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Die Pfleger im Eichhof Krankenhaus bei ihrer täglichen Arbeit. - Foto: Eichhof Krankenhaus

LAUTERBACH Internationaler Tag der Pflege

Knochenjob Pfleger: "Die Dankbarkeit ist mehr wert, als alles Geld der Welt"

13.05.19 - Knochenjob, schlechte Arbeitsbedingungen und geringer Lohn - über kaum einen anderen Beruf wird wohl derzeit so hitzig diskutiert, wie über den Pflegeberuf. Doch steht es wirklich so schlecht um ihn - und wie sieht der Notstand im ländlichen Raum aus? Zum internationalen Tag der Pflege am heutigen 12. Mai haben wir uns im Eichhof Krankenhaus in Lauterbach einmal umgehört - dort kommen derzeit im Durchschnitt zwölf Patienten auf einen Pfleger.

Symbolbild: pixabay

Ein großes Thema im Pflegeberuf ist seit geraumr Zeit sicherlich der demografische Wandel. "Der Bedarf steigt, wir haben viel mehr Menschen zu pflegen, auf der anderen Seite ziehen junge Menschen weg", erzählt Pflegedirektorin Kathrin Kleine im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. "Es ist so wie in der Handwerksbranche, den Beruf will kaum noch jemand ausüben, es ist schwierig, Bewerber dafür zu finden." Und das, obwohl laut Dr. Christof Erdmann, Verwaltungsdirektor im Eichhof Krankenhaus, der Beruf doch krisensicher ist und viele Zukunftsperspektiven bietet. Doch die Zeiten haben sich geändert. "Vor 20 Jahren gab es für drei offene Stellen noch 300 Bewerber, heute schaffen wir es knapp, alle freien Stellen zu besetzen." Gründe gibt es laut Erdmann genügend: viele brechen schon nach kurzer Zeit den Beruf ab, andere Bewerber erfüllen einfach nicht die Anforderungen. Auch deshalb möchte das Eichhof Krankenhaus den Beruf durch passende Rahmenbedingungen attraktiver gestalten.

Vorteile im ländlichen Raum?

Doch so schlecht, wie der Pflegeberuf momentan dargestellt wird, sei er zumindest in Lauterbach nicht. "Wir haben eine Fluktuationsrate von unter fünf Prozent, unsere Pflegenden sind im Durchschnitt 47 Jahre alt - das spricht für uns und heißt, dass sie schon lange bei uns sind", ist sich Kleine sicher. In den letzten zehn Jahren investierte das Krankenhaus über 50 Millionen Euro - die Wege für die Arbeitskräfte sind kürzer geworden, neue Patientenzimmer sorgen für eine Wohlfühlatmosphäre. Dennoch bleiben einige Sorgen, angefangen beim geringen Einkommen. "Die Pflege ist schwer messbar. Der Finanzierungsgrad müsste sich verbessern, doch es ist schwierig nachzuweisen, wie lange man für die Pflege gebraucht hat." Und die Anforderungen steigen, "wir haben heutzutage mehr Patienten, die schwerer erkrankt sind."

Vorteile in der Pflege sieht das Eichhof Krankenhaus aber auch im ländlichen Raum: "Die Konkurrenzsituation ist in den Städten höher als auf dem Land." Auch die Pflegekräfte bleiben in den ländlichen Regionen wohnen, während Ärzte oft den Job in Universitätsstädten suchen. "Im Vogelsberg komme ich mit meinem Gehalt eben viel besser aus als in größeren Städten, wie beispielsweise Frankfurt." Erdmann spricht in diesem Zusammenhang vor allem von den geringen Mieten und der intakten Infrastruktur. "Uns geht es wahrscheinlich besser, als anderen Krankenhäusern in Großstädten." Doch auch in Lauterbach macht man sich ernste Gedanken um die Zukunft. Auch deshalb setzt das Eichhof Krankenhaus unter anderem auf Pflegende aus dem Ausland, "nur so bleiben wir wettbewerbsfähig". Doch auch diese Kräfte müssen einige bürokratische Hürden meistern - denn deren Abschluss wird meist in Deutschland nicht anerkannt, sodass Pflegende aus Polen, der Ukraine oder Russland noch einige Zeit investieren müssen, um einen anerkannten Abschluss in Deutschland zu erwerben. "Natürlich ist zusätzlich der Spracherwerb und die kulturelle Integration eine Herausforderung."

Klare Botschaft an Gesundheitsminister Spahn

Erdmann und Kleine haben eine klare Ansage an Gesundheitsminister Jens Spahn: "Man müsste viel mehr Berufstätige in Entscheidungen mit einbeziehen. Doch diese liegen derzeit vornehmlich Gesetzgeber und der Krankenkasse. Dort fehlt aber beispielsweise eine Krankenschwester. So kommt die Lobbyarbeit nicht an", sind sich die beiden sicher. Positiv sehen sie aber, dass sich Spahn den Gesetzesentwürfen annimmt, "er ist einer, der anfasst, Veränderungen auch der starren Systemen angeht. Das ist zwar nicht immer positiv, aber es bewegt sich etwas. Jetzt müsste nur die Pflege noch besser mit einbezogen werden."

Doch trotz aller Widrigkeiten - die Pfleger im Eichhof Krankenhaus üben mit Leib und Seele ihren Beruf aus. "Die Menschlichkeit ist das, was alles andere wieder wett macht. Die Dankbarkeit der Patienten ist mehr wert, als alles Geld der Welt." (Luisa Diegel) +++


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