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GELNHAUSEN Tagebuch eines litauischen Zwangsarbeiters

Autor Gerhard Freund stellte im Forum sein neues Buch vor

29.11.16 - Im Forum des Main-Kinzig-Kreises in Gelnhausen konnte Gerhard Freund vor zahlreichen Interessierten sein neues Buch vorstellen. Die großformatige Dokumentation beschreibt die Zwangsarbeit in unserer Region, berichtet über die Verfolgung und Ermordung aus rassistischen Gründen und von politisch Andersdenkenden. Der Autor schilderte an der Leinwand mit zahlreichen Bildern und Dokumenten die Verbrechen vor „unserer Haustür“ zur NS-Zeit. Freund wörtlich: „Ich weiß, dass ich mit der Beleuchtung eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte ein Wagnis eingehe.

Gerade in unserer Zeit ist es aber wichtig, gegen Populismus, Ausgrenzung und Rassismus vorzugehen!“ Die Dokumentation orientiert sich im Wesentlichen an einem Tagebuch des litauischen Zwangsarbeiters Lionginas Mikalauskas. Christine Raedler, die Leiterin des Zentrums für Regionalgeschichte des Main-Kinzig-Kreises, hatte zunächst die Anwesenden begrüßt. Sie führte dabei aus, wie wichtig die Aufarbeitung der NS-Zeit im kommunalen Bereich sei. Danach würdigte Landrat Erich Pipa die literarische Arbeit des Autors. Gerhard Freund habe als Heimatvertriebener die Auswirkungen des Hitler-Regimes hautnah miterlebt.

Das hat ihn motiviert. Auch während des Starts ins Berufsleben mit seiner Ausbildung in der Wibau im heutigen Gründau-Rothenbergen auf dem Areal des ehemaligen Fliegerhorstes Gelnhausen-Rothenbergen, hätten ihn die Schatten der Vergangenheit eingeholt. Bereits im Jahre 1995 habe er eine Dokumentation darüber geschrieben. Heute werde das Buch bereits in 4. überarbeiteter Auflage im Buchhandel und elektronisch vertrieben. Landrat Pipa führte aus, dass auch jetzt wieder im Rahmen der Flüchtlingspolitik Ausländerfeindlichkeit und deren Ausgrenzung auf der Tagesordnung stünden. Er selbst sei dafür mehrfach bedroht worden. Der Landrat wünschte Gerhard Freund mit seiner Dokumentation über die Auswirkungen der
NS-Zeit auf die Kommunalpolitik viel Erfolg. „Wir Demokraten dürfen uns von Populisten nicht verbiegen lassen“, so Erich Pipa abschließend.


Danach stellte Autor Gerhard Freund anhand von zahlreichen Bildern in einer Präsentation sein neues Buch vor. Zu Beginn bedankte er sich bei Richard Mikalauskas und seiner Familie, dass er die Aufzeichnungen seines Vaters Lionginas als Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft, im Möbellager des Schlosses Eisenhammer bei Neuenschmidten und in der Veritas AG Gelnhausen zwischen 1942 und 1945 zur Verfügung gestellt habe. Lionginas Mikalauskas, der nach dem Krieg mit seiner Frau Käthe in Brachttal-Hellstein lebte, hat während seines Einsatzes als Zwangsarbeiter im „Dritten Reich“ schreckliche Dinge erlebt: Hunger und Not, die Verfolgung wegen „Rassenschande“ und die Bombardierung Hanaus am 19. März 1945.

Er sah die Sträflinge des „Todesmarsches“ aus dem KZ-Katzbach der Adlerwerke in Frankfurt auf ihrem Weg durch das Kinzigtal erschossen bei Wirtheim am Straßenrand liegen. Zeitzeugenberichte aus Steinau bestätigen die Todesmärsche kurz vor dem Zusammenbruch des NS-Regimes. Aber Mikalauskas hat während dieser Zeit auch zahlreiche Menschen in der Region kennengelernt, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens geholfen haben und sich nicht von den Befehlen der Nationalsozialisten beeindrucken ließen. Gerhard Freund betonte, dass die Aufzeichnungen des Litauers das Gerippe der Dokumentation bildeten.

Dabei berichtet er über zahlreiche Vorkommnisse in der Region: der Judenverfolgung im Kinzigtal und deren Deportation von den Bahnhöfen in Hanau und Schlüchtern bis in den Tod. Er beschreibt die katastrophalen Zustände im Strafgefangenenlager auf der Wegscheide bei Bad Orb genauso wie die Verfolgung und Hinrichtung der Zwangsarbeiter aus dem Osten wegen „Rassenschande“ und die Bedingungen, unter denen sie arbeiten mussten. Auch Lionginas Mikalauskas sei Augenzeuge dieser Verbrechen der Nazis gegen die Menschlichkeit geworden.

Am Ende seiner Buchvorstellung bedankte sich Gerhard Freund bei den Zeitzeugen und bei der Druckerei Kürle in Gelnhausen für ihre Unterstützung. Die neue Dokumentation erhielten als Buchgeschenk: Landrat Erich Pipa, Christine Raedler, Richard Mikalauskas, Rudolf Raszkiewicz, Udo Samsel und Werner Kürle. Ab sofort ist die großformatige Neuerscheinung „Zwangsarbeit mit Todesmarsch, Verfolgung und Ermordung zur Zeit des Nationalsozialismus“ mit über 190 Bildern und Dokumenten sowie alle weiteren Dokumentationen in Buchform von Gerhard Freund im Buchhandel oder elektronisch über www.maerchenstrassen-verlag erhältlich. +++


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