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Der ehemalige Google Deutschlandchef Christian Baudis in Künzell ... - Alle Fotos: Martin Engel

KÜNZELL Jahresauftakt der VR Bank Fulda

Ex-Google-Chef BAUDIS: "Akutes Problem der Digitalisierung ist der Datenschutz"

08.01.16 - „Suchmaschinen, Social Media, Blogs und Foren – Datenschutz und Transparenz“. Unter diesem Titel stand der Gastvortrag des ehemaligen Google Deutschlandchefs Christian Baudis beim Jahresauftakt der VR Genossenschaftsbank Fulda am Donnerstagabend in Künzell. Nach der industriellen Revolution seien wir nun mitten in einer digitalen Revolution, die unser Arbeits- und Berufsleben nachhaltig beeinflusse und verändere, leitet VR Bank Vorstand Manfred Gerhard zum Highlight des Abends im Gemeindezentrum vor rund 700 Gästen über.

v.l.: Genobank-Vorstandsmitglied Hubert Rödig, Christian Baudis ...

VR Bank Vorstand Manfred Gerhard

„Meine Tochter ist 16. Sie hat ein Stipendium für eine englische Musikschule bekommen. Da hat man als Vater schon einen Kloß im Hals, wenn das eigene Kind das Elternhaus so früh verlässt“, verrät Baudis den Anwesenden. Trotzdem sei der Auszug der Tochter kein Problem. Alle zwei Tage skype das Mädchen mit der Familie, habe ihren Eltern das eigene WG-Zimmer mithilfe des Laptops gezeigt. „Das macht sie anfassbar, so als wären wir im selben Wohnzimmer.“ Neben Skype nutze er auch WhatsApp und Facebook, um mit seiner Tochter in Kontakt zu bleiben. Mit dem Google Übersetzer und Leo.org helfe der Papa auch beim Übersetzen von Vorträgen.

Ebenfalls praktisch: Auf flightaware.com könne man Flüge in Echtzeit auf einer Karte verfolgen. Einfach die Flugnummer eingeben und sicher sein, dass die Tochter wohlbehalten in London gelandet ist. Das sei die Welt, in der wir leben. Distanzen werden durch die Digitalisierung verringert. Die Welt rückt näher zusammen. Die Geschwindigkeit der Digitalisierung sei enorm. Deutschland habe diese Entwicklung weitgehend verschlafen. Amerika gebe den Takt vor. Baudis verdeutlicht das mit einem beindruckendem Fakt: Die drei größten Unternehmen der Welt sind alle amerikanische Digitalunternehmen. Apple, Google und Microsoft zusammen sind gemessen an ihrem Börsenwert zehnmal größer als die 30 größten deutschen Unternehmen. „Wir alle werden durch die Digitalisierung erheblich beeinflusst und müssen uns darauf einstellen.“

Eine wichtige Aufgabe der digitalen Unternehmen, wie Google, sei die „Vermessung“ der Welt: Webseiten müssen auffindbar gemacht werden, Inhalte bekannt sein. Tools, wie Google Maps und Earth werden angeboten und machen Daten so nutzbar für jedermann. Google Traffic biete die Möglichkeit Stauinformationen in Echtzeit abzurufen. „Vergessen Sie Radiosender“, ruft Baudis den Gästen zu. Apple und Google nehmen ganze Straßenzüge auf. In Zukunft werde das für Dienste wie Flyover und Streetview nicht mehr notwendig sein. Kameras in öffentlichen Räumen würden mehr und mehr zunehmen und Echtzeitinformationen liefern. Selbstfahrende Autos klingen nach Zukunftsmusik. Tatsächlich geht Baudis davon aus, dass diese in nur drei Jahren auf unseren Straßen fahren und vor allem in Großstädten schnell an Bedeutung gewinnen werden. Möglich werde das durch die „Vermessung“ der Welt.

Die Welt werde aber nicht nur vermessen, sondern auch vernetzt. Zwei Milliarden Menschen sind heute in Social Media miteinander verbunden. Geburtstage organisieren, ehemalige Schulfreunde wiederfinden: Facebook macht’s möglich und sei schon längst selbstverständlich. Durch soziale Medien sei unsere Welt von Selbstdarstellung geprägt. „Achten Sie darauf, sich immer gut, immer positiv darzustellen in dieser zunehmend öffentlichen Welt.“ Gesurft werde zum Großteil auf mobilen Endgeräten, wie Smartphone und Tablet. „Vergessen Sie den klassischen Computer. Den sehen Sie bald nur noch in Museen.“ Es habe 37 Jahre gedauert, um weltweit 1,4 Milliarden PCs zu verkaufen. Allein 2014 gingen 1,4 Milliarden Smartphones und Tablets über die Ladentische.

Ein akutes Problem der Digitalisierung sei der Datenschutz. „Wir waren alle schockiert von den Snowden-Enthüllungen. Aber das ist nun einmal die selbstverständliche Konsequenz unserer transparenten Welt. Geheimdiensten ist Tür und Tor geöffnet. Und glauben Sie nicht, nur die NSA würde digitale Daten abgreifen. Alle Geheimdienste der Welt rüsten digital massiv auf, den BND eingeschlossen. Damit müssen wir uns abfinden.“ Datenschutz sei jedoch wichtig, das Recht auf Vergessenwerden begrüßenswert. Natürlich könne niemand den Menschen verbieten, ein Profil auf Facebook anzulegen und Informationen öffentlich zu teilen. „Wir leben in einer transparenten Welt und können das Rad nicht mehr zurückdrehen.“

VR Bank Vorstand Manfred Gerhard

Was also tun, um Risiken der Digitalisierung zu minimieren? Baudis gibt eine Reihe von Tipps: Regelmäßig Passwörter ändern, nicht alle Dienste eines Anbieters nutzen (unterschiedliche Browser und Suchmaschinen nutzen), Cookies regelmäßig löschen, sichere Online-Bezahlsysteme nutzen, Sicherheitssoftware installieren. Das gelte natürlich nicht nur für den heimischen PC, sondern auch insbesondere für die Nutzung des Smartphones und Tablets. Für Unternehmen heiße Digitalisierung vor allem auffindbar zu sein: Fotos und Videos ins Netz stellen, insgesamt medialer werden und so die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen. (Toni Spangenberg) +++


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