördern. Dabei komme dem "Stiften von Zusammenhängen" - so zum Beispiel in der Werkakademie - eine besondere Rolle zu. Wichtig für den tatsächlichen Vermittlungserfolg seien dann der direkte und schnelle Kontakt mit dem Arbeitgeber und intensives Job-Coaching. Hier habe der Vogelsbergkreis bereits seit zehn Jahren beste Erfahrungen machen können - zum Nutzen von Arbeitsuchenden und Arbeitgebern.

Schwierige Mobilitätssituation im großen Vogelsbergkreis

Ministerpräsident Roland Koch und Sozialministerin Silke Lautenschläger hatten im Frühjahr mit sieben hessischen Optionskommunen, darunter dem Vogelsbergkreis, vereinbart, solide und überprüfte Erfahrungen aus den USA und den Niederlanden gerade bei der Jobvermittlung von jungen Menschen für die Praxis vor Ort nutzbar zu machen. Die Hessen-Agentur stellt die Kontakte her und betreut dann gemeinsam entwickelte Projekte. Ein wichtiges Problem, das speziell angegangen werden soll, ist die schwierige Mobilitätssituation im großen Vogelsbergkreis. "Es ist einfach nicht möglich, einem 17-Jährigen aus Freiensteinau eine Lehrstelle in Antrifttal anzubieten. Der kommt da einfach nicht hin", gab Merle zu bedenken.

3300 Bedarfsgemeinschaften im Vogelsberg

Im Vogelsbergkreis betreut die KVA rund 4700 Personen in 3300 Bedarfsgemeinschaften. Zu den Empfängern von Arbeitslosengeld II - das auch nach dem vorbestraften Peter Hartz benannt als Hartz IV bekannt ist - gehören aber nicht nur Langzeitarbeitslose, sondern eben auch Jugendliche mit sehr schlechten Startbedingungen. So erwartet die KVA - ganz unabhängig von der derzeit eher positiven konjunkturellen Entwicklung - für Herbst 2007 einen Zugang von 300 Schulabgängern in den Bereich des SGB II (Arbeitslosengeld II). Aber auch die Familienangehörigen in den Bedarfsgemeinschaften zählen zu den KVA-Klienten. Zum Beispiel ist ein 15-jähriger Schüler auch einer von den 4700 Hartz-IV-Empfängern aber eben überhaupt nicht arbeitsuchend. "Er steht aber in unserer Statistik mit drin", sagte Werner Köhler.

Die meisten Optionskommunen sind in Hessen

Hessen stellt mit die meisten Landkreise (13 von insgesamt 69 in Deutschland) in diesem bis 2010 festgelegten Modellversuch, die Aufgabenstellung aus dem Sozialgesetzbuch zwei - besser bekannt als Hartz IV - den Kreisen direkt zu übertragen. In dieser Option kümmern sich die Landkreise selbst und eigenverantwortlich um die Betreuung, Unterstützung, Beratung und Vermittlung von Langzeitarbeitslosen sowie von Personen mit vielen Vermittlungshemmnissen, während sich das klassische "Arbeitsamt", also die Bundesagentur für Arbeit für die "schneller und einfacher zu vermittelnden Arbeitssuchenden" im Bereich ALG I (Arbeitslosengeld I) zuständig ist. +++

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