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FULDAMit Zuversicht auf Gott vertrauen

"Spirituelle Erfahrungen" - Letzter Fastenhirtenbrief von Bischof Algermissen

18.02.18 - „In meinem letzten Hirtenbrief als Bischof von Fulda drängt es mich, Ihnen einige spirituelle Erfahrungen und Worte der Zuversicht auf dem Weg in die Zukunft mitzugeben. In den siebzehn Jahren meines bischöflichen Dienstes haben wir gemeinsam Zeiten der Freude und der Ängste erlebt. Zahlreiche kirchliche und gesellschaftliche Wandlungen bewegen uns, von denen wir heute noch nicht wissen, wohin sie führen.“ Dies schreibt der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen in seinem diesjährigen Fastenhirtenbrief an die Gläubigen in den Gemeinden seiner Diözese.

Da der Oberhirte am Donnerstag 75 Jahre alt geworden ist und er dem Heiligen Vater aus diesem Anlass sein Rücktrittsgesuch eingereicht hat, wird es der letzte Hirtenbrief seiner Amtszeit als Bischof von Fulda sein. Auf Gottes Wegen machten Christen die Erfahrung, so der Bischof, oft an die Grenzen der eigenen Möglichkeiten zu stoßen. Algermissen erinnert an seinen bischöflichen Wahlspruch, das Bild von den „zerbrechlichen Gefäßen“, der ihn auf seinem Weg in der Zuversicht, dass „wir einen ‚Schatz‘ in uns tragen, weil ‚das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt‘ (2 Kor 4, 7)“, begleitet habe.

In dem Hirtenbrief, der am Sonntag und in den Vorabendmessen vom Samstag in der ganzen Diözese verlesen wird, spricht der Oberhirte Gott und den Menschen im Bistum Fulda seinen vielfältigen Dank aus. „Nicht zuletzt gilt mein Dank all denen, die haupt- oder ehrenamtlich ihre liturgischen, pastoralen, katechetischen, pädagogischen Dienste tun und damit mannigfaltige kirchliche Orte gestalten.“ Algermissen betont sodann den weltkirchlichen Zusammenhang der Diözese: Das Bistum mit seinen knapp 400.000 Katholiken sei ein Teil der katholischen Weltkirche, die als ganze im Wachstum begriffen sei und heute an die 1,3 Milliarden Katholiken in aller Welt zähle. Ob als Mehrheiten wie in Lateinamerika oder als kleine Minderheiten wie in Asien, verkündeten sie in allen Sprachen das Evangelium Jesu Christi, feierten die Sakramente und seien diakonisch tätig. In seiner Zeit als Bischof von Fulda habe er zunehmend bemerkt, dass „wir uns in Fulda, Deutschland und Europa oft auf die abnehmenden Zahlen fokussieren und den Niedergang unserer Kirche befürchten“. Doch dürfe man nicht die Gestalten des Aufbruchs übersehen – und erst recht nicht den Aufbruch der Weltkirche vor allem in Afrika und Asien. „Die stark anwachsende Katholikenzahl offenbart etwas von der Suche der Völker nach Gott und seiner Gerechtigkeit.“

Missionarisch Kirche sein

Die Sorge um eine missionarische Kirche hat Bischof Algermissen immer wieder bewegt, zumal am Grab des heiligen Bonifatius, des Apostels der Deutschen. Die „pilgernde Kirche ist ihrer Natur nach missionarisch“, sage das Konzil und betone, dass die Mission der Kirche dazu dient, die Völker „zur Freiheit und zum Frieden Christi hinzuführen“. Zudem wurde sei ihm als Präsident der katholischen Friedensbewegung Pax Christi deutlich geworden, wie eng Freiheit und Frieden zur Mission der Kirche gehörten. „Im Glauben bin ich sicher, dass diese Aufgaben in unserem Bistum, unserem Land und in der Weltkirche Frucht bringen werden.“ Algermissen erinnert an die verstorbene deutsche Ordensfrau Ruth Pfau (1929-2017), die als Lepra-Ärztin in Karachi tätig war. Aufgrund ihres Lebenszeugnisses habe sie eine hohe Verehrung in Pakistan genossen, einem weitgehend muslimischen Land, das sie mit einem Staatsbegräbnis ehrte. Die Katholiken dort sind eine verschwindende Minderheit von einem halben Prozent bei 200 Millionen Einwohnern. Dieses Beispiel zeige, dass es nicht primär auf Zahlen ankommt, sondern auf das christliche Zeugnis und die Strahlkraft von Personen. „Das gilt auch für die Kirche von Fulda“, ist der Bischof überzeugt. „Vor den Augen der Welt vollzieht sich das Staunen über die Weltkirche, der es gelingt, sich in den Völkern zu verwurzeln und in allen Sprachen das Evangelium auszubreiten. Hat doch der Auferstandene in allen vier Evangelien die Jünger beauftragt: ‚Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen‘ (Mk 16, 15)“. Indes dürfe man die Augen auch davor nicht verschließen, dass die Christen weltweit am meisten verfolgt würden, obwohl sie den Frieden Christi verkündeten.

Mit Freude die Gegenwart gestalten

Man müsse sich die Frage stellen, ob die Gegenwart mit all ihren Facetten Freude erwecke, die zur Gestaltung anrege, oder ob sie eher Angst wegen der Unwägbarkeiten in Kirche und Gesellschaft, Politik und Wirtschaft mache. „Wir sehen doch, was die Uhr geschlagen hat, als im 20. Jahrhundert zwei Weltkriege tobten, Ideologien von Klasse und Rasse rasten und Genozide Völker hinmordeten.“ Das 21. Jahrhundert beginne mit den Anschlägen des 11. September 2001 auf Amerika, und in Europa setzten sich die islamistischen Anschläge fort bis in die Gegenwart. „In dieser neuen Weltlage grassiert die Angst vor dem, was die Zukunft noch alles bringen mag.“ Die Freude gehöre indes wesentlich zum Christsein. Neben der sinnenhaften gehöre auch die geistige und spirituelle Freude dazu, die Freude beim Beten oder in der Eucharistiefeier, auch die innere Freude, wenn in der Beichte die Vergebung der Sünden zuteilwerde, und die Freude, andere zu beschenken oder einfach Gutes zu tun.“ Viele der kleinen und großen Freuden, die das Leben trotz aller Bedrohungen und Ängste bereithalte, würden den Menschen geschenkt. „In ihnen leuchtet etwas von der Freude auf, welche alle diejenigen kennen, die unerschütterlich in Gott ihren Halt finden“, so Bischof Algermissen weiter.

Mit Zuversicht in die Zukunft schauen

Bischof Algermissen rät dazu, mit begründeter Zuversicht in die Zukunft zu schauen, und schlägt dazu sieben Punkte vor, die in der heutigen Zeit besonders hilfreich sein können. Zunächst verweist er auf die Liebe Christi: „Es kommt darauf an, in allen Lebenslagen auf die Liebe Gottes zu vertrauen“ und mahnt mit dem Konzil und Papst Franziskus eine barmherzige Kirche an, gerade auch gegenüber denen, die sich von der Kirche entfernt haben. Als Getaufte und Gefirmte seien ferner alle Laienchristen im Maß ihrer Möglichkeiten berufen, in Kirche und Welt mitzuwirken und Verantwortung zu übernehmen. Die Kirche müsse des Weiteren die vielfach vorhandenen spirituellen Schätze des katholischen Glaubens heben und so zur Sprache bringen, dass sie allen einleuchten. „Dass Gottes- und Nächstenliebe zusammengehören wie die beiden Seiten einer Münze, wissen wir alle“, fährt Algermissen fort.

An der Caritas, der Liebe zum Nächsten, habe sich die Kirche immer wieder erneuert, wie das Beispiel des Franziskus von Assisi zeigt, oder heute die „vorrangige Option für die Armen“. Sodann spricht der Bischof von „familiären Leuchttürmen“. „Ehe und Familie gehören zu den großen Menschheitsfragen der Zeit.“ Mit seinem Apostolischen Schreiben über die „Liebe in der Familie“ (Amoris laetitia) stärke der Papst die ehebegründete Familie von Mann und Frau mit Kindern. „Jedoch bedenkt er auch die Zerbrechlichkeit von Ehe und Familie, die daher der pastoralen Begleitung, der Unterscheidung der Geister sowie der Logik der pastoralen Barmherzigkeit bedarf.“ Schließlich gilt sein letzter Punkt den jungen Leuten, „die ja die nähere Zukunft hautnah erleben und gestalten werden“. Umfragen ließen erkennen, dass junge Menschen durchaus die Kirche schätzten und sich einbringten wollen, aber zu wenig Antworten auf ihre Fragen bekämen. „Nicht selten erfahren sie das Christentum als Neuheitserlebnis.“ Dass unsere Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen Platz in der Kirche finden, sei eine seiner großen Sorgen und gleichzeitig seine Hoffnung, schreibt Bischof Algermissen abschließend.  +++


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