Schon seit Juli 2018 steht der Angeklagte vor dem Fuldaer Landgericht - Foto: O|N

FULDA / ROTENBURG/F. 15 Jahre Haft oder Freispruch

Hat der 37-Jährige seine Frau erwürgt und ihre Wohnung angezündet?

06.02.19 - Was hat sich tatsächlich am Abend des 17. Oktober 2017 in einer Wohnung im Rotenburger Ortsteil Lispenhausen (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) abgespielt: Mit dieser Frage beschäftigt sich das Fuldaer Landgericht bereits seit Juli 2018. Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Nebenklagevertreter sowie dem Verteidiger des Angeklagten gehen von zwei vollkommen unterschiedlichen Tatabläufen aus, die sich nicht miteinander in Einklang bringen lassen. Angeklagt ist ein 37-Jähriger, dem der Staatsanwalt Totschlag und versuchte schwere Brandstiftung vorwirft. Er soll seine Ex-Frau in ihrer neuen Wohnung in Rotenburg-Lispenhausen aufgesucht haben, wo es aus ungeklärter Ursache zum Streit kam. Infolgedessen soll er seine Frau durch Erdrosseln oder Erwürgen getötet haben. Anschließend soll er eine Couch samt Decken und Kissen in Brand gesetzt haben, um die Spuren seiner Tat zu verwischen. Doch der Angeklagte bestreitet die Tat vehement.

Der 37-Jährige befindet sich seit Oktober ...

Der Fall wurde öffentlich, nachdem die 33-jährige Exfrau des Angeklagten nach einem Schwelbrand von der Feuerwehr tot geborgen worden war. Zunächst wurde vermutet, sie sei an einer Rauchgasvergiftung gestorben. Doch bei der Obduktion des Leichnams wurden massive Verletzungen an ihrem Halsbereich festgestellt. Sie war zum Zeitpunkt des Brandausbruchs zweifelsfrei bereits tot.

Ziemlich bald hatte sich der Tatverdacht gegen den seit kurzem getrennt lebenden 36-jährigen Ehemann gerichtet. Der hatte während der Vernehmung bei der Polizei versucht, durch einen Sprung aus dem Fenster des zweiten Stocks der Polizeidirektion in Bad Hersfeld zu fliehen.

Die Eltern und die Schwester des ...

Für den Staatsanwalt besteht wegen mehrerer Indizien "kein vernünftiger Zweifel" an der Täterschaft des Angeklagten. Der Ablauf des Nachmittags und Abend des Tattages sei minutiös durch die GPS-Daten seines Smartphones nachgewiesen. Der Mann hatte angegeben, er sei kurz zur Übergabe eines Rucksacks seiner Tochter bei seiner Exfrau an der Wohnungstür gewesen. Von ihrem Tod habe er erst durch zwei Polizisten erfahren, die ihn aus dem Schlaf geholt hätten. Unter zwei Fingernägeln der Frau hatten sich DNA-Spuren des Angeklagten befunden, die sich durch deren Gegenwehr bei der Strangulation erklären ließen. Das Motiv liege vermutlich in einem Sorgerechtsstreit begründet. Wegen Totschlag und versuchter Brandstiftung soll der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft zu einer Gesamtstrafe von 14 Jahren verurteilt werden. Die beiden Nebenklagevertreter von Eltern und Schwester des Opfers schlossen sich dieser Argumentation weitgehend an, forderten aber 15 Jahre.

Unbekannter Kapuzenmann am Tatort

Hier im Rotenburger Ortsteil Lispenhausen hatte ...

Verteidiger Harald Ermel versuchte in seinem Plädoyer alle angeführten Indizien zu entkräften. Sein Mandant sei unschuldig. Trotz zweier Sachverständiger, die die erhobenen GPS-Daten als exakt und genau eingestuft hätten, seien bei einem Versuch mit dem Smartphone des Angeklagten Zeitsprünge von vier bis 12 Minuten festgestellt worden. Als EDV-Administrator habe der Angeklagte genügend Kenntnisse, um die ihn belastenden Daten zu löschen, zu manipulieren oder sein Handy verschwinden zu lassen. Dass er das nicht getan habe, lasse nur den Schluss auf seine Unschuld zu. Die DNA-Spuren seien bei der Rucksackübergabe entstanden. Den in der U-Haft unternommenen Suizidversuch des Angeklagten, den die Nebenklage als Schuldeingeständnis gewertet hatte, erklärt Ermel mit der Verzweiflung eines unschuldig Inhaftierten, der keine Möglichkeit sehe, seine Unschuld zu beweisen. Besonderes Gewicht legte der Verteidiger auf die Aussage eines Zeugen, der den Brand zufällig entdeckt hatte. Dieser hatte direkt am Tatort einen Unbekannten mit hochgeklappter Kapuze weggehen sehen. Das sei ein für einen Passanten völlig untypisches Verhalten: Wenn es in unmittelbarer Umgebung brennt, starker Qualm zu sehen und zu riechen sei und bei Alarm der Rauchmelder zu hören sei, bleibe grundsätzlich jeder stehen.

Alles in allem reichten die Indizien nicht aus: "Sie können, Sie dürfen meinen Mandanten nicht verurteilen", appellierte Ermel an das Gericht und forderte Freispruch. Das letzte Wort hatte der Angeklagte selbst. Er beteuerte unter Tränen, er habe noch nie im Leben jemandem körperlich geschadet: "Ich habe meine Frau definitiv nicht getötet!"

Das Urteil soll am kommenden Montag, 11.2.2019 um 11 Uhr verkündet werden. (Carla Ihle-Becker)+++


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