Bischof Dr. Gerber mit Generalvikar Dr. Stanke, der den Priestertag moderierte - Foto: Ohnesorge / Bistum Fulda

FULDA Erster Priestertag von Bischof Gerber

Neuer Oberhirte sprach über Herausforderungen ans Priestersein

06.06.19 - „Wir müssen uns daran gewöhnen, dass der Umbruch ein Dauerzustand ist,“ unterstrich der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber am Mittwoch vor rund 190 Priestern und Diakonen. Wenn man nur von einer „Phase“ spreche, unterstelle dies, es gehe nach einer bestimmten Zeit wieder normal weiter. „Es wird nicht mehr ruhiger auf der Erde werden in unserer Lebenszeit“, gab der Bischof bei seinem ersten Priestertag als Oberhirte seiner Diözese im Hotel Maritim zu bedenken. Eine wesentliche Grundfrage sei daher für die Kirche, wie sie eine konstruktive Haltung dazu finden könne. „Wir müssen selbst in einen Prozess eintreten, in dem wir schöpferisch im Umbruch nach vorne gehen.“

Hier befinde sich die katholische Kirche heute in bester Gesellschaft mit den ersten Christen, wie dies die Apostelgeschichte überliefere, betonte Gerber in seinem Festvortrag zum Thema „Österliche Existenz – Priestersein angesichts der aktuellen Herausforderungen“. Der Bischof gab seiner Freude über die Begegnung mit den Priestern und Diakonen Ausdruck und dankte ihnen für ihre Verbundenheit im Gebet und für ihren Dienst.

Sehnsucht nach geistlicher Fruchtbarkeit

Katholische Priester sähen sich in der heutigen Gesellschaft vor große Herausforderungen gestellt. Dies machten verschiedene Anfragen an sie deutlich: der Missbrauch von Minderjährigen, der zum Generalverdacht geführt habe, das Verlassen des Priesteramts durch Mitbrüder, physische und psychische Grenzen des Priesterseins, die Erfahrung von Vergeblichkeit. „Wo sind die Kinder, die zur Erstkommunion gingen, und ihre Familie jetzt, an den Sonntagen danach?“ An diesem Beispiel werde die Sehnsucht gerade zölibatär lebender Menschen nach geistlicher Fruchtbarkeit deutlich. „Vieles, was man bewirkt, bekommt man gar nicht mit.“ So wie ein junges Ehepaar, das sein erstes Kind bekomme, von da an um des neuen Lebens willen auf vieles verzichte, sei es auch für Zölibatäre wichtig zu sehen, wo ihr Wirken nachhaltig Frucht bringe.

Glaubwürdigkeit und moderne Lebenswelten

Als zentrale Herausforderung bezeichnete der Fuldaer Bischof die Glaubwürdigkeit kirchlichen Handelns. Daher stehe jetzt die Überarbeitung der Missbrauchsrichtlinien durch die Deutsche Bischofskonferenz an. „Die Kirche soll Menschen eine Transzendenzerfahrung ermöglichen.“ Der Missbrauch durch Geistliche habe gerade das Gegenteil bewirkt, denn er verursache eine dauerhafte Beeinträchtigung. „Hier wurde der Sendungsauftrag der Kirche pervertiert.“ Gerber zeigte sich auch überzeugt, dass die heutige Kultur sich gänzlich anders entwickle als noch vor einer Generation. Dass junge Menschen ständig mit dem Smartphone online seien und im Gefühl mehrerer Erlebniswelten gleichzeitig lebten, verändere sie ganz entscheidend. „Was heißt das für die Fähigkeit der Menschen, bei einer einmal getroffenen Entscheidung zu bleiben?“ Die multioptionale plurale Gesellschaft unserer Zeit sei somit eine grundlegende Herausforderung für die Kirche.

Ehrliche Trauerarbeit über Verlust

Wie die ersten Christen müsse auch die heutige Kirche „nüchtern hinschauen“, welche Maßnahmen in einer Umbruchszeit geboten seien. Auf die Analyse folgten konkrete Maßnahmen, nach deren „Halbwertszeit“ es aber immer zu fragen gelte. Die Urgemeinde habe nach der Steinigung des hl. Stephanus Verfolgung und Zerstreuung erlebt. „Was bedeutet uns noch die Verheißung Jesu Christi angesichts von Zusammenbruch und Rückgang?“, fragte der Bischof. Von der Urgemeinde könne man lernen, dass es nötig sei, ehrliche Trauerarbeit über das, was verlorengehe, zu leisten. „Man muss dem Verlust auch Raum geben und ihn nicht einfach schönreden“, sagte Gerber unter Verweis auf Beispiele der Aufgabe kirchlicher Institutionen. Die Apostel hätten trotz der Verfolgung „überall das Evangelium verkündet“. Auch wir heute müssten uns die österliche Erfahrung, dass es anders weitergehe, in der Seele vergegenwärtigen.

Klärung der eigenen Berufung

Als eine wesentliche österliche Erfahrung bezeichnete es der Bischof, dass man seine Erfahrungen und das, woraus man selbst leben, mit anderen teile. „Nachfolge Jesu geschieht in Gemeinschaft“, rief Gerber in Erinnerung. Was die jeweilige Berufung vor Ort sei, müssten die Priester gemeinsam mit ihren Gemeinden klären. „So ist es auch in unserem Bistum. Wir werden vieles aufgeben müssen in den kommenden Jahren.“ Dabei gelte es, nüchtern nach der jeweiligen Berufung zu fragen. „Wie ergänzen wir uns? Was heißt es, dass die künftigen Pfarreien Netzwerke pastoraler Orte sein sollen?“ Für die Seelsorge der Zukunft werde es wichtig sein, bei Menschen in Schlüsselsituationen ihres Lebens präsent zu sein, damit Glaube nicht als abwesend erlebt werde. Hierher gehöre letztendlich auch die Frage, wie Leitung in einer neuen Form von Kirche aussehe.

 Zum Auftakt des Priestertages hatte Bischof Dr. Gerber im Hohen Dom zu Fulda mit den Geistlichen die Heilige Messe gefeiert und dabei besonders die Jubilare des Jahres 2019 begrüßt, darunter Bischof em. Heinz Josef Algermissen, dessen Rücktritt Papst Franziskus auf den Tag genau ein Jahr zuvor angenommen hatte und der am 19. Juli sein Goldenes Priesterjubiläum begeht. In seiner Predigt hatte Gerber die Impulse des heiligen Bonifatius für den priesterlichen Dienst thematisiert. Noch im hohen Alter habe sich der Heilige auf etwas Neues eingelassen und war noch einmal nach Friesland gezogen, obwohl er die dortigen Menschen schon kannte und hätte sagen können, dass es von ihnen nichts Neues zu erwarten gebe.

„Menschen kennenzulernen ist wichtig – dazu kann uns Bonifatius einen Impuls geben. Ein Impuls ist auch, dass Gott mich einem bestimmten Menschen begegnen lässt.“ Es sei eine lebenslange Aufgabe, sich formen zu lassen, wie es Papst Johannes Paul II. ausgedrückt habe. „Bonifatius war einer, der seinen Weg gegangen ist; er war vernetzt mit anderen Menschen, die ihre Berufung gelebt haben.“ Priester würden heute sehr stark in ihrer ehelosen Lebensform angefragt, so der Bischof. Man dürfe Ehelosigkeit nicht mit Eremitentum verwechseln. Der Ruf Jesu zur Nachfolge ergehe an den Einzelnen, aber in Gemeinschaft. Es gelte daher, miteinander stärker vernetzt zu sein und sich bei aller Verschiedenheit auszutauschen.

Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke hatte im Anschluss an den Gottesdienst im Maritim die Geistlichen, insbesondere die Jubilare, den neugeweihten Diakon und die Ruheständler begrüßt und der im vergangenen Jahr Verstorbenen gedacht. Wie im vergangenen Jahr, als der päpstliche Nuntius auf dem Priestertag die Annahme des Rücktritts von Bischof Algermissen verkündet hatte, habe auch der diesjährige Priestertag einen besonderen Akzent: „Wir dürfen unseren neuen Bischof Michael in unserer Mitte begrüßen“. Der Generalvikar dankte allen Mitbrüdern im pastoralen und diakonischen Dienst für ihren Einsatz in der Seelsorge, gerade in einer Zeit, da immer neu die Bereitschaft gefordert sei, sich auf Neues einzustellen. (pm) +++


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