SCHLITZGemeiner Vermieter

"Eiskalt erwischt" - Zum 80. Geburtstag ohne Vorwarnung das Gas abgedreht

13.02.15 - Eigentlich wollte Karl-Ludwig Wytrickus (79) am Rosenmontag seinen 80. Geburtstag feiern: Freunde, alte Weggefährten, die Familie und das Urenkelchen - über 40 Leute waren längst eingeladen. Die Vorfreude war groß, die Vorbereitungen in vollem Gange. Womöglich hätte sich zum runden Jubiläum auch der Bürgermeister von Schlitz oder der Pfarrer blicken lassen. Leider musste der Jubilar die Feier am Donnerstage absagen, denn er und seine Frau Margarete (81) sitzen seit Montag in ihrer eiskalten Wohnung - ohne Heizung. Das Gas wurde ohne Vorwarnung abgedreht.

"Am Montag fuhr ein Firmenwagen vor und hat an der Straße am Gashahn herumgeschraubt. Ich hatte mir nichts dabei gedacht, doch als meine Frau mir sagte, er werde kalt in der Wohnung, ging mir ein Licht auf", sagte der noch 79-Jährige zu OSTHESSEN|NEWS. Es war die RhönEnergie, die dem gesamten Haus in der Schulstraße in Schlitz den Gashahn zudrehte - kein Gas, keine Heizung, kein warmes Wasser und das mitten im Winter. 

Seit 35 Jahren wohnt das Ehepaar in dem Haus. "Es ist von außen nichts besonderes, aber dass es drinnen wohnlich ist, zählt doch", sagte Margarete Wytrickus. 2012 hatte der Ägypter Hana R. das Haus erworben. Das Ehepaar musste entsetzt erfahren: Obwohl sie und die anderen Mieter ihren Anteil an den Gaskosten an den Vermieter überwiesen haben, wurden die Rechnungen nicht beglichen. "Ihr Vermieter steht mit einem fünfstelligen Betrag bei uns im Minus. `Es tut uns leid, dass wir Ihnen den Hahn jetzt zudrehen, aber das können wir nicht akzeptieren`, haben die von der RhönEnergie am Telefon gesagt", erzählte Wytrickus vom Montag. Die Außenstände haben sich bereits seit 2013 summiert, doch alle Mahnungen gingen an den Vermieter - die jetzt betroffenen Mieter waren ahnungslos. Was sollen die frierenden Anwohner denn machen? Dem säumigen Zahler nach Ägypten nachreisen und sich dort als Geldeintreiber betätigen? Bei allem Verständnis für die kaufmännischen Belange des Energieversorgers ist hier zuallererst unbürokratische Hilfe gefragt. In der Vertriebsabteilung ist man zunächst zwar juristisch korrekt, aber der menschlichen Notlage gegenüber eben auch ziemlich kaltherzig.


Das Ehepaar, das im letzten Jahr die diamantene Hochzeit nach 60 Jahren Ehe gefeiert hatte, friert. In der Wohnung zeigt das Thermometer 16 Grad und weniger an. "Ich weiß gar nicht, worüber ich mich mehr aufregen soll: dass jemand einfach unser Geld für die Nebenkosten einbehält oder dass man uns mitten im Winter und ohne eine Ankündigen einfach das Gas abstellt - eine Schweinerei ist so etwas", sagte Margarete Wytrickus. Ihr Mann ist einfach nur enttäuscht: "Da geht man immer ehrlich durchs Leben und dann wird man so reingelegt."

Wer kann helfen? Zunächst der Deutsche Mieterbund e.V. in Fulda

Schnelle Abhilfe ist gefragt. Das Paar macht einen Termin beim Deutschen Mieterbund in der Bahnhofstraße in Fulda. Dort berät Rechtsanwalt Stefan Euler den verzweifelten Rentner. Gegenüber OSTHESSEN|NEWS erklärt der in Mietsachen erfahrene Experte, einen solch krassen Fall noch nicht erlebt zu haben. Was kann man tun? "Grundsätzlich gilt, dass man mit einem Zahlungsnachweis beim zuständigen Amtsgericht eine einstweilige Verfügung gegen den Energieversorger erwirken kann, damit das abgedrehte Gas, Strom oder Wasser sofort wieder angestellt wird." Ganz sicher eine wichtige Information für alle Betroffenen, die wie das Ehepaar Wytrickus unverschuldet im Kalten sitzen. Der Rechtsberater hat aber auch Verständnis für die wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens, das schließlich seine Außenstände irgendwie eintreiben müsse. Die in drei Jahren aufgelaufene Summe von 10.000 Euro deute daraufhin, dass der säumige Zahler mit der Überweisung von Einzelbeträgen immer wieder Aufschub erreicht habe. Dass durch seine Schuld die Mieter existentiell betroffen sind, scheint ihn im Ausland nicht zu kümmern.

Na also, es geht doch!

Doch noch ehe Familie Wytrickus den Gang zum Amtsgericht antreten muss, kommt durch Intervention von OSTHESSEN|NEWS Bewegung in den Fall: Am Donnerstagabend nach 21 Uhr erscheint in der Schlitzer Schulstraße ein Dreimann-Trupp von RhönEnergie, dreht den Gashahn wieder auf und repariert sogar die durch das Abschalten ins Stottern geratene Heiztherme. Zuvor hatten sich die Mieter verpflichtet, ihre Gasrechnung künftig direkt an den Versorger zu bezahlen. Schnell und unbürokratisch habe man auf diesen speziellen Fall reagiert, resümiert Geschäftsführer Martin Heun auf Nachfrage. Er rät dazu, in solchen Notfällen sofort den Kontakt mit dem Vertrieb aufzunehmen. "Wir bemühen uns, eine praktikable Lösung zu finden, damit niemand im Kalten sitzen muss." Der Geburtstagsfeier zum 80. am Rosenmontag steht also nicht mehr im Wege.+++ Julius Böhm/Carla Ihle-Becker

Anrufe nach Ägypten bleiben erfolglos Fotos: Luca Heil/ Julius Böhm

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Das Dach für 5.000 Euro ...

Die Heizung war tot....bis ON ...

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