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„Point Alpha“ war bis 1989 einer der wichtigsten Beobachtungsstützpunkte der US-Streitkräfte in Europa - Foto: ON

GEISA Landesregierung mahnt

"Es heißt Fulda Gap und nicht Fulda-Loch": Unruhe in der Point-Alpha-Stiftung

13.07.18 - Die Point-Alpha-Stiftung in Geisa kommt nicht zur Ruhe: Erst im Juni war Direktorin Ricarda Steinbach zurückgetreten, zudem hat sich der halbe Stiftungs-Beirat verabschiedet, aus Protest gegen eine zu regionale Ausrichtung der international bedeutsamen Gedenkstätte und weil sich die hochkarätigen Experten zu wenig in der Entscheidungsfindung berücksichtigt sahen. Jetzt mahnt die hessische Landesregierung: Die Unstimmigkeiten dürften die Stiftungsarbeit nicht behindern.

Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard ist eins ...Foto: privat

Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard, eins der fünf zurückgetretenen Stiftungsbeiratsmitglieder, erklärt im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS, dass der kollektive Rücktritt entgegen anderslautender Gerüchte nichts mit der Abschiednahme von Steinbach zu tun habe: "Uns hat die Sorge umgetrieben, dass das gemäß Satzung international aufgestellte Projekt Point Alpha in letzter Zeit zu stark regional verengt wurde. Der Ausgangspunkt war eine weltpolitische Konfrontation, die gerade mit Blick auf momentane Entwicklungen in Europa hochaktuell ist: Es heißt Fulda Gap - und nicht Fulda-Loch. Zehn von dreizehn Stiftungsrat-Mitglieder sind der CDU verbunden, angesichts dieser parteipolitischen und regionalen Fixiertheit ist Pluralität undenkbar", so Leonhard.

Die weltpolitische Bedeutung von Point Alpha ...

Ein weiterer Grund für die Entscheidung sei ein Paradigmenwechsel in der stiftungsinternen Kommunikation, welcher, so Leonhard andeutungsweise, vor eineinhalb Jahren eingesetzt habe: "Neben der strategischen Aufsicht gibt es den Stiftungsrat, der entscheidet - und den wissenschaftlichen Beirat, der, so war es üblich, zuvor konsultiert wird, um etwa bei zu fördernden Buchprojekten mit Expertise zur Seite zu stehen. Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, der Präsident des hessischen Landesarchivs und der Vorsitzende des Hessischen Museumsverbands im Beirat - das sind Kapazitäten, die man nutzen kann. Wir wurden aber immer seltener konsultiert und haben im Februar dieses Jahres deswegen um Klärung gebeten. Das Thema wurde nicht befriedigend behandelt. Konkret gab es vier Projekte, mit denen wir nicht einverstanden waren. Wenn wir, noch dazu als Ehrenamtler, aus Berlin oder München nach Geisa anfahren und dann nicht berücksichtigt werden, ist das frustrierend", so Leonhard. In einer Stellungnahme zur Angelegenheit habe die Stiftung vom "Generationswechsel" gesprochen: "Das ist lächerlich, bei einer Zeitspanne von nur zehn Jahren", so Leonhard.

Thorsten Schäfer-Gümbel, Vorsitzender der SPD-Fraktion im ...Foto: ON

Auf Nachfrage der "Frankfurter Rundschau" bei der hessischen Landesregierung erklärt Regierungssprecher Michael Bußer: "Die Landesregierung erwartet, dass baldmöglichst die aufgetretenen Unstimmigkeiten überwunden werden und die Stiftung erfolgreich weiterarbeitet." Auch Thorsten Schäfer-Gümbel, der Fraktionsvorsitzende der SPD im hessischen Landtag, hat sich zu Wort gemeldet: "Die zurückgetretenen Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats haben sehr diplomatisch formuliert, dass die Stiftung inzwischen von CDU-Mitgliedern aus der Lokalpolitik geprägt wird. Das führt offenbar zu einer fortschreitenden Provinzialisierung dieser wichtigen Einrichtung, die doch mit einem hohen internationalen Anspruch gegründet wurde."

Schäfer-Gümbel weiter: "Aber wenn eine einstmals angesehen Institution wie die Point-Alpha-Stiftung in die Gefahr gerät, sich selbst zu einem besseren Heimatmuseum herunterzuwirtschaften, dann müssen alle politischen Kanäle genutzt werden, um das zu verhindern. Einfach nur zuzusehen, wie das Elend seinen Lauf nimmt, ist keine Antwort auf die Herausforderungen, vor denen die Stiftung steht. Ich erwarte deswegen, dass die Landesregierung sich schnell und ohne politische Scheuklappen darum kümmert, dass die Arbeit und das Ansehen der Stiftung nicht weiter durch provinziellen Streit beschädigt werden."

In einer Resolution der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Point Alpha Stiftung vom Freitag heißt es: "Die Point Alpha Stiftung ist unabhängig. Wir kooperieren seit Jahren mit unterschiedlichen Partnern und legen großen Wert auf unsere Unabhängigkeit. Die Frage einer Parteizugehörigkeit hat mit der Erledigung der in der Stiftungssatzung niedergelegten Aufgaben nichts zu tun. Keine Staatskanzlei, weder die in Erfurt, noch die in Wiesbaden, kann in unsere Arbeit hineinregieren oder Inhalte bestellen." (mau) +++


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