Herrlich unkompliziert versammeln sich Alicia, Werner und Lisa Quarg mit Milan, Tobias und Laura Goldfarb (von links) auf der Stiftsruinenwiese zum Pressegespräch, um so ganz nebenbei die Sonne und die frische Luft zu genießen. Im Kinderwagen schläft die süße Nomi - Foto: Gudrun Schmidl

BAD HERSFELD Festspiel-Stars im Portrait (6)

Theater wie Familie: Lisa QUARG, Laura & Tobias GOLDFARB verführen mit Komödie

HintergrundIn dieser Reihe stellt OSTHESSEN|NEWS wöchentlich einen oder mehrere Festspiel-Stars der Spielzeit 2015 im Portrait vor. Wir haben die Darsteller in der Festspielstadt besucht und mit ihnen über ihre Rollen, Bad Hersfeld und andere Highlights gesprochen.

19.06.15 - Lisa Quarg, ihre Zwillingsschwester Laura und deren Ehemann Tobias Goldfarb haben es sich gemeinsam mit ihren Kindern und den Großeltern auf einer Picknickdecke im Stiftsbezirk gemütlich gemacht. Eine kurze Verschnaufpause für alle, in der sie die frische Luft, Licht und Wärme genießen wollen, bevor wieder die Pflicht ruft. Am Vorabend brillierten Lisa Quarg und Laura Goldfarb in der umjubelten Premiere von dem Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ in der Inszenierung von Holk Freytag in ihren Rollen als Mägde Liese und Margarete auf der Festspielbühne. Die Zwillingsschwestern treten eigentlich immer gemeinsam auf, unter anderem am Staatstheater Wiesbaden, an den Schauspielbühnen Stuttgart, am Schauspielhaus Essen, am Allee Theater Hamburg, am Grenzlandtheater Aachen und bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall.

Geplant war die Zusammenarbeit auch für „Don Quijote“, die Uraufführung des Familienstücks der Bad Hersfelder Festspiele im vorigen Jahr. Aus erfreulichem Grund konnte nur Laura mitwirken, denn Lisa ist im Mai 2014 Mutter ihres Sohnes Milan geworden. Laura arbeitete allerdings Seite an Seite mit ihrem Lebenspartner Tobias Bungter, der diese grandiose Inszenierung schrieb und mit dem sie gemeinsam Regie führte. Nachdem sie diese Herausforderung gemeinsam gemeistert haben, haben sie geheiratet und führen seitdem den Familiennamen Goldfarb. Vor fünf Monaten wurde ihre Tochter Nomi geboren.

Bei den 65. Bad Hersfelder Festspielen will das kreative Dreiergespann mit „Verführen sie doch bitte meine Frau!“, einer Komödie von Tobias Goldfarb frei nach der Novelle vom grübelnden Fürwitzingen von Miguel de Cervantes Saavedra für beste Unterhaltung sorgen. Tobias Goldfarb ist nicht nur Urheber der Komödie, sondern führt gemeinsam mit den Zwillingsschwestern Regie. Lisa Quarg und Laura Goldfarb sind außerdem für die Choreografie verantwortlich. Dem Publikum wird ein Einblick in die „ehrenwerte Gesellschaft“ von Florenz gewährt, die schon bessere Zeiten erlebt hat. Von der einst gefürchteten ersten Mafia-Familie sind nur noch La Mamma (Viola von der Burg) und ihr jüngster Sohn Anselmo (Paul Walther) übrig. Der verliebt sich ausgerechnet in die aristokratische Schönheit Camilla (Pia Barucki), mit der er in das ergaunerte Schloss Eichhof zieht. Premiere ist am Freitag, 26. Juni 2015, um 21.00 Uhr.

Dieses Arbeitspensum ist für die drei Kunstschaffenden nur mithilfe der anwesenden Eltern Alicia und Werner Quarg zu bewältigen, die ihre Enkelkinder verlässlich betreuen und den Familienalltag organisieren. „Fünf schöne chaotische Wochen“ verbrachten sie bisher alle gemeinsam in einer Wohnung nahe dem Stiftsbezirk. „In so einer Situation helfen wir als Großeltern natürlich gern, aber unser eigenes Leben wollen wir nicht aufgeben“, bekräftigt Alicia Quarg. Die Zwillinge Lisa und Laura sind ihre jüngsten Kinder, eine weitere Tochter ist als Ärztin und ein Sohn in der Wirtschaft beruflich erfolgreich. Über insgesamt sieben Enkelkinder können sich der Architekt und die Tanzlehrerin freuen, die in Essen leben und begeisterte Theaterbesucher sind. Ihrem späteren Mann, damals Architekturstudent, fiel die attraktive Argentinierin mit polnischen Wurzeln an der Folkwang Universität der Künste in Essen auf, an der sie modernen Tanz studierte. „Ich habe sie durch ein Fenster beim Tanzen beobachtet“, gesteht Werner Quarg.

Durch genau dieses Fenster beobachtete er Jahre später als stolzer Vater die Tanzkünste seiner Töchter Lisa und Laura, die sich ebenfalls für ein Studium an der Folkwang Universität entschieden haben. Der berufliche Weg war schon im Kindesalter abzusehen, denn die eineiigen Zwillinge brauchten gar kein Spielzeug, sondern haben kreativ und ausdauernd miteinander gespielt und schon früh kleine Rollen bei Opernaufführungen übernommen. „Laura kommt nach ihrem Vater, ist nachdenklicher und sehr konzentriert. Lisa ist temperamentvoller und aufbrausend“, charakterisiert die Mama ihre strebsamen Töchter. Als „liebevoll gnadenlos“ in ihrer künstlerischen Arbeit bezeichnet sich Lisa selbst. „Ich kann nichts durchgehen lassen, was der Aufführung nicht gut tut“.

Tobias und Laura Goldfarb lernten sich 2010 bei einem gemeinsamen Freund, einem Jazz-Musiker, kennen. Tobias Goldfarb ahnte damals nicht, dass es diese Frau im Doppel gibt. Aufgrund einer Verletzung konnte Laura nicht auftreten und nutzte die seltene Gelegenheit, abends auszugehen. In der Zeit musste Lisa mehrere Monate alleine spielen, die sich erinnert: „Ich habe mich leer gefühlt und unsicher. Es gibt keinen Menschen, dem ich auf der Bühne so vertrauen kann wie Laura“. Letztendlich hat sich diese Herausforderung positiv auf ihr Selbstvertrauen ausgewirkt und aufgezeigt, wie viel Kraft sie aus sich herausholen kann.

2010 gründeten die Zwillingsschwestern mit Tobias Bungter das „Theater QQ“ in Berlin. Seitdem schreiben und inszenieren sie überaus erfolgreich eigene Theaterstücke wie „Das tapfere Schneiderlein“, „König Artus“ und zuletzt „Sherlock Holmes und die Kehrwoche des Todes“, das im Frühjahr 2015 in Stuttgart aufgeführt wurde. Mit neuem Nachnamen und nach intensiver Zusammenarbeit mit seiner Frau und seiner Schwägerin versichert Tobias Goldfarb fünf Jahre später: „Lauras und Lisas Geschmack ist fast identisch, was das Theater, Schauspieler, Stücke, Ästhetik betrifft. Von der Wesensart sind sie allerdings sehr unterschiedlich“.

Im Stadtteil Prenzlauer Berg in Berlin leben Lisa Quarg, Laura und Tobias Goldfarb mit ihren Kindern unter einem Dach, allerdings in zwei getrennten Wohnungen. „Uns trennen 1,50 m Abstand“, grinst Tobias Goldfarb. „Alle Messer sind in der eigenen Wohnung, die Gabeln in der anderen“. So ein enges Zusammenleben hat viele Vorteile, die Zwillinge schränken aber ein: „Nähe ist anstrengend, nicht immer einfach und eine tägliche Herausforderung. Unsere Auseinandersetzungen sind berühmt“.

Tobias Goldfarb nimmt das turbulente Familienleben und sein Lebensumfeld im Berliner Szene-Bezirk mit Humor. „Das Leben ist eine Bühne“. Er studierte Literaturwissenschaft in Bonn, Schauspiel und Dramaturgie in Mexico-Stadt sowie Journalismus in London. Seit 13 Jahren arbeitet er selbständig als Autor und Regisseur. Als Journalist machte er mit seinen politischen Glossen im WDR und im Deutschlandradio auf sich aufmerksam. Als Autor von Kinderbüchern schuf er unter anderem die erfolgreiche Reihe „Leo & Leo“, 2001 erschien der erste Kinderkrimi seiner Kokolores & Co.-Reihe. Erst 2009 schrieb der jetzt 41-Jährige sein erstes Theaterstück.

„Theater ist wie Familie“, bekräftigt er seine Freude an der Zusammenarbeit mit dem Ensemble und das gemeinsame Bestreben, sich am Tag der Premiere in Hochform zu präsentieren. Viel Zeit bleibt ihm und der ganzen echten Familie daher nicht, den sonnigen Tag gemeinsam zu genießen. Die nächste Probe für die Komödie steht an und abends „wuseln die zauberhaften, putzigen, quirligen Zwillinge“ schon wieder über die Stiftsruinenbühne. Quirlig wuseln – etwas individueller sollte die Beurteilung der klein gewachsenen, aber dennoch großen Schauspielerinnen schon ausfallen. Zauberhaft lassen sie und ihre Familie allerdings gelten! Weitere Informationen unter www.bad-hersfelder-festspiele.de. (Gudrun Schmidl) +++


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