- Fotos: Ullich Steybe/ Fotomontage: Anne Baumann

FULDA Polizei, Weltmeister und Sozialdienste im Boot

GEWALT 2.0? Präventionsprojekt klärt Schüler auf

22.07.15 - Die Jugendkriminalität ist in Hessen laut polizeilicher Kriminalstatistik 2014 deutlich zurückgegangen. Auch sogenannte "Raufunfälle", die in Schulen oder auf dem Schulweg stattfinden und auf körperliche Gewalt zurückzuführen sind, nehmen ab. Alarmierend dagegen sind die "neuen Trends" in Sachen Gewalt: Sexting, Mobbing per Whats App und mediale Gewalt. Kinder und Jugendliche müssen vor diesen Formen von Gewalt dringend geschützt werden. Die Geschwister-Scholl Schule in Fulda leistet seit gut zwei Jahren Präventionsarbeit durch das Projekt "Gewaltig". Das Ergebnis kann sich sehen lassen: acht bekannte Mobbingfälle an der Schule im Jahr 2013, sind 2015 auf zwei zurückgegangen.

„Das Thema Jugend und Gewalt ist sehr vielschichtig“, sagt Stefan Mölleney, Leiter des Jugendamtes Fulda. Als Träger des Projektes „Gewaltig“ unterstützt das Amt die Arbeit der Kinder- und Jugendförderung an der Geschwister-Scholl Schule. "Das Thema Gewalt untereinander und in anderen Kontexten ist sehr wichtig beim Aufwachsen von Jugendlichen", so Mölleney. Allerdings reagiere das Projekt nicht auf ein zugespitztes Problem der Zunahme von Gewalt, wie oft öffentlich wahrgenommen, sondern auf ein allgemeines Phänomen. "Ein zunehmendes Problem ist viel eher die versteckte Form von Gewalt, vor allem durch die neuen Medien, durch Smartphones etc. Dafür müsse man mehr Sensibilität schaffen. 

Das Projekt begann im September letzten Jahres mit der Aufklärung zum Thema „Gewalt“: Was ist Gewalt? Welche Ausprägungen gibt es? Schüler sollten zunächst aufschreiben, was sie unter Gewalt verstehen und dann differenzieren zwischen verbaler, öffentlicher, familiärer, sexualisierter und medialer Gewalt. Das Projekt zieht sich über jeweils ein Schuljahr der sechsten Klassen in wöchentlich stattfindenden, 90-minütigen Unterrichtseinheiten. Ziel ist es nicht nur, die Relevanz der Thematik deutlich vor Augen zu führen, sondern den Schülern auch die Möglichkeit zu geben, ihr eigenes Verhalten und das Verhalten anderer einzuordnen. „Besonders stolz bin ich auf die Bandbreite des Projektes“, so Projektleiter Ullich Steybe. Als Kooperationspartner wurden unter anderem das Polizeipräsidium Osthessen, der Weltmeister im Kickboxen Sergej Braun, der Sozialdienst katholischer Frauen, pro Familia, das Theater mittendrin und der islamische Verein Fulda gewonnen.

Besonders spannend sei es gewesen, Weltmeister Braun ins Boot zu holen, der sich umsonst die Zeit für die Schüler nahm. So konnten die Teenager mit jemandem sprechen, der körperliche Auseinandersetzung als professionellen Sport betreibt und dabei ganz klar sagt: „Gewalt ist ein No-Go“. Braun erklärte den Teenagern, was Kraft bedeutet und die Fähigkeit, andere zu verletzen und ihnen Schaden zuzufügen. Er trainierte mit den Teenagern am Boxsack, um ihnen bewusst zu machen, welche Wucht hinter den Schlägen eines anderen steckt. Die Vertreter vom Polizeipräsidium Osthessen sprachen mit den Schülern über Gewalt im Internet und wie man sich davor schützen könne, Opfer im Netz zu werden. „80 Prozent der Probleme an unserer Schule beginnen auch schon durch Whats App“, weiß Steybe. „Da haben wir oft wenig Einfluss.“ Der islamische Verein Fulda sprach mit den Schülern über die Botschaft des Islams, die Glaubensinhalte der Religion und das praktische Leben eines Muslims. Thema war zudem, worauf sich Muslime berufen bei ihren Handlungen und wie sie sich gegenüber Gewalt verhalten. Auch häusliche Gewalt, Drogenmissbrauch, Gewalt und Christentum und mediale Gewalt gehörte zu de Themen. In diesem Zusammenhang haben die Sechstklässler einen eigenen Kurzfilm zum Thema Gewalt gedreht.

Inwieweit das Projekt fruchtet, sei aktuell noch schwer zu sagen. „Wir haben die Kids auf jeden Fall sensibilisiert“, so Steybe. Oft stelle sich jedoch die Frage, wie die Kids im Affekt handeln und wie der Einfluss ihrer „Peer Group“ (Gruppe von Gleichgestellten/ Ähnlich-Altrigen) ist. „Zumindest haben wir klare Impulse gesetzt und den Kindern vor allem professionelle Ansprechpartner benannt. Wir haben ihnen aufgezeigt, wohin sie sich wenden können, sollten sie Hilfe brauchen“. Das Projekt wird mit Unterstützung der Stadt von nun an in jeder sechsten Klasse durchgeführt. (Anne Baumann) +++


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