Barbara Merx mit Steinmarder Pelle. - Fotos: Barbara Merx / privat

SINNTAL Mit schützender Hand

Wo Wildtierwaisen für ihr Leben in Freiheit aufgepäppelt werden

02.12.18 - „Ich nehme Wildtierwaisen auf, pflege und wildere sie wieder aus, weil ich ein wenig wieder gut machen möchte, was wir Menschen mit unserem Straßenverkehr und unseren Bebauungsmaßnahmen kaputt machen. Viele Elterntiere werden tot gefahren oder es werden ihnen Wege zur Futtersuche verbaut“, das ist eine Motivation von Barbara Merx, die in ihrer Wildtierstation Sinntal in Sterbfritz Wildtierwaisen aufnimmt.

Waschbär Max genießt die Streicheleinheiten seiner ...

Barbara Merx nimmt sich viel Zeit ...

Die schützende Hand für Wildtiere.

„Jedes junge Lebewesen ohne Eltern hat ein Recht auf eine zweite Chance“, sagt die Jägerin und betont, dass man von den kleinen Waisen sehr viel lernen könne, dass es wunderbar sei, wenn man merkt, dass die Tiere allmählich selbständig zurecht kommen, und dass es einen Heidenspaß mache, mit Tierkindern zu spielen und zu toben. „Es ist wichtig, dass wir Menschen wieder einen Naturbezug gekommen“, so Barbara Merx. Ein bisschen verrückt zu sein, räumt die Tierliebhaberin mit einem verschmitzten Lächeln ein.

Die Wildtierstation Sinntal in der Straße „Vor der Stephanskuppe 11“ in Sterbfritz ist eine vom Veterinäramt Gelnhausen und der Oberen Naturschutzbehörde Darmstadt genehmigte und registrierte Auffang-, Pflege- und Auswilderungsstation. Drei Außengehege für Marder, Eichhörnchen und Siebenschläfer, ein 250 Quadratmeter großes Laufgehege für Fuchswelpen oder Rehkitze, diverse Vogelkäfige und Kleintierkäfige und eine Quarantänebox für kranke Tiere hält Barbara Merx vor und für ihre Arbeit auch ein Lager mit Transportboxen, bissfesten Handschuhen, alten Handtüchern, Zellstoff, Einmalhandschuhen, Desinfektion, Wurmkuren, Infusion- und Spritzenmaterial, Verbundmaterial und Wundversorgung, aber auch Spielzeug, Futternäpfe und diverse Spezialmilchpulver.

Was für putzige Zeitgenossen.

Ein Jungfuchs.

Das Eichhörnchen lässt es sich schmecken.

Als Betätigungsfelder hat Barbara Merx die Aufnahme von Wildwaisen, die Pflege von verletzten Wildtieren, deren artgerechte und behutsame Auswilderung, die Vermittlung gefährdeter Arten an Spezialstationen, die Vermittlung an andere Auffangstellen und natürlich die Beratung zu Wildtierfunden und das richtige Verhalten. In 2018 betreute Barbara Merx drei Fuchswelpen, zwei verletzte Füchse, zwei Eichhörnchen. Sechs Siebenschläfer und vier Igel, zusätzlich noch mehrere Singvögel und eine junge Elster aus Handaufzucht. „Von März bis Oktober hatte ich 168 Anrufe von Leuten, die ein Tier gefunden hatten oder Fragen hatten, die ich wegen Junghasen, Waschbären, Mauerseglern oder Fledermäusen an andere Stellen weiterverwiesen habe“, bilanziert Merx. Zurzeit ist Ruhe in der Wildtierstation, nachdem sich der letzte Patient „Igel Hugo“ in den Winterschlaf verabschiedet hat.

Dass dieser Dienst am Leben sehr aufwendig sein kann, beschreibt Barbara Merx. Verletzte oder verwaiste Jungtiere, die oft noch nackt und mit geschlossenen Augen gefunden werden, müssen zunächst gewärmt und mit Flüssigkeit versorgt werden. Oft ist auch eine medizinische Erstversorgung vonnöten. Jungtiere brauchen je nach Tierart alle zwei bis drei Stunden die Flasche mit spezieller Aufzuchtmilch – natürlich rund um die Uhr und auch nachts. Zusätzlich muss das Bäuchlein massiert werden, damit das Wasserlassen und die Darmentleerung möglich sind.

Hallo...

Ein Steinkautz.

Dieser Jungfuchs lernt für das Leben.

„Später, wenn die Wildtierkinder festere Nahrung zu sich nehmen und aus der Schale trinken können, muss ich nachts nicht mehr alle drei Stunden aufstehen“, freut sich die Ersatzmutter. „Wenn sie sehen und laufen können, benötigen sie artgerechte Bewegungsmöglichkeiten und Platz zum Klettern, Balgen und Spielen, aber auch Rückzugsmöglichkeiten wie ein Kuschelnest oder eine Höhle. Und wie alle Kinder, brauchen auch sie in Ermangelung der Eltern Zuwendung und Krauleinheiten.“ Bei der „Erziehung“ in der Wildtierstation muss man sehr genau wissen, was die einzelnen Tierarten instinktiv selber können und was man ihnen als Elternersatz beibringen muss, wie das Knacken von Nüssen, Fallobst auszuprobieren oder Mäuse fangen. Auch Anschleichen will gelernt sein. Und dass Pusteblumen nicht beißen. Alles ist eine Vorbereitung auf das freie wilde Leben.

„Wildtiere sind keine Haustiere“, betont Barbara Merx „Sie werden wieder wild, so zahm sie auch klein sind.“ In der freien Wildbahn würden die meisten Jungtiere nicht mehr im elterlichen Revier geduldet und müssen sich deshalb ihre eigenen Streifgebiete weiter entfernt suchen. Dass sich durch die Wildtierstation massenweise Füchse oder Marder ansammeln, sei deshalb nicht zu befürchten, so Barbara Merx.

Fuchswelpen bekommen erst später ein rotes ...

Igel Hugo macht jetzt Winterschlaf.

Auch Fuchskinder spielen gerne.

Sachspenden (Katzen- und Hundefutter, Näpfe, Spielzeug, alte Handtücher) nimmt die Wildtierstation gerne entgegen. Auch über aktive Mithilfe und für Fahrdienste wäre Merx dankbar. Die Kontaktaufnahme kann unter den Rufnummern 06664/7419 und 0151/19310834 erfolgen. Gegebenenfalls wird schnellstmöglich zurückgerufen. Wenn es „brennt“, kann man sich auch an die Tierarztpraxis Dr. Bittner und Kollegen in Sterbfritz wenden oder an eine andere Aufnahmestation. (Walter Dörr) +++


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