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FULDA Stein-Schule kündigt Rückzug an

Domgymnasium bleibt G8- und G9-Schule: Direktor Höhl im ON-Interview

01.12.18 - Die „Wirtschaftswoche“ hat die G8-Reform, also die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre einmal als den „größten Holzweg in der Geschichte des deutschen Bildungswesens“ bezeichnet. Nachdem die Winfriedschule es vor ein paar Jahren vorgemacht hat, hat nun auch das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium angekündigt, zum kommenden Schuljahr aus G8 wieder aussteigen zu wollen. Bleibt noch das Domgymnasium, das auch in Zukunft G8 anbieten will. Im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS erläuterte Schulleiter Matthias Höhl die Vorzüge des Parallelangebots.

ON: Herr Höhl, warum hält das Domgymnasium an G8 fest?

Schulleiter Matthias Höhl Foto: ON-Archiv

Matthias Höhl: Weil wir eindeutig die Vorteile sehen: G8 bedeutet eine erhöhte Zuweisung an Lehrerstellen und damit für beide Organisationsformen, also für G8 und G9 kleinere Klassen. Wir haben zum Beispiel in der Mittelstufe eine Durchschnittsklassengröße von 22,3. Jetzt schauen Sie sich reine G9-Schulen an, die müssen aufgrund geringerer Zuweisung zwangsläufig größere Klassen bilden, weil sie nicht genug Lehrer haben. Somit profitieren von dem Parallelangebot die gesamte Schule und vor allem die Schülerinnen und Schüler - und darum geht’s ja.

Wie viele Schüler hat denn das Domgymnasium und wie viele davon machen G8?

Wir haben knapp 1.000 Schüler mit stark wachsendem Trend, und es machen aus einem Jahrgang etwa 20 Prozent bis ein Viertel G8. In manchen Jahrgängen haben wir eine G8-Klasse, in anderen auch mal zwei.

Der langjährige Präsident des Lehrerverbandes, Josef Kraus, hat G8 einmal als „bildungspolitischen und entwicklungspsychologischen Schwachsinn“ bezeichnet.

So, wie in Bayern das Verfahren G8 von einem Schuljahr auf das andere zwangsmäßig eingeführt wurde, war das in der Tat Schwachsinn, da stimme ich Josef Kraus zu. Man hat in Hessen aber aus den Fehlern der anderen Bundesländer gelernt und gesagt: Wir lassen den Schulen einfach die Wahlfreiheit, ob sie G8 wollen oder nicht. Und das war genau der richtige Weg.

Was spricht denn Ihrer Meinung nach noch für G8?

Das Domgymnasium Foto: Domgymnasium Fulda

Sagen wir so: G9 verspielt auch viele Chancen, die begabte oder lerninteressierte Schüler in G8 haben. Da ist beispielsweise die sehr lernförderliche Umgebung in den G8-Klassen. Diese sind immer kleiner als die Regelklassen in G9, weil sie einfach eine Situation brauchen, in der man miteinander besser lernt. Auch haben unsere G8-Schüler viel weniger Hausaufgaben zu erledigen als die G9-Schüler, weil die Wiederholungs- und Vertiefungsphasen gar nicht so erforderlich sind. Das Fortschreiten im Unterricht ist wesentlich komplexer und intensiver und daher für die Schüler angenehmer und leichter.

Aber es ist doch so, dass besonders leistungsstarke Schüler sich für G8 entscheiden.

Es ist ein gewisser Trend da, aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass auch ganz normale Schüler mit Noten von 2 und 3 dort eine sehr gute Förderung erfahren. Die tun sich da viel leichter und entwickeln sich besser, als dass in einer Regelklasse der Fall wäre. Wir haben aber auch exzellente Schüler in G9-Klassen, die ganz bewusst gesagt haben: Ich will mehr Zeit für andere Sachen haben.

Eben. Mutet man mit dem G8-Pensum den Schülern nicht zu viel zu?

Interessanter Weise ist in unseren G8-Klassen ein viel höherer Prozentsatz im Ehrenamt und in zusätzlichen AGs aktiv, als dass das in G9-Klassen der Fall ist, die eigentlich mehr Zeit hätten – theoretisch. Von daher gesehen, stimmt dieses Argument so nicht.

An der Stein-Schule hat sich die Schulkonferenz (Eltern, Schüler und Lehrerschaft) für die Abschaffung von G8 ausgesprochen. Gibt es am Domgymnasium einen breiten Konsens für den Erhalt?

Den gibt es. Wir haben zu diesem Thema sogar einen großen pädagogischen Tag durchgeführt. Eltern, Schüler und Lehrer tragen das voll mit. Ein G8-Bildungsangebot muss in einer Region verankert sein. Für uns ist es ganz wichtig, dass Eltern und Schüler Wahlfreiheit haben, damit jede Schülerin und jeder Schüler den Weg einschlagen kann, der für die persönliche Entwicklung am besten ist. Dabei entscheiden sich die Schüler erst am Ende der sechsten Klasse, ob sie ab der Jahrgangsstufe sieben G9 oder lieber G8 besuchen wollen. Und ein Wechsel zwischen den beiden Organisationsformen ist jederzeit möglich.

Das Gespräch wurde geführt von ON-Redakteur Matthias Witzel. +++


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