HASSELROTH Eine Wildnis im Kleinformat

Pferde und Rinder grasen am Hässeler Weiher

20.12.16 - Was lange währt wird endlich gut. Nach jahrelangen Planungen und Vorbereitungen durch die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) und nach dreimonatiger Bauzeit wurde die Weide am Naturschutzgebiet „Hässeler Weiher von Neuenhaßlau“ im November für den Start des Naturschutzprojekts fertiggestellt.  Genau rechtzeitig vor der Ankunft der ersten fünf Heck-Rinder. Diese kamen aus dem seit Anfang der Neunziger Jahre bestehenden Weideprojekt Hellinghäuser- und Kloster-Mersch an der Lippe bei Soest in Nordrhein-Westfalen. Bulle Halvar und die Kühe Hilde, Helma, Hertha und Heidi kamen zwar noch etwas aufgeregt, aber wohlbehalten auf der Weide an.

Vergangene Woche sind dann noch drei Konik-Pferde aus dem Wildpark Knüll hinzu gekommen. Die drei Stuten Nica, Nele und Nanni komplettieren die Startbesatzdichte des Projektes von acht Tieren. Sie wurden zunächst einige Zeit in einem kleinen Bereich am Unterstand gehalten. So konnten sie sich an ihre Betreuer und die neue Umgebung gewöhnen. Am vergangenen Wochenende wurden sie dann in die insgesamt circa zwanzig Hektar große Gesamtweide entlassen.

Das durch die Fraport AG geförderte Projekt am Hässeler Weiher dient der langfristigen Sicherstellung der naturschutzfachlichen Pflege des Naturschutzgebietes mit seinem ökologisch zum Teil äußerst wertvollen Umfeld. Das Vorhaben der HGON am Hässeler Weiher wurde sogar im Rahmen des Förderprogramms „Wildes Deutschland“ des World Wildlife Fund for Nature (WWF) prämiert. Das Konzept der ganzjährigen Multispeziesbeweidung hat sich in den vergangenen 25 Jahren in einer ganzen Reihe von ähnlichen Projekten europaweit bewährt.


Multispeziesbeweidung heißt, dass das Gebiet mit mehreren Tierarten gleichzeitig beweidet wird. Entscheidend ist hierbei, dass nur sehr wenige Tiere in einer extensiven, also der Fläche entsprechend geringen Besatzdichte auf der Weide grasen. Die Weidetiere sollen nach der Eingewöhnung die Fläche schonend pflegen, was auch den seltenen Pflanzen im Gebiet zugutekommt und Neophyten zurückdrängen kann. Den robusten Weidetieren droht auch im Winter keine Gefahr. Durch ihr unterschiedliches Fraßverhalten lassen sie durch ganzjährige Anwesenheit auf der Weide ein kleinräumiges Biotop-Mosaik entstehen, das sehr vielen verschiedenen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat bietet. So soll sich das Gebiet zu einem „Hotspot“ der Biodiversität entwickeln. Eine Art „Wildnis im Kleinformat“.

„Wir sind sehr froh, dass es nun endlich losgeht!“ so der Arbeitskreissprecher der HGON im MKK Andreas Höfler. Der Verband hatte für sein Projekt eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen, die unter anderem den Hässeler Weiher und sein Umfeld als sehr geeignet für eine solche Weideform herausstellte. Auch die kritischen Wogen im Vorfeld des Projektes konnten mittlerweile geglättet werden. “Wir sind uns sehr wohl der Vergangenheit bewusst und sorgen uns mit täglichen Kontrollen an der Weide und einer doppelten Zäunung an der Bahn um die Sicherheit des Projektes“, so Höfler weiter. Zuvor waren dort Bäume entlang der Bahn gefällt worden, um die Sicherheit der Zäunung zu gewährleisten.

Durch die Bereitstellung von Flächen fördern auch die Gemeinde Hasselroth, der NABU Kreisverband Main-Kinzig und Hessen Mobil das Projekt. Das Regierungspräsidium Darmstadt und der Main-Kinzig-Kreis stellten zum Aufbau der Weide Mittel zur Verfügung. Zudem soll ein externes Monitoring die Entwicklung der Artenvielfalt auf der Fläche verfolgen. „Uns sind die nachhaltige Entwicklung der Biozönosen und die Förderung von bedrohten Arten einer der Hauptanliegen des Projektes, das Monitoring hilft uns, die Beweidung bei Bedarf anzupassen und dies sicherzustellen“, betont der stellv. HGON Vorsitzende und Biologe Ralf Sauerbrei. An der Weide sind Hinweisschilder mit Informationen zum Projekt aufgestellt. Die HGON bittet zum Wohl der Weidetiere diese nicht zu füttern und auch Hunde nicht auf die Weide laufen zu lassen. Exkursionen zur Weide wird die HGON ab dem Frühjahr 2017 anbieten.
Mehr Informationen im Internet unter www.hgon-mkk.de +++



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