Die Seltenheit des Muschelkalks im Vogelsberg war Grund genug, die Muschelkalkkante am Sonnberg bei Angersbach zum Naturdenkmal zu erklären. - Fotos: Susanne Jost

WARTENBERG Die Muschelkalkkante am Sonnberg

Naturdenkmal: Wo die Meeressaurier im Lauterbacher Graben schwammen

07.12.18 - Die Gemarkung Angersbach hat die abwechslungsreichsten Gesteinssedimente im Vogelsberg aufzuweisen, die vielfältigen geologischen Schichten sprechen für eine bewegte Erdgeschichte im Lauterbacher Graben. Hier treffen gleich drei Gesteinsarten aufeinander: Sandstein, ein Sedimentgestein, Basalt, ein vulkanisches Ergussgestein, und auch der Kalkstein, entstanden durch die Kalkablagerungen der abgestorbenen Meerestiere. Die Seltenheit des Muschelkalks im Vogelsberg war Grund dafür, die Muschelkalkkante unter fachkundiger Beratung des Geoparks Vulkanregion Vogelsberg zum Naturdenkmal zu erklären.

Auch versteinerte Pflanzen wie die Seelilie ...

Man macht es sich im Alltag kaum bewusst, auf welch unterschiedlichen Bodenschichten wir leben: Als hier noch ein subtropisches Binnenmeer war, vor 240 Millionen Jahren im Erdmittelalter, durchschwammen hier Meeressaurier wie die Pflasterzahnechse die Gewässer, außerdem lebten auch der große Bastardsaurier oder der bis zu sieben Meter lange Giraffenhalssaurier in dieser Gegend. Sie ernährten sich von Muscheln, Krebsen, Meeresschnecken und Kopffüßlern sowie von interessanten Pflanzen wie der Seelilie.

Am Sonnberg bei Angersbach ragt die aufgeschlossene Kalkschicht rund hundert Meter auf und zieht sich etwa 1.500 Meter den Hang entlang. Durch die Trockenheit bröckelt die Wand etwas ab, wodurch neue Einschlüsse zum Vorschein kommen und die helle Optik der Kante erhalten bleibt. Spezialisten können in den Muschelkalkschichten lesen wie in einem Buch. Dank der kleinen Kopffüßler, sogenannte Ammoniten, kann die Muschelkalkkante des Geotops am Sonnberg genau in die Zeit des Unteren Muschelkalks (Wellenkalk) datiert werden. Eine Schautafel informiert sehr gut über das Muschelkalkmeer.

Nach Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde stellte das Technische Hilfswerk Lauterbach im Oktober 2017 den Hang frei, und der Lebensraum wurde für Reptilien wieder aufgewertet. Übrigens erreicht man ein weiteres geschichtsträchtiges Gebiet, wenn man dem Wartenberger Panoramaweg die Stufen hinauf folgt: Oberhalb des Hangs lag einst die Burg Sonnberg, allerdings sind von ihr dort fast keine Spuren mehr zu finden. (pm) +++


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