Miriam und Max gehören zu den Mitgliedern der Initiative "Welcome In", die derzeit das Begegnungscafé planen. - Foto: Suria Reiche

FULDA Begegnungscafé für Bürger und Geflüchtete

Planungen laufen - wenn ein Raum gefunden ist, geht es los

07.03.16 - Es soll ein Raum für Geflüchtete und Fuldaer Bürger werden. Ein Ort, an dem es keine Diskriminierung gibt. Wo ungezwungene Begegnungen zwischen unterschiedlichen Kulturen stattfinden können. Und wo nicht übereinander, sondern miteinander geredet werden kann. Einen solchen Begegnungsraum braucht die Stadt, da sind sich Miriam Förstle und Maximilian Rehwinkel von der Gemeinnützigen Initiative „Welcome In“ sicher. Gemeinsam mit rund zwanzig weiteren Freiwilligen tun sie deswegen gerade alles dafür, ihn so schnell wie möglich zu schaffen.

Es ist eine Herzensangelegenheit. Nicht nur für die beiden selbst, sondern auch für zahlreiche Geflüchtete, die derzeit in den Gemeinschaftsunterkünften in der Frankfurter Straße oder im ehemaligen Baumarkt Max Bahr leben. „Denn dort“, sagt Maximilian, „sind sie ziemlich isoliert. Für die Geflüchteten gibt es wenig Chancen, aktiv am Leben in der Stadt teilzunehmen. Um sich einfach mal in ein Café zu setzen und etwas zu trinken, fehlt vielen das Geld. Aber wie können sie sonst mit Fuldaern in Kontakt kommen?“

Umso besser ist da die Idee der Initiative, ein sogenanntes Wohnzimmer zu schaffen, wo sowohl Fuldaer als auch Geflüchtete zu günstigen Preisen einen Kaffee bekommen, sich aufhalten und gegenseitig kennenlernen können. Am besten soll das auf Spendenbasis geschehen, in jedem Fall aber Non-Profit. „Wir möchten die Preise so kostengünstig wie möglich machen, damit uns jeder - unabhängig von der Größe des Geldbeutels - besuchen kann."

"Wo ist der Kulturaustausch im Moment?"

Aber: Der Begegnungsraum soll nicht nur eine willkommene Abwechslung für die Geflüchteten sein, das ist Maximilian und Miriam wichtig zu betonen: „Es wäre ja auch eine Bereicherung für die Fuldaer. Denn wo ist der Kulturaustausch bis jetzt?“ Beim Mittwochscafé und den Deutschkursen, die die Initiative anbietet, müssten die Freiwilligen immer in die Unterkunft in der Frankfurter Straße kommen. „Dort dringen wir aber in die Privatsphäre der Menschen ein, denn es gibt keine Gemeinschaftsräume.“ Das sei unangenehm. Ein Grund mehr, aus dem die Initiative einen unabhängigen Ort brauche, der die Begegnung zwischen den Bürgern und neuen Bewohnern der Stadt überhaupt zulasse. „Denn genauso beginnt Integration, man muss ja irgendwo ansetzen. Integration kann nur stattfinden, wenn ein Miteinander oder ein Austausch entsteht. Und solange die Gemeinschaftsunterkünfte so isoliert dastehen, kann das nicht funktionieren“, ist sich Maximilian sicher.

Grafik: Welcome In

Die Idee für das Wohnzimmer tragen die Freiwilligen schon ein paar Monate mit sich herum. Entstanden ist sie Ende vergangenen Jahres bei der Jahreshauptversammlung der Initiative. Und seitdem ist das "Wohnzimmer-Team" am Netzwerken, Koordinieren und Informieren. „So ein Projekt dauert. Aber darauf, wo wir jetzt stehen, sind wir schon mächtig stolz“, sagt Miriam. Würde es nach ihr oder den Geflüchteten gehen, würde das Projekt schon morgen starten: „Sie fragen jeden Tag, wann es losgeht und ob wir inzwischen einen Raum gefunden haben.“

Es muss nur noch eine Räumlichkeit gefunden werden

Denn daran scheitert das Vorhaben im Moment noch. Ein geeigneter Raum muss er. Oder besser: mehrere Räume. Im besten Fall würde die Initiative in dem Begegnungscafé auch ihre „Home-Base“ schaffen. Also die Deutschkurse und anderen Aktivitäten, die sie derzeit anbietet, hierher verlagern. „Außerdem würden wir gern ein Zimmer nur für Frauen schaffen. Gerade die haben nicht wirklich einen Ort nur für sich. In den Unterkünften leben überwiegend Männer, und auch ihre Zimmer dort teilen sie mit der ganzen Familie“, sagt Max. Anliegen Nummer eins ist jedoch, eine Räumlichkeit zu finden, die zentral liegt. Denn der Wunsch der Freiwilligen ist es, die Geflüchteten zu integrieren und nicht auszusiedeln. „Sie sollen raus aus ihren Unterkünften und mit den Fuldaern in Kontakt treten.“

Das Projekt ist den Mitgliedern der Initiative ernst. Die Konzepte dafür haben sie bereits an verschiedenen Stellen vorgelegt und hoffen nun auf Kooperationen und Unterstützung. Bei der evangelischen Lutherkirche haben sie bereits offene Türen eingerannt: Sie stellt dem Projekt eine halbe Stelle, die Jochen Schiersch besetzen wird. Ab dem 1. April wird er sich auf die Umsetzung konzentrieren. Und auch der Förderverein Kultur- und Umweltbildung ist bereits mit im Boot. Nun hoffen die Freiwilligen auf Unterstützung von der Stadt und dem Landkreis. Ihr Konzept haben sie bereits vorgelegt, und der Kontakt besteht. „Wir sind gerade dabei, eine Möglichkeit zu finden, wie wir vermitteln können“, sagt Pressesprecher Michael Schwab dazu und meint damit das Finden eines geeignete Raums. "Leerstand haben wir zwar keinen, aber wenn wir als Stadt die Hand mit auf das Vorhaben legen, hat das vielleicht ein schwereres Gewicht." Denn: „Die Notwendigkeit der Integration besteht. Alles, was Menschen zusammenbringt, ist wünschenswert. Und ich finde es gut, dass sich die Mitglieder der Initiative so viele Gedanken darum machen.“

Verschiedene kulturelle Aktionen in Planung

Das tun sie in der Tat: Neben dem Café-Betrieb plant die Initiative verschiedene kulturelle Aktionen, auch solche, die zur Aufklärung beitragen sollen. „Aber auch, wer einfach nur einen Kaffee trinken will und dabei interkulturelle Luft schnuppern möchte, wird im Wohnzimmer genau richtig sein“, sagt Max. Abends soll es eventuell sogar Bar-Betrieb geben. Und die Sprachbarrieren? „Die werden natürlich da sein. Aber mit Händen und Füßen hat es bisher immer funktioniert. Und bei einigen Geflüchteten klappt es sogar schon ganz gut mit Deutsch“, sagt Miriam. Der gegenseitige Austausch im Café soll die Sprachentwicklung ebenfalls fördern. Und auch um die Hemmschwelle mache sie sich keine Sorgen: „Natürlich wird es seine Anlaufzeit brauchen, aber dann, da sind wir uns sicher, wird das Wohnzimmer ein Anlaufpunkt für viele Bürger und Geflüchtete sein.“

Der Wille ist also da. Nun fehlt es nur noch an einem Raum. Maximilian und Miriam können es kaum mehr abwarten, endlich mit der Arbeit zu beginnen, „Es ist eine Herzensangelegenheit! Sobald ein Raum gefunden ist, dauert es keine zwei Tage, dann ist das Begegnungscafé geöffnet", sagen sie lachend. (Suria Reiche) +++

Das Spendenkonto der Gemeinnützigen Initiative hat die IBAN DE60 5305 0180 0043 007376 (Sparkasse Fulda). Falls die Spende speziell an dieses Projekt gehen soll, wird darum gebeten im Betreff „Wohnzimmer“ anzugeben. Bei Angabe der Adresse kann eine Spendenquittung ausgestellt werden. Weitere Informationen gibt es auf www.welcome-in.org.


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