FULDA Bürgerversammlung sieben Fuldaer Ortsteile

Gegen Südlinktrasse - Ersatzkonzept vorgestellt: Erdverkabelungstrasse - Resolution an OB

14.11.14 - Der Wiederstand gegen die Südlink-Trasse durch die Fuldaer Stadtteile wächst: Bereits zum dritten Mal haben sich Gegner der Stromtrasse aus Haimbach, Harmerz, Istergiesel, Johannesberg, Sickels, Zell und Zirkenbach im Vereinszentrum Johannesberg zur Bürgerversammlung getroffen. Als gastgebender Ortsvorsteher (OV) begrüßte Erwin Stock zunächst die zahlreichen Teilnehmer – über 300 Bürger der westlichen Stadtteile waren gekommen - darunter besonders auch Fuldaer Stadträte, Stadtverordnete, die Ortsvorsteher anderer Stadtteile sowie die Vertreter der erst vor einem Monat gegründeten Bürgerinitiative Fuldatal.

Martin Haseneier, OV in Harmerz, führte als Moderator des Abends in die Genese der Stromtrassenplanung seit dem Atomausstieg im Jahr 2011 ein, gab eine detaillierte Darstellung der alternativen Trassenverläufe in den westlichen Stadtteilen und zeigte deren Konsequenzen für die Einwohner der westlichen Stadtteile auf: neben Gesundheitsrisiken, Wertminderung der Immobilien, Eingriffe in Flora und Fauna. Mit Fotomontagen machte er die Dimensionen der HÜG-Leitung anschaulich. Er kritisierte insbesondere die Art und Weise des Vorgehens: über die Köpfe der Bevölkerung hinweg würden die Bürger scheinbar vor vollendete Tatsachen gestellt.

Er setzte sich werbend für eine Mitgliedschaft in der BI-Fuldatal ein. Alle Ortsvorsteher hätten dies für sich beschlossen. Dann kamen die Vertreter der Bürgerinitiative Fuldatal zu Wort. Deren Vorsitzender Johannes Lange wies eingangs auf mögliche Gesundheitsgefahren für Menschen hin und demonstrierte sodann die zu befürchtenden massiven Eingriffe für Fauna und Flora. Guntram Ziepel, stellvertretender BI-Vorsitzender und Ingenieur für Elektrotechnik, gab einen kurzen Überblick zum Sachstand und zur Genese des BI-Widerstandes sowie über die weiter geplanten Schritte. Die BI unterstütze die Energiewende, aber diese müsse mit Zukunftstechnik realisiert werden, so Ziepel. Insbesondere fehlten in der gegenwärtigen Diskussion zum Netzausbau jegliche sinnvollen Hinweise zur Speicherung von Strom. Ohne Speicher mache die Energiewende keinen Sinn.

Erdverkabelungstrasse sei deutlich billiger

Neu und über die bisher in Bürgerversammlungen gemachten Informationen hinausgehend gab Ziepel eine vergleichende Übersicht über Vor- und Nachteile sowie über Risikounterschiede zwischen einer Hochspannungs-Gleichstrom-Überlandleitung (HGÜ) und einer möglichen Erdverkabelung. Eine Erdverkabelungstrasse, die nach einer Planung der Infranetz-AG in Müden/Aller entlang des Elbe-Seitenkanals bis Salzgitter, danach entlang der Autobahn bis Grafenrheinfeld führt, wäre entgegen bisher genannter Kostengrößen nicht mehrfach teurer, sondern sogar rund 330 Millionen Euro billiger. Sie wäre zudem für Menschen, Tiere und Natur unbedenklich und würde nur eine Trassenbreite von drei Metern benötigen – statt 100 Meter bei einer Freileitung durch Waldgebiete. Ihre technische Lebensdauer sei mit 50 Jahren um 10 Jahre länger, ihre späteren Betriebskosten betrügen nur etwa ein Drittel im Vergleich zur HGÜ. Es seien ferner keine Wertverluste für in der Nähe liegende Immobilien zu erwarten, auch unter dem Aspekt von Sicherheit (Unwetter oder Terror) hätte Erdverkabelung klare Vorteile.

Bei einer Verlegung mit dem Flüssigbodenverfahren könnten die Trassenstreifen zudem sehr schnell wieder genutzt werden, die Bodentemperatur würde sich nur um weniger als ein Grad im Wurzelbereich erhöhen. Rechtliche Probleme oder langwierige Gerichtverfahren wegen möglicher Verstöße gegen Grundgesetzartikel (Art. 2 körperliche Unversehrtheit, Art. 14 Enteignung nur zum Wohl der Allgemeinheit, Art. 20a Verantwortung gegenüber künftigen Generationen, Art. 70 Herstellung gleicher Lebensverhältnisse) seien nicht zu erwarten. Laut Aussagen der Infranetz AG – am 11. November hat es dazu im Stadtplanungsamt der Stadt Fulda im kleinen Kreis eine Information durch deren Aufsichtsratsvorsitzenden Ingo Rennert gegeben – verfüge man bei der Erdverkabelungstechnik bereits über gute Erfahrungen:

Es seien bereits über 4.000 Kilometer solcher Kabel weltweit verlegt, etwa ein Drittel davon in Deutschland. Vorausgesetzt es werde bei einer erneuten Prüfung tatsächlich der Bedarf für eine Stromtrasse festgestellt (Deutschland hatte im Jahr 2013 31 Mrd. kWh Strom Exportüberschuss), müsse es sodann das Ziel sein, die Öffnung des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes (NABeG) für die Vollverkabelungstechnik zu erreichen statt einer bislang nur zugelassenen Teilverkabelung in der Nähe von Ortschaften. Zur Lösung der Speicherproblematik verwies Ziepel auf Beispiele von Audi in Ingolstadt und Mainova in Frankfurt und erläuterte erfolgreiche Projekte der Umwandlung von Strom in Gas („Power to Gas“). So könnten Stromtrassen überhaupt vermieden werden.

In der anschließenden Diskussion ging es in Fragen um mögliche Enteignungsverfahren von Grundeigentümern und um die widersprüchlichen Aussagen von TenneT und der Infranetz AG über die Kosten der Erdverkabelung. Mit großem Applaus bedacht wurden Forderungen nach einem massiven öffentlichen Protest und Widerstand, nach massiver Öffentlichkeitsarbeit und einem Zusammengehen von parteiunabhängigen Bürgerinitiativen und den zuständigen Politikern. Dies machte für die Fulder CDU Dr. Albert Post deutlich: Die Stadtverordnetenfraktion habe ebenso wie der Magistrat und der Kreistag gegen die geplante Stromtrasse eine einstimmige Resolution formuliert.

„Die CDU steht an der Seite der BI.“ Auch wenn es schwer sei, auf den fahrenden Planungszug aufzuspringen: „Es geht nur durch den Willen der Bürger, nur durch den Widerstand der Bürger. Das ist der einzige Weg, der hier noch hilft.“, so Dr. Post. Für die SPD ging Bernhard Lindner ans Mikrofon: Die SPD-Landtagsfraktion habe in dieser Woche eine Regelung für den Mindestabstand von Stromtrassen von Wohngebieten und Wohnhäusern zur Beschlussfassung in den Landtag eingebracht, die im Landesentwicklungsplan festgelegt werden solle: 400 Meter. Die SPD wolle, dass in Hessen die gleiche Regelungen gelten wie in Niedersachsen. In dem Bemühen gegen eine solche Trasse „ziehen wir alle am gleichen Strick.“, so Lindner. Fast einstimmig verabschiedete die Versammlung eine Resolution an Fuldas Oberbürgermeister Möller und an alle MdL und MdB aus Osthessen. +++


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