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Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen - Foto: Hans-Hubertus Braune

REGION "Wort des Bischofs"

Wunden heilen .... Von Bischof Heinz Josef Algermissen

07.01.16 - Nachstehender Beitrag erscheint als „Wort des Bischofs“ in der Kirchenzeitung „Bonifatiusbote“ vom 10. Januar 2016. Wir veröffentlichen diesen im WORTLAUT.

Vom Wüstenmönch Antonius wird dieses Wort überliefert: „Die Altväter der Vorzeit begaben sich in die Wüste und machten nicht nur sich selber gesund, sondern wurden auch noch Ärzte für andere. Wenn aber von uns einer in die Wüste geht, dann will er andere früher heilen als sich selbst. Und unsere Schwäche kehrt zu uns zurück, und unsere letzten Dinge werden ärger als die ersten, und daher heißt es für uns: Arzt, heile dich vorher selbst!“ (Weisung der Väter, Trier 1989).

Als Voraussetzung für Seelsorge ist also eine bestimmte „Reihenfolge“ wichtig, andernfalls wirkt man nicht Heil, sondern Unheil. Nur der oder die kann sich fremder Wunden hilfreich annehmen, der oder die sich auch den eigenen Wunden gestellt hat.

Hilfreich kann hier sein zu betrachten, was Jesus zu Petrus im Zusammenhang mit dessen Verleugnung sagt: „Simon, Simon, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder“ (Lk 22,31f).

Das Versagen des Petrus und seine Sünde der Verleugnung sind, überspitzt formuliert, die Voraussetzung dafür, dass er andere stärken kann. So werden die Erfahrung der eigenen Schuld und der rechte Umgang damit zur Qualifikation für die Seelsorge. Etwas später dann, nach der geschehenen Verleugnung, heißt es im Lukas-Evangelium: „Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an. Und Petrus erinnerte sich an das, was der Herr zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich“ (Lk 22,61f).

Wer anderen wirklich helfen will, muss wohl irgendwann einmal existenziell an die Grenzen seiner selbst gestoßen sein. Das bedeutet nun wirklich nicht, dass ein solcher Mensch etwa alles erlebt haben müsste. Aber sicher muss er wissen, was Schwäche und Schuld bedeuten.

Wie kann nun die Heilung der eigenen Lebenswunden geschehen? Das ist für mich grundsätzlich eine wichtige Frage. Und sie wird dringend zu stellen sein in diesem Heiligen Jahr, das nach Wunsch unseres Heiligen Vaters die Barmherzigkeit in die Mitte rückt. Wenn diese Frage nicht beantwortet wird, bleiben unsere Schritte in diesem Jahr an der Oberfläche.

Die vornehmste Medizin zur Heilung der Lebenswunden ist sicher der Empfang des Sakramentes der Versöhnung. „Alles überwinden wir durch den, der uns geliebt hat“ (Röm 8,32).Heilung geschieht allerdings auch durch die vielfältigen Formen menschlicher Zuwendung. Jeder Seelsorger wird jemanden brauchen, der ihn selber geistlich begleitet, ihm menschlich nahesteht und dem er Vertrauen schenken kann.

Heilmittel für die eigenen Wunden ist sicher auch die Heilige Schrift. Sie ist nach der Regel des hl. Benedikt nicht nur die große Richtschnur und Hilfe für die Seelsorge, sondern auch Heilung für die eigenen Lebenswunden. Aufschlussreich ist die Zusammenstellung in Kapitel 4 der Regel: „Heilige Lesungen gern hören. Sich oft Zeit nehmen zu beten. Seine früheren Sünden vor Gott bekennen… und sich zu bessern.“

Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch das Kapitel 13 (Art. 12 und 13) der Regel: „Die Feier von Laudes und Vesper gehe niemals zu Ende, ohne dass am Schluss der Obere das Gebet des Herrn von Anfang an so spricht, dass alle es hören können; denn immer wieder gibt es Ärgernisse, die wie Dornen verletzen. Wenn die Brüder beten und versprechen: ‚Vergib uns, wie auch wir vergeben‘, sind sie durch dieses Wort gebunden und reinigen sich von ihren Fehlern.“

Sehr schön zeigt sich hier, wie das eigene Leben in den Kontext des Gottesdienstes und der Gebetsgemeinschaft hineingestellt wird. Der begrenzte Mensch mit seinen Schwächen und Fehlern darf sich Gott anvertrauen und sich von ihm in seinem Sosein angenommen wissen. Daraus erwächst ihm die Kraft, auch selber andere anzunehmen und zu verzeihen. Unter das Gebet des Herrn gestellt, darf das eigene Leben und das Leben mit den anderen in neuem Licht gesehen werden. Und durch die Teilhabe an der Gemeinschaft aller Glaubenden werden eigene und fremde Wunden geheilt. +++


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