FULDA Kunst und Kirche

„Getanzte Vesper“ verkündet die Adventsbotschaft

11.12.14 - Am zweiten Advent fand in der Fuldaer Stadtpfarrkirche eine „getanzte Vesper“ statt, an der etwa 250 Besucher teilnahmen. Unter dem Leitwort “Wie schön leuchtet der Morgenstern” wurde das liturgische Abendgebet der Kirche gestaltet, in das Musik, Sprache, Tanz und Licht einflossen. Idee und Konzept entwickelte die Tänzerin und Choreographin Dorothée Bretz aus Fulda, die zusammen mit den Tänzerinnen Loreen Fajgel aus Kassel und Laila Clematide aus Düsseldorf die darstellerischen Parts übernahm. Die musikalische Gestaltung übernahmen Prof. Hans-Jürgen Kaiser (Orgel), Rudolf Schneider (Klarinette) und Dorina Reichling (Gesang). Das Lichtdesign kreierte Benedikt Kaiser. „Eine klare Liturgie, gefüllt durch diese Elemente von Musik, Licht und Tanz nehmen uns mit in den Advent“, erläuterte Dechant Markus Blümel aus Eiterfeld, der diesem besonderen Vespergebet vorstand.

Bei der Umsetzung des Leitworts boten die drei Tänzerinnen verschiedene Ansätze: Modern und skurril wirkte die erste Interpretation vom Stern zu einem Klarinettensolo von Sutermeister: In gelbe Tücher gehüllt und so kaum als menschliche Wesen erkennbar, expandierten sie zu einem Gebilde, das sich streckte und in sich zusammen fiel, um erneut zu erstehen - ein Hinweis auf die bevorstehende Menschwerdung des Göttlichen. Im Hymnus wurde der strahlende Morgenstern gepriesen: Die Tänzerinnen, in fein schillernden Kleidern, ließen im ersten Satz eines dreisätzigen Werkes von Naji Hakim für Klarinette und Orgel den Stern langsam schreitend aufgehen, im zweiten Satz folgte eine verspielte, folkloristisch angehauchte Version, die den Stern immer wieder in der Formation sichtbar werden ließ.

Eindrucksvoll wurde der Psalm 16 „Behüte mich Gott, denn ich vertraue dir“ in einem Solo mit Rezitation und Orgel umgesetzt, bei dem die Tänzerin zu Beginn auf einer Kirchenbank balancierte, um dann in den Mittelgang zu springen. Dort nahm sie die Besucher mit in das Anliegen des Psalmisten hinein „an den Heiligen im Lande nur hab´ ich mein Gefallen“. Nach einem kurzen Moment auf der Hauptbühne verließ die Tänzerin wieder über eine Kirchenbank balancierend die Szene mit der Zuversicht des Verses „Du bist mein Herr, mein ganzes Glück bist Du allein“. Tänzerisch wurde auf die Marias-Variationen einiges geboten: Soli, Duette und kleine Trios flossen dabei gekonnt zu den einfühlsamen Klängen von Orgel und Klarinette zusammen und ließen im Zuschauer zarte Bilder entstehen. Einen Höhepunkt bildete ein Duett zum Magnifikat, das zum klaren Gesang der Sopranistin die Bedeutung der Mutter Gottes für die Heilsgeschichte hervorhob. Die Tänzerinnen gestalteten dieses Stück teils bildlich, teils abstrakt, ein wiederkehrendes, schlingendes Armmotiv und Momente in denen „Größtes“ und „Kleinstes“ verschmelzen, bildeten hierbei die Bewegungsthemen.

Zum Abschluss kam die überragende Wirkung von Licht in Verbindung mit tänzerischer Bewegung und Raum noch einmal besonders zur Geltung, dabei wurde auch eine Nebenbühne im Altarraum genutzt: Sphärisch tastend, gen Himmel strebend, bewegten sich die drei Tänzerinnen in blauem Licht zu dem Lied „Segne Du Maria“ vor dem Hochaltar und schlossen so den Kreis mit dem Hinweis auf das Zentrum des Glaubens: den leuchtenden Morgenstern.

Hans-Jürgen Kaiser trug nicht nur als Begleiter sondern wesentlich auch durch Improvisationen zum Gelingen des Programmes bei. Diese aus dem Stehgreif auf die jeweilige Situation hin entwickelten musikalischen Gedanken, passten sehr gut zur Dynamik der Tänzer. Gerade die unterschiedliche Begleitung der Lieder, sei es in der Begleitung der Vorsängerin oder der Gemeinde, die auch zum Mitsingen eingeladen war, geben bei solchen Veranstaltungen eine besondere, nur dem Augenblick geschuldete Akzentuierung.

Nach dem Segen durch Dechant Blümel und dem Auszug brauste tosender Applaus durch das Kirchenschiff. Begeistert und berührt zeigten sich die Besucher der Vesper von den Anregungen zu Gedanken und Gebet im Advent durch die Darbietungen der Tänzerinnen sowie der Musiker und dem Gesang. Besonders beeindruckte auch das Farbenspiel, in das die Stadtpfarrkirche während des Gottesdienstes von Benjamin Kaiser getaucht wurde.

Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez, der als Teilnehmer die „getanzte Vesper“ besuchte, unterstrich beim anschließenden Gespräch den modernen Verkündigungscharakter der gerade erlebten Kunst und erläuterte: „mich hat diese Form des Gebets heute Abend bewegt und überzeugt.“ Der Referent für Neuevangelisierung im Seelsorgeamt des Bischöflichen Generalvikariats und Mitinitiator des Projektes Thomas Bretz beschreibt: „Wirkliche Kunst hat Bezug zum Transzendenten, sie kann das Unabbildbare im Wissen der eigenen Unzulänglichkeit zum Ausdruck bringen und ermöglicht so einen Verweis auf das Göttliche.“+++


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