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Käse- und andere Milchprodukte: bald nichts mehr wert? - Foto: Ascada_pixelio

REGION Russische Sanktionen

Krise in der Krise - Osthessische Milchbauern bangen um den Markt

19.08.14 - Es kriselt schon länger auf dem europäischen Milchmarkt, jetzt scheinen die Existenzängste osthessischer Bauern noch mehr begründet: die aktuellen Entwicklungen rund um den Konflikt in der Ukraine befördern die angespannte Situation der Milchviehhalter. Die russischen Handelsbeschränkungen wirken sich zwar größtenteils auf Polen und Litauen aus, trotzdem sind auch deutsche Bauern von dem Importstop betroffen. Einige fürchten um ihre Existenz und fordern ein nachhaltiges Krisenmanagement. Der "Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V." (BDM) verlangt von der Regierung ein wirkungsvolleres Sicherheitsnetz.

"Man wird da schon mal als Schwarzmaler bezeichnet, aber Fakt ist eins", so Milchbauer Oswald Henkel aus Hofbieber-Mahlerts: "Am 15. jeden Monats bekommen wir unser Milchgeld vom Vormonat. Dieses Mal stand ein Vermerk dabei, dass der Käseimport nach Russland schwierig wird. Der Preis ist jetzt schon um einen Cent zurückgegangen. Das klingt nicht viel, aber die Verträge mit den Einzelhandelsunternehmen bestehen auch noch. Was wird erst, wenn das nicht mehr so ist?", sagte der Milchbauer gegenüber OSTHESSEN|NEWS

Viele Milchviehhalter bangen um ihre Existenz Archivfotos: Redaktion

Schon vor einem Jahr forderten die ...


Preise für Milchprodukte im freien Fall

"Handelsbeschränkungen mit Russland hat es schon seit längerer Zeit gegeben", so Sprecherin Jutta Weiß vom BDM. "Allerdings ist der Importstopp jetzt umfassender." Die Preise für Milch auf dem Weltmarkt würden sowieso schon zusammenbrechen. An den internationalen Märkten sind seit Februar 2014 die Preise für Milchprodukte im freien Fall. Auktionen des Global Dairy Trade Tender, die einen wichtigen Indikator für Weltmarktpreise darstellen, seien laut BDM um über 40 Prozent gefallen. So wird Butter zum Beispiel nur noch mit einem Kurs knapp über zwei Euro das Kilo gehandelt. Hauptauslöser sei der starke Anstieg der EU-Milchproduktion und der Rückgang der chinesischen Importe von Milchpulver.

„Dazu kommen in dieser prekären Marktsituation die russischen Handelsbeschränkungen für europäische Milchprodukte“, sagt BDM-Vorsitzender Romuald Schaber. Die Sanktionen von russischer Seite seien nun das "Tüpfelchen auf dem ’I’ ". Bisher haben Molkereien immer Wege gefunden, trotz diverser Importverbote, ihre Milchprodukte nach Russland zu verkaufen - meist nicht direkt, sondern zum Teil über andere Länder, aber sie haben es geschafft. Dies sei nun nicht mehr möglich, der Markt ist viel schwieriger zu bedienen.

"Natürlich sind Bedenken da, viele Milchbauern beobachten die Situation mit großer Sorge", so Weiß. Konkrete Zahlen über die Auswirkungen der Sanktionen für Osthessen gibt es jedoch noch nicht, dafür sei es auch zu früh. Erst in dieser Woche wurde bekannt, dass viele Gemüsebauern auf ihren Produkten sitzen bleiben. Brüssel stellt für die Produzenten leicht verderblicher Ost- und Gemüsesorten bis zu 125 Millionen Euro bereit. "Gemüsewachstum lässt sich nicht mehr aufhalten", so Henkel. "Aber auf dem Milchmarkt könnte man noch Einiges bewegen. Durch geschickte, angepasste Fördermaßnahmen darf man kein ungebremstes Wachstum belohnen und dadurch den Markt manipulieren, sondern die Chancengleichheit erhöhen durch eine nachhaltige Produktion in der Region".

Akuter Handlungsbedarf nötig

"Die Krise in Russland zeigt, dass es Ereignisse gibt, auf die der Milchbauern keinen Einfluss hat", so Weiß. Deswegen sei akuter Handlungsbedarf nötig, der BDM fordert in einer Pressemitteilung in wirkungsvolles Sicherheitsnetz: "Statt die Diskussion um die Abschaffung des Fettkorrekturfaktors immer wieder anzuheizen, muss das EU-Sicherheitsnetz neben der Möglichkeit, Produkte in die Intervention und Private Lagerhaltung zu legen, durch ein Instrument ergänzt werden, das in der Lage ist, befristet und zeitlich überschaubar eine weitere Ausweitung der Milchproduktion zumindest stark einzugrenzen."

Am Dienstag (19.08.2014) wird es im Bürgerhaus Romrod eine Diskussion zur aktuellen Situation rund um den Milchmarkt geben, zu dem auch Staatsministerin Priska Hinz, Agrarsoziologin Dr. Karin Jürgens und Romuald Schaber geladen sind. Los geht die Veranstaltung um 19.30 Uhr. (Anne Baumann) +++


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