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FULDA Aufstand der landwirtschaftlichen Verbände

Klare Forderungen der Milchbetriebe: "Wir brauchen einen fairen Erzeugerpreis"

01.10.15 - Die Milchkrise spitzt sich immer weiter zu und bedroht die Existenzen vieler Bauernhöfe. Allein in Hessen werden jedes Jahr 200 Milchbetriebe geschlossen. Anlässlich der heute stattfindenden Agrarministertagung im Maritim-Hotel in Fulda, nur 500 Meter vom Bio-Hof Claus und Doris Hillenbrand entfernt, haben die Vertreter von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), dem Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter (BDM) und der Vereinigung ökologischer Landbau in Hessen (VÖL) eine Konferenz einberufen. "Wir wollen aufzeigen, dass es nicht nur einen großen Bauernverband gibt, der eine Meinungsführerschaft vorgibt, sondern viele bäuerliche Organisationen, die das, was Landwirte in der Basis wollen, nach außen tragen", erläutern die Vertreter. 

Faire Milch

Die Beteiligten der Konferenz Fotos: Sabrina Ilona Teufel

Die Lage ist sehr ernst

Alle drei Organisationen verbinden die Folgen der Krise. "Es muss sofort gehandelt werden. Jeden Tag gehen Höfe kaputt", so die Verbände einstimmig. Dabei ginge es nicht darum, Macht innerhalb der Bauernorganisationen zu demonstrieren, sondern um die Forderung an die Politik, die Milchviehhalter nicht länger mit staatlichen Hilfspaketen zu vertrösten. Im September ist ein staatliches Hilfspaket auf Brüssler Ebene von 500 Millionen Euro für ganz Europa beschlossen worden. "Wir halten das für einen Witz", sagt Hans Foldenauer, Sprecher des BDM.
Nur ein Teil der Gelder komme überhaupt bei den Bauern an. Der restliche Teil würde in Exportoffensiven investiert werden. 


Es geht ums nackte Überleben

"Wir haben die Situation, dass die Milchpreise viel zu niedrig sind. Die Kostensituation ist unter normalen Bedingungen schon 55 Cent. Jetzt gibt es Milchpreise im konventionellen Bereich von unter 30 Cent. Es ist keine Besserung in Sicht, die hoffen lässt, dass die Milchpreise in absehbarer Zeit nach oben steigen", erklärt Foldenauer weiter. Hinzu kommt das regionale Problem der diesjährigen Trockenheit, welches die Situation verschärft. Den Bauern fehlt das Grundeinkommen. "Deswegen sind die Minister hier, deswegen unsere Forderungen und deswegen werden auch in den nächsten Tagen Demonstrationen und Kundgebungen stattfinden, damit die natürliche Landwirtschaft überhaupt noch eine Daseinsberechtigung hat", macht Oswald Henkel vom BDM, deutlich. Den Verbrauchern soll vermittelt werden, warum die Bauern da sind. 


Ein funktionierendes Konzept muss her

Zwar gebe es bereits mehrere Lösungsvorschläge, die würden sich laut den Verbänden aber als "Luftnummern" entpuppen. Die Bauernorganisationen sagen, dass sie keine Almosen brauchen, sondern eine Marktsituation, mit der sie umgehen können. Dazu hat die BDM ein Milchmarkt-Krisenmanagement-Konzept entwickelt. Der wesentliche Bestandteil des Vorhabens ist die Schaffung eines Anreizes, zeitlich befristet weniger zu produzieren, um so das Gleichgewicht auf dem Markt wieder herzustellen. Um diese Methode zu verwirklichen, muss allerdings die Verweigerungshaltung seitens der Politik eingestellt werden. Die erfreuliche Unterstützung einiger Bundesländer allein reiche nicht aus. Eine europaweite Ausbreitung ist laut den Verbänden erforderlich. 

Der Bio-Hof Claus und Doris Hillenbrand

Hofladen in Eigenproduktion

Oswald Henkel (BDM)

Eine andere Möglichkeit den Grundpreis zu stabilisieren, ist es, die eigene Molkereien in die Pflicht zu nehmen. "Wir nehmen die Quote, die wir haben, das sogenannte Lieferrecht, und wenn einer mehr als fünf Prozent produzieren will, dann muss er das beim Vorstand anmelden", erklärt der Landesvorsitzende Sprecher der AbL. 

Letztlich geht es darum, eine nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft zu erhalten. Wie die in Fulda tagenden Minister auf die Forderungen reagieren, wird sich die nächsten Stunden zeigen. (Helena Lemp)+++

Biohofbesitzer Claus Hillenbrand (links) und ...

Hans Foldenauer (BDM)

Reinhard Nagel (AbL)

Romuald Schaber (Präsident des BDM)

Für Nachhaltigkeit


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