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NEUHOF Dilemma der Pflegeberufe

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Seniorenpflegeheim Mutter Teresa

23.10.18 -

Seniorenpflege-Mitarbeiterin Sandra Maul schildert Gesundheitsminister Jens ...Fotos: Carina Jirsch

Den Minister begleiteten Heimleiter Wigbert Wahl ...

Beim Rundgang in der Einrichtung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat einen eng getakteten Zeitplan, auch wenn er als Wahlkampfunterstützung für Ministerpräsident Volker Bouffier aus Berlin nach Hessen kommt. Weil der stetig wachsende Bedarf an Pflegekräften natürlich auch hier auf den Nägeln brennt, besuchte Spahn am Montag ein Altenheim in Neuhof. Dessen Leiter Wigbert Wahl hatte den Minister aufgefordert, also eingeladen, sich vor Ort mit den vielen Problemen in dieser Sparte auseinanderzusetzen. "Sie haben mich auffordernd eingeladen", fasste der Minister den Zweck seines Besuches kurz zusammen. Dass er nicht zum ersten Mal in einer Pflegeeinrichtung zu Gast war, dokumentierte er gleich am Eingang mit einem routinierten Griff zur Handdesinfektion.

Spahn stellte sich den Fragen und ...

Auch Neuhofs Bürgermeister Heiko Stolz war ...

Kalbachs Bürgermeister Florian Hölzer

Die Stiftung des Mutter-Teresa-Seniorenpflegeheims in Neuhof ist keine gewöhnliche Alteneinrichtung. Heimleiter Wigbert Wahl hatte 1999 bei der Suche nach einer geeigneten Einrichtung für seinen kranken Vater die Notwendigkeit gesehen, dem Mangel an guten Häusern abzuhelfen und so den Grundstein zur heutigen Stiftung gelegt. Er und weitere 25 Privatleute gründeten deshalb ein Seniorenpflegeheim für die Gemeinden Neuhof und Kalbach sowie für die weiteren Nachbargemeinden, das nicht gewinnorientiert, sondern gemeinnützig arbeitet. Mit einem Erweiterungsbau stehen seit 2012 zu den vorher 66 zusätzlich 28 weitere Bewohnerzimmer zur Verfügung.

CDU-MdB Michael Brand und Neuhofs CDU-Vorsitzender ...

Wigbert Wahl freut sich über den ...

Bei einem kurzen Rundgang durch die Einrichtung hielten sich die Pflegekräfte nicht vornehm zurück, sondern konfrontierten den Minister direkt mit ihren alltäglichen Problemen. "Wie soll ich in 20 Jahren noch einen Bewohner mit 120 Kilo heben können?", lautete eine Frage, die auf einen früheren Renteneintritt für Pflegberufe abzielte. Nicht nur die physische, sondern auch die psychische Belastung des Pflegepersonals wurde drastisch geschildert. "Die meisten unserer Bewohner, darunter viele Demenzkranke, haben schlimme Erfahrungen im Krieg gemacht und nie darüber gesprochen. Das bricht jetzt alles auf - und wir wissen zum Teil gar nicht, wie wir das auffangen sollen", klagte eine Mitarbeiterin. Natürlich war auch die vergleichsweise geringe Bezahlung und die Vereinbarkeit von Schichtarbeit mit der Familie Thema. 

"Bin nicht jeden Tag auf Station"

Jens Spahn bekannte zu Beginn freimütig, dass er nahezu täglich Menschen begegne, die Politikern im Allgemeinen und ihm als Gesundheitsminister im Speziellen nicht zutrauten, auch nur den Hauch einer Ahnung von der Lebenssituation der Pflegebeschäftigten zu haben. "Es stimmt, ich bin nicht jeden Tag auf Station wie Sie", gab Spahn zu. Um zu überzeugen und Vertrauen zu gewinnen, gelte es vor allem, weniger zu versprechen und mehr zu handeln. Spahn erwähnte als Schritt in die richtige Richtung das Pflegepersonalstärkungsgesetz. Er schilderte das Dilemma, dass für qualifizierte Arbeit auch bessere Gehälter gezahlt werden sollten ("Da sind 80 Prozent aller Befragten dafür"), bei der Frage der Finanzierung aber kaum jemand für die dann notwendige Erhöhung der Pflegeversicherungsbeiträge sei. Dafür gelte es eine stimmige Balance zu finden, so Spahn.

Angesichts der immens steigenden Zahl an Pflegebedürftigen (300.000 Demenzkranke mehr pro Jahr) und eines offenen Bedarfs von über 50.000 Stellen in dieser Branche bestehe akuter Handlungsbedarf, den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Daran werde auch intensiv gearbeitet, so der Minister. "Sie sitzen in dieser sich noch verschärfenden Mangelsituation auf Dauer am längeren Hebel", ermutigte er die Mitarbeiter, um bessere Tarife und/oder einen höheren Mindestlohn zu kämpfen und sich gewerkschaftlich zu organisieren - wohl zur Überraschung der CDU-Parteifreunde und sicher nicht zur hellen Freude des Arbeitgebers. Spahn versprach den Anwesenden, ihre Anregungen "als Denkanstöße" nach Berlin mitzunehmen - und eilte zum nächsten Wahlkampftermin. (Carla Ihle-Becker)+++


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