Bern Bloo - Fotos: Walter Dörr

SINNTALTraditionelles Kirmeswochenende

Weiperz feiert Kirmes - Großer Andrang trotz schlechten Wetters

09.10.17 - Traditionell wurde in Weiperz Kirmes gefeiert. Und wie immer zweimal. Der „önnern Bloo“ in karierten Hemden feierte in der Gastwirtschaft „Zum Adler“ (Döppler/Gärtner) und der „öbern Bloo“ in Frack, schwarzen Zylindern, schwarz-rot-gold dekorierten Bändern und urigen Holzschuhen veranstaltete wieder eine Zeltkirmes auf dem ehemaligen Schulhof. In Weiperz, weithin bekannt als das Musikdorf, wurde Kirmes immer am ersten Wochenende im November gefeiert.

Kirchweih bezieht sich eigentlich auf die Weihe der Kirche, und die Sankt-Wigbert-Kirche wurde am 7. November 1899 eingeweiht. Damals realisierten sich die Katholiken einen langgehegten Wunsch. Weil der Betsaal in der alten Schule zu klein war und man nicht weiter ein Anhängsel von Herolz und Sannerz sein wollte, beantragten die Gläubigen eine eigene Kirche. Das bischöfliche Generalvikariat in Fulda genehmigte den Bau eines Gotteshauses am 19. Februar 1898. Am 3. Mai 1899 war die Grundsteinlegung und die Einweihung der Kirche konnte am 7. November des gleichen Jahres erfolgen. Weil der Besuch bei der alljährlichen Kirmesfeier in der heutigen Sinntal-Gemeinde durch eine Terminüberschneidung mit dem Kalten Markt in Schlüchtern abnahm, entschloss man sich, den Termin zu verlegen.

St. Wigbert Kirche

Trachtenkapelle Musikfreunde Weiperz

Höhepunkt der Weiperzer Kirmes ist aber nach wie vor das Aufsagen der Kirmessprüche. Mit den Klängen der zahlreichen Musikfreunde-Musikerinnen und Musiker in ihren Spessarttrachten holte der 13-köpfige „öbern“ Bloo den buntgeschmückten Kirmesstrauß bei Bürgermeister Carsten Ullrich ab und brachte ihn zum Dorfgemeinschaftshaus, wo Bürger auf den Spruch warteten. Wie im vergangenen Jahr bestieg Oberbloo Niklas Mack wieder die Leiter. Dass er den Spruch aufsagen kann, sei ihm beinah verwehrt worden, sagte Mack, denn nach seinem ersten Spruch habe man ihn fast eingesperrt, weil sich jemand in seiner persönlichen Ehre verletzt gefühlt habe. Mack entschuldigte sich deshalb vorab „für eventuelle Unannehmlichkeiten, denn bei der Kirmes sol man feiern, Bier trinken und nicht streiten“.

Im Spruch erinnerte der Oberbloo daran, dass die Trachtenkapelle wieder eine Einladung vom Papst bekommen habe. Kritik übte man an der überschwänglichen Berichterstattung des Pressewartes, der von „Erlesenen“ und der „Champions League der Musik“ schrieb. Von zwei Häuslebauern war dann die Rede, von denen der eine einen Apfelbaum dreimal umsetzte, weil er jeweils im Weg stand, und der andere brach sich das Schlüsselbein, weil er bei seiner handwerklichen Arbeit in eine Baugrube gefallen war und seinem Chef erklärte, dass er sich beim Home-Office am Laptop verletzt habe. Über die Autobahn nochmal heimrasen musste eine Mutter, weil ihr Sohn die Eintrittskarten vergessen hatte. Vergessen hatte beim Hessentag in Rüsselsheim auch der Alt-Dirigent der Trachtenkapelle seinen Dreispitz im Bus. Angesichts der vier Kilometer langen Wegstrecke sprach er einen Polizisten an, der mit Blaulicht den Hut holte.

Niklas Mack

Eine Sportler-Götterdämmerung erfuhr ein Bloobursch mit 115 Kilo Gewicht, der jetzt bei der SG Weiperz mit spannendem Trikot und knall enger Hose spielt. Für das 1.111-jährige Dorf-Jubiläum im kommenden Jahr verpflichtete Oberbloo Mack alle ehemaligen Öbern-Bloo-Mitglieder. AC/DC, Rolling Stones und Helene Fischer sollten das Rahmenprogramm bilden, damit jeder weiß, welches Dorf die besten Feste organisieren kann. Weil fünf Blooburschen ehestandsmäßig ausscheiden, beklagte Mack einen „ÖXIT“ (öbern-Exit-Fluch).

Mit der musikalischen Begleitung durch den Musikverein 1924 zog der zehnköpfige „önnern“ Bloo zum Haus von Ortsvorsteherin Margot Klement. Dort holte man den zweiten Kirmesstrauß ab und marschierte zum Dorfgemeinschaftshaus. Die letzten Meter verstummte die Blasmusik, denn am Dorfgemeinschaftshaus wurde der „öbern“-Spruch vorgetragen. Nach dem Ende gingen alle mit Blasmusik zur nahen Gastwirtschaft Döppler, wo Felix Gerst einen weiteren Leiterspruch vorlas.

Sinntals Bürgermeister Carsten Ullrich mit ...

Nach einem allgemeinen Überblick über die Kartoffel- und Zwetschgenernte, und der Feststellung, dass die immer verlierende SG Weiperz aufpassen müsse, nicht in die B-Klasse abzusteigen, berichtete Oberbloo Gerst von einer Poolparty des Bloos am letztjährigen Kirmessonntag. Alkoholgenuss sorgte auch dazu, dass der Neujahrsesel ausgerissen ist und zu seiner Bändigung die Fäuste flogen. Dass der DGH-Kellerraum des Licher-Jugendclubs wegen Brandschutzauflagen nicht weiter genutzt werden durfte, fand Platz im Kirmesspruch. Und, dass nach langen Diskussionen eine Vision gefunden wurde, dass er nun wieder auf ist.

Dass der Transporter der Band Rio einen Reifen verlor, und dass ein „önnerer“ Räucherschrank einem „Öbern“ verkauft wurde, war im Spruch. Trotz regnerischem Wetter ließen sich die Weiperzer ihre Kirmes nicht vermiesen und feierten im Zelt (Öbern Wirtshausmusikanten, „Die Zwee vom Durf“, einzige Bloo-Kapelle des Main-Kinzig-Kreises, Musikverein Herbstein) und im Saal Döppler (80/90er Discoparty, Wolpertaler Musikanten). (Walter Dörr) +++


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