- Fotos: Martin Engel

FULDALesung mit Schriftsteller Dogan Akhanli

„Verhaftung in Granada, oder: Treibt die Türkei in die Diktatur?“

06.03.18 - Am 19. August 2017 wurde der deutsch-türkische Schriftsteller Dogan Akhanli in Granada verhaftet. Am Montagabend las der 61-Jährige in Fulda aus seinem neuen Buch „Verhaftung in Granada, oder: Treibt die Türkei in die Diktatur?“ und berichtete von seiner Zeit in Untersuchungshaft in einem spanischen Gefängnis - und wie es dazu überhaupt kam.

Mitten in der Nacht: „Plötzlich klopfte es an der Tür, ich öffnete in Boxershorts“, erzählt Akhanli seinen rund 30 Zuhörern im Kanzlerpalais. Der Schriftsteller war mit seiner Lebensgefährtin in der spanischen Stadt, man wollte eigentlich nur Urlaub machen, berichtet er. „Vor mir standen Polizisten in schusssicheren Westen, man fragte mich nach meinem Ausweis.“ Als Muslim, so sagt er, sei man seit den Terroranschlägen auf der ganzen Welt an Passkontrollen gewöhnt, daher hätte er sich im ersten Moment wenig Sorgen gemacht. „Der Beamte war sehr freundlich, erst als er den Personalausweis meiner Lebensgefährtin gar nicht beachtete und nur meinen studierte, wurde ich unsicher.“ Die Polizisten, die ihm einen Interpol-Haftbefehl zeigten, nahmen Akhanli mit auf die Wache. In der Türkei hatte man in seiner Abwesenheit ein altes Gerichtsurteil aufgehoben, ihn bezichtigt, einen Raubüberfall begangen zu haben.


„Die Zeit scheint eine andere zu sein, wenn man in einer Zelle sitzt“, sagt er über seinen Gefängnisaufenthalt. „Die Nächte werden endlos lang, die Tage sind unglaublich kurz.“ Dinge, mit denen er sich hätte beschäftigen können, habe es nicht gegeben. „Ich habe die Aufseher um eine Zeitung oder ein Buch gebeten, zur Not auch in spanischer Sprache, obwohl ich Spanisch gar nicht verstehe – man hat mir diesen Wunsch aber nicht gewährt.“ Selbst die Brille, so erzählt der 61-Jährige, habe man ihm im Gefängnis abgenommen. „Ich konnte nicht mehr richtig sehen, alles war unscharf, kaum zu erkennen.“ Geholfen hätte ihm in dieser Zeit seine Erinnerung an seinen Geburtsort.

„Ich stamme aus einem ganz kleinen Dorf, eigentlich dem Ende der Welt, das von Bergen umgeben ist. Die Gedanken an seine Familie hätte ihm Kraft gegeben. „Ich sehe meine Mutter jetzt noch vor mir, mein Vater hatte ihr Lesen beigebracht, wie sie in der Stube sitzt, mit einem Buch auf dem Schoß.“ Akhanli erzählt auch von seinem zehn Jahre älteren Bruder, „er hat mein Leben lang auf mich aufgepasst, ich habe ihn sehr geliebt“.


Der türkischstämmige Schriftsteller zieht einen Bogen, welcher sein Leben beleuchtet, über seine Kindheit, die Anfänge seines politisch-motivierten Lebens bis zu seinen mehrfachen Verhaftungen durch das türkische Regime. Das nun veröffentlichte Buch, so sagt er, hätte er ohne die erneute Verhaftung in Granada und die dadurch entstandene zweimonatige Haft nicht verfasst. „Man kann sagen, es ist meine ganz persönliche Abrechnung mit der Türkei.“ (mr) +++


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