Ob Telefonseelsorge, Zimmerbrand, Verkehrsunfall oder Brandmeldeanlage - im Notfall immer die 112 wählen - Fotomontage: O|N

FULDA "Einen gezielten Missbrauch gibt es nicht"

Im Notfall 112 wählen: Von Zimmerbrand bis zur ungewollten Telefonseelsorge

11.02.19 - "Hallo, hier brennt es. Wir brauchen dringend Hilfe. Kommen Sie schnell!" - in etwa so könnte ein eingehender Notruf in der Leitstelle Fulda klingen. Für den geschulten Leitstellenmitarbeiter heißt es jetzt Ruhe bewahren und die richtigen Fragen an die hilfsbedürftige Person stellen: "Wo sind Sie? Wie viele Personen sind verletzt? Was genau ist passiert?" Doch was geschieht, wenn es gar kein wirklicher Notfall ist? Die Leitstelle ist keine Taxizentrale. Und sie ersetzt auch nicht den Gang zum Hausarzt. Der Leiter der Leitstelle, Jürgen Bott, klärt im Interview mit OSTHESSEN|NEWS über das aktuelle Thema "Notrufmissbrauch" auf.

(v.l.) Leiter der Rettungsleitstelle Fulda, Jürgen ...Archivfotos: Hans-Hubertus Braune

"In 24 Stunden gehen bei uns rund 140 Anrufe ein - knapp 110 davon sind tatsächliche Notfälle." Kommt es jedoch zu einem größeren Schadensereignis, melden dies mehrere Personen. "Die Anzahl der Notrufe verändert sich dann natürlich dementsprechend", so Bott. Sprich, "einen gezielten Notrufmissbrauch gibt es bei uns zum Glück nur ganz selten". Man müsse sich auch immer die Frage stellen, wie ein Notruf definiert wird: "Die Menschen, die bei uns anrufen, empfinden ihre missliche Lage nämlich immer als einen dringenden Notfall." Der telefonisch unter 116 117 erreichbare ärztliche Bereitschaftsdienst ist noch immer vielen Menschen unbekannt. "Sofern die Lage nicht lebensbedrohlich ist, sollte man dort anrufen", bittet Bott.

"Ich zeige Sie an!"

Die Leitstelle in Fulda. Hier gehen ...

Eine gewisse Klientel, welche die 112 missbraucht, gibt es trotz alledem. "Bei diesen Personen ist uns die Nummer bereits bekannt. Das ist teilweise nicht einmal mehr böswillig. Diese Leute sind teilweise einsam und beratungsresistent und wir spielen in diesem Moment reine Telefonseelsorge", erklärt er. "Das ist definitiv nicht unsere Aufgabe." Solche Anrufe ärgern ihn natürlich, sind ihm aber lieber als die, die Beleidigungen und Bedrohungen beinhalten. "Es kommt schon vor, dass Anrufer nicht verstehen, weshalb wir ihnen nach der beschriebenen Sachlage keinen Notarzt schicken können." Diese würden dann ausfallend und beleidigend werden. Um in diesen Situationen ruhig und sachlich bleiben zu können, wurden die Einsatzbearbeiter gezielt ausgebildet.

Skurriler Notruf

Am 11. Februar ist Europäischer Tag ...

Bei manchen Anrufen staunen selbst die Profis. Hier ein Beispiel aus der Leitstelle Fulda: Eine Dame wählt die 112 und sagt: "Ich brauche dringend Hilfe für einen Mann. Er leidet unter akuter Atemnot. Bitte holen Sie ihn in anderthalb Stunden zuhause ab. Ich bin aktuell im Tegut einkaufen und kann nicht." Sofort wird ein Rettungswagen zu der angegebenen Adresse geschickt - natürlich direkt und nicht erst eine Stunde später. Am Einsatzort angekommen wurde die Tür nicht geöffnet. Auch über die angegebene Handynummer ist niemand erreichbar. Das Rettungsteam vor Ort befürchtet das Schlimmste. Also wurde die Feuerwehr Fulda nachalarmiert, um die Tür aufzumachen. Dann stellte sich heraus, dass sich keine Person in der Wohnung befand. "Auch über die Rufnummer haben wir danach nie wieder jemanden erreicht oder etwas erfahren", erzählt Bott.

Die Gefahr bei solch unnötigen Einsätzen sei, dass die sowieso schon eng bemessenen Rettungsmittel an diesen Einsatzort gebunden sind und für wirkliche Notlagen nicht zur Verfügung stehen. Jürgen Bott appelliert an die Menschen: "Im Notfall immer die 112 wählen! Doch überlegen Sie, wie dringlich Ihr Notfall ist." (Nina Bastian) +++


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