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REGION Heimat.Stadt.Fulda (12.2)

Fuldaer Kostbarkeiten zweiter Teil - von Klaus Willem SITZMANN

11.05.16 - Das Institut Bibliotheca Fuldensis ist Teil der Hauptbibliothek des bischöflichen Priesterseminars zu Fulda und ist im Gebäude der Domdechanei beheimatet. Frau BDir.Dr. Alessandra Sorbella Staub ist die Leiterin der Bibliotheken und öffnete mir die Tür zu diesen Räumlichkeiten. Außerdem bekam ich kostbare bibliophile Schätze und Schriften vergangener Jahrhunderte zu Gesicht. Doch lassen wir nun Frau Dr. Sorbello Staub das geistige Erbe unserer Vorfahren vorstellen.

"Gegründet 1572 für die Ausbildung von Theologen in Fulda ist die Bibliothek seit 1985 mit den Fachseminarbibliotheken der Theologischen Fakultät vereinigt und hat seitdem die Funktion einer Hochschulbibliothek", erklärt die Professorin. Sie sei auch die zentrale bibliothekarische Einrichtung des Bistums Fulda und nehme aufgrund ihres Sammelauftrags diözesanbibliothekarische Aufgaben wahr. "Sie ist demnach gleichermaßen Archiv-, Wissenschafts- und Forschungsstätte", erklärt die Bibliothekarin aus Leidenschaft im Gespräch mit mir.

Wappen des Erbauers der Domdechanei und später Dekan des Hochstiftes Fulda (neben ...

Innenhof der Domdechanei. Hier ist die Bibliothek des bischöflichen Priesterseminars ...

Seit 1994 befindet sich die Bibliothek in ihren heutigen Räumlichkeiten in der Domdechanei. Mit ihrem Bestand von über 350.000 Medien (davon rund 30.000 Bände im Freihandbestand) und rund 300 Zeitschriftenabonnements ist sie eine der größten wissenschaftlichen Bibliotheken in kirchlicher Trägerschaft deutschlandweit. Sammelschwerpunkte der Bibliothek sind vor allem Theologie, Philosophie, Ethik, Geschichte, Kirchengeschichte, Bistumsgeschichte und Fuldensien. "Die Bibliothek besitzt zudem über 2.000 mittelalterliche und neuzeitliche Urkunden, Handschriften und Archivalien. Der historische Buchbestand (15.-19. Jahrhundert) umfasst rund 40.000 Bände. Sondersammlungen sind zu Georg Witzel Athanasius Kircher sowie das Archiv für Pastorale Arbeitshilfen (AfPA)", zählt sie etwas stolz auf.

"Eine Besonderheit stellt das Institut Bibliotheca Fuldensis an der Theologischen Fakultät Fulda dar, das sich der Erforschung der alten und bedeutenden mittelalterlichen Bibliothek des Klosters Fulda widmet", führt Dr. Sorbello aus. Kloster Fulda gehöre mit Lorsch und der Reichenau zu den bedeutenden mittelalterlichen Wissenszentren, die im Geiste der karolingischen Reform das schriftliche Erbe der Antike gesammelt und gesichert haben. Zur Tradierung des angesammelten Wissens war die Bibliothek von einem lebendigen Skriptorium flankiert. Von der Bedeutung Fulda für das antike Schrifttum geben zuletzt die Humanisten Zeugnis, die diese Bibliothek häufig auf der Suche nach erhaltenen Texten aufsuchen. "Diese wertvolle Sammlung wurde im dreißigjährigen Krieg verschleppt, zerstreut und zu großen Teilen zerstört. Sie ist heute in vielen Fällen nur als Fragment greifbar", weiß Sorbello.

Hrabanus Maurus Lesesaal

Sitz des Instituts Bibliotheca Fuldensis

Portrait des Jesuitenpaters und Gelehrten Athanasius Kircher

Das Institut gehe auf die Initiative des Philosophen und Mediävisten Prof. Dr. Gangolf Schrimpf (1935-2001) zurück. Seit rund 30 Jahren werde kontinuierlich dafür eine umfangreiche Dokumentation zu den erhaltenen Handschriften und zerstreuten Handschriftenfragmenten angelegt. Zugleich konnte eine reichhaltige Spezialbibliothek aufgebaut werden. "Der Förderkreis der Theologischen Fakultät Fulda e.V. ermöglichte es, dass die erhaltenen Handschriften und Fragmente der ehemals umfangreichen Bibliothek fast ausnahmslos in hochwertigen Reproduktionen wieder vor Ort gesammelt werden konnten. Dadurch konnte die zerstörte Bibliothek virtuell rekonstruiert werden", ist die Direktorin über die Unterstützung dankbar.

Für den Zweiteiler Fuldaer Kostbarkeiten mussten Türen und Schränke geöffnet - wertvolle Bücher aufgeschlagen werden. Hierfür meinen herzlichen Dank an Frau Dr. Sorbello und ein vergelt's Gott Herrn Prof. Willmes. Es hat Spaß gemacht. (Klaus Willem Sitzmann) 

INFO ZUM FOTOGRAFEN:
Der Eichenzeller Fotograf Klaus Willem Sitzmann führt die Bilderserie Heimat.Stadt.Fulda. fort. Heute nimmt er Sie mit an einen weiteren Ort, den nur wenige Osthessen jemals betreten dürfen - ein Ort voller Wissen, Kultur und Geschichte. Sitzmann arbeitet in den letzten zwei Jahren aber auch an einer Publikation über seine Heimatstadt Fulda. Die Reihe bei OSTHESSEN|NEWS, in der er die Schönheit der Region, der Rhöner Berge und andere Besonderheiten mit der Kamera festhält, geht bald schon weiter. Wer mehr über Sitzmann und seine Arbeit erfahren möchte, dem sei die Internetseite www.sitzmann-photo.de ans Herz gelegt. +++

Historische Regale mit Hinweisen für die fachliche Aufstellung der Bücherei

Historisches Buch. Die Lesernoppen dienen als Lesezeichen

geheimnisvoll

Johannes de Verdena Sermones Hagenau. Prädigtsammlung aus 1493. Hier wurde eine mittelalterliche ...

Die Zeit zwischen 1450 und 1500 nennt man Wiedergeburtszeit oder Inkunabelzeit

Die ersten Jahrzehnte nach Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg

Moraltheologisches Traktat aus 1497

Spannende Geschichte als Bestandteil des Vorsatzes im Buchdeckel

Geschlossenes Altertum

Koperteneinband mit eingearbeiteter, mittelalterlicher Handschrift

Lederriemen zur Stabilisierung des Einbandes

Predigtsammlung aus dem Jahr 1572

Hier dient eine Handschrift aus 15. Jahrhunderts als Buchumschlag

Kostbarkeiten aus der Bibliothek

Mittelalterliche Handschrift, 14. Jahrhundert. Sie wurde schwarz angestrichen, um Leder vorzutäuschen. ...

Schannat

1727. Hofgerichtsschreiber Johannes Friedrich Schannat legte die erste Geschichte des Bistums ...

Blick in das Werk Schannats, das mit zahlreichen Kupferstichen illustriert ist

Ansicht Fuldaer Dom. Auf der Seite zuvor mit Grundriss

Reproduktion des Bonifatius-Kodex - Ragyndrudis mit Wiedergabe des Dolcheinstichs in der Überschrift ...

Weitere Seitenansichten mit Kupferstichen aus dem Werk des Hofgeschichtsschreibers ...

Reproduktion der Urkunde des Pippin, worin die Privilegien von Kloster Fuldaer bestätigt werden ...

Unterschrift des Pippin aus dem Jahre 755

Siegel. Anno domini MDVII. (1507)

Reproduktion des Kalians-Vita aus den Beständen des Institutes

Innovation des Klosters Fulda: Ein Heiligenleben erstmalig mit Illustrationen dargestellt ...

Weitere Einblicke in Vita Kilians

Am Schluss.

Blick in die Arbeitsräume

Reproduktion von Hrabans Bestseller "Vom Lob des heiligen Kreuzes"

Blick ins Innere

Eines von mehreren Figurengedichten

Nationalbibliothek Wien, Faksimile. Druck und Verlagsanstalt Graz (1972)


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