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REGION Die meisten Stunden bei geringster Besoldung

Grundschulpädagogen fordern: "Bezahlung nach A 13 ist überfällig!"

13.11.17 - "Wir haben als Grundschullehrer die meisten Wochenstunden und die geringste Besoldung", beschweren sich rund fünfzig Lehrerinnen und Lehrer heute Mittag vor dem Staatlichen Schulamt in der Fuldaer Josefstraße. Gemeinsam skandieren sie zur Gitarrenbegleitung: "Drum verkauft Euch nicht unter Wert, drum auf, jetzt wird sich endlich gewehrt! Drum auf, wenn ihr auf Bildung setzt, A13 für alle per Gesetz!"

Für eine Besoldung nach A13 demonstrierten ...Fotos: Klaus Dehnhard


Zwar bleiben die Kundgebungsteilnehmer hier in der stillen Nebenstraße weitgehend unter sich und das Staatliche Schulamt ist als Adressat der Beschwerde auch nicht wirklich zuständig für die Lehrerbesoldung. "Aber die haben den besseren Draht zum Kultusministerium", argumentiert eine Teilnehmerin, die auch erklärt, wie es wohl historisch zu der ungleichen Besoldung der unterschiedlichen Lehrberufe kam. Einerseits sei die Ausbildung zum Grundschullehrer nicht so lang wie die eines Gymnasiallehrers und andererseits arbeiteten traditionell hauptsächlich Frauen mit den ABC-Schützen. "Und die werden ja auch als Erzieherin oder in den Pflegeberufen unterbezahlt!" Die diskriminierende Besoldung nach dem völlig überholten Motto "Kleine Kinder, kleines Geld" müsse endlich revidiert werden.


Gerade in Anbetracht der bekannt gegebenen Zahlen zur Steuerschätzung fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen eine deutliche Erhöhung der Bildungsausgaben. Dazu sagte die hessische GEW-Vorsitzende Birgit Koch: „Gegenüber der Steuerschätzung im Mai wird für die Bundesländer ein deutliches jährliches Mehraufkommen zwischen 2,3 und 5,6 Milliarden Euro prognostiziert. Auch auf Hessen werden dadurch deutliche Einnahmesteigerungen zukommen. Angesichts der chronischen Unterfinanzierung des Bildungsbereichs fordern wir von der hessischen Landesregierung, dieses Geld primär für Verbesserungen an Kitas, Schulen und Hochschulen einzusetzen.“

In Wahlkämpfen werde immer wieder mehr Geld für die Bildung versprochen. Nun sei es an der Zeit, diesen Versprechungen auch Taten folgen zu lassen: „Wir fordern die Besoldung der Lehrkräfte an den Grundschulen nach A13. Nur Lehrkräfte an Grundschulen werden nach A12 besoldet. Hier liegt der Frauenanteil bei 90 Prozent, was einer mittelbaren geschlechtlichen Diskriminierung gleichkommt. Da die Arbeit in der Grundschule als gleichwertig mit Lehrtätigkeiten an anderen Schulformen angesehen werden kann, muss auch die Bezahlung in gleicher Höhe erfolgen!“


Die Personalsituation an den Grundschulen verschärfe sich stattdessen aber weiter: Kultusminister Lorz habe kürzlich in einer Pressemitteilung zu Recht formuliert: „Die Arbeit unserer Grundschulen hat in den vergangenen Jahren einen enormen Bedeutungszuwachs erfahren." Anschließend habe er allerdings ein Maßnahmenpaket vorgestellt, das diesem ‚enormen Bedeutungszuwachs‘ ganz und gar nicht gerecht werde. Er sei auch weiterhin nicht bereit, die Arbeit der Grundschullehrerinnen und -lehrer angemessen zu bezahlen, die im Vergleich mit Bundesländern wie Bayern oder Baden-Württemberg im reichen Hessen deutlich hinten lägen.

Diese insgesamt geringe Wertschätzung der Arbeit gut ausgebildeter Grundschulpädagoginnen und -
pädagogen habe auch für die Kinder zunehmend negative Auswirkungen: Tatsächlich werde es immer schwieriger, genügend Lehrkräfte mit der Ausbildung für den Grundschulunterricht zu finden. Nach Auskunft des Kultusministeriums wurden schon im vergangenen Schuljahr nur sechs von sieben Stunden durch ausgebildete Grundschullehrkräfte unterrichtet. Das Ministerium versuche mit einer Reihe von Notmaßnahmen diese Lücke zu füllen: So würden Lehrkräfte aus dem Ruhestand in den Schuldienst zurückbeordert oder man versuche Studierende anderer Schulformen für den Vorbereitungsdienst in der Grundschule zu gewinnen, ohne dass diese vorher die fehlenden Studieninhalte nachholen könnten. Auch befristet Beschäftigte, die gar nicht für den Unterricht in der Grundschule ausgebildet seien, sollten dem Mangel an Grundschulpädagogen abhelfen.

"Die Eltern erwarten zu Recht, dass ihre Kinder von dafür ausgebildeten Grundschullehrkräften unterrichtet werden, die motiviert sind und nicht von der Politik deklassiert werden", betonte Ingeborg Keil vom GEW-Kreisverband Fulda auf der Kundgebung. (Carla Ihle-Becker)+++


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