Synagoge - Symbolbild

REGION Gegen Judenhass einsetzen!

Antisemitismus, eine Herausforderung auch für die christlichen Kirchen

08.06.19 - Der Frage, ob der wiedererstarkte Antisemitismus auch eine Frage der Kirchen sei, stellten sich in der Hochschulbibliothek auf dem Campus Prof. Dr. Cornelius Roth von der Theologischen Fakultät Fulda und Pfarrer Marvin Lange von der Bonhoeffer-Gemeinde in Ziehers-Nord. Moderator Dr. Michael Imhof als Kurator der Ausstellung „Judentum in der Region Fulda“ und Hochschulratsvorsitzender stellte an den Anfang die Aufforderungen des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung Felix Klein, dass sich die Kirchen mehr gegen Judenhass einsetzen sollten. Diese Forderung griffen die beiden Theologen auf.

Prof. Dr. Cornelius Roth Fotos: Zukunft Bildung Region Fulda e.V.

Pfarrer Marvin Lange

Die christlichen Religionen und das Judentum seien auf dem Weg des gegenseitigen Verständnisses, so Prof. Roth in seinen einführenden Thesen. Begonnen habe die Dialoginitiative zur Betonung der theologischen Gemeinsamkeit mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Dort wurde 1965 in der Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nicht-christlichen Religionen „Nostra aetate“ (lat. für „In unserer Zeit“) die Anerkennung des Bundes Gottes mit Israel und eine entschiedene Absage an jede Form des Antisemitismus formuliert. Nach 2000 Jahren Ablehnung und Diffamierung des Judentums sei aus dem Substitutionsparadigma, welches das Judentum als durch das Christentum abgelöste Religion abwertet, ein Brüderparadigma geworden. Dieses ist das von der Wertschätzung des Glaubensweges des anderen gekennzeichnet. Die Versöhnung haben die Päpste Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus vertieft, symbolisch auch durch ihren Besuch der Synagoge in Rom.

In der Liturgie zeige sich dieser Respekt u.a. in der Umformulierung der Karfreitagsfürbitte und in der Tatsache, dass in der katholischen Leseordnung jeden Sonntag die erste Lesung aus dem Alten Testament, der jüdischen Bibel, genommen werde. Die Anerkennung des Staates Israel durch den Vatikan im Jahre 1993 dokumentiert diese Entwicklung auch auf der diplomatischen Ebene.

Hinsichtlich der gemeinsamen Hoffnung auf das Kommen des Messias am Ende der Zeiten, zitierte Roth am Ende augenzwinkernd Pinchas Lapide: „Wenn der Messias kommt und sich dann als Jesus von Nazareth entpuppen sollte, dann würde ich sagen, dass ich keinen Juden auf der Welt kenne, der etwas dagegen hätte.“

Pfarrer Lange nahm den Ball für die protestantische Sicht auf und war rasch „mittendrin im heutigen Antisemitismus“, immer wieder vor dem Hintergrund der theologische Ebene. Nach dem Bogen antisemitischer Haltungen, die sich schon im ägyptischen Pharaonenreich zeigten und schließlich zum Exodus der Israeliten durch das Rote Meer führten, über Luthers Ausfälle gegenüber den Juden, dem millionenfachen Morden an den Juden durch die Nationalsozialisten zum wiedererstarkten Antisemitismus heute, der bedrohlich wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei.

Zur Frage, woran erkenne ich den als Israelkritik getarnten Antisemitismus, empfahl Lange den sogenannten Drei-D-Test. Erstens: Dämonisierung, wenn Israel mit Nazi-Deutschland verglichen oder Gaza als Ghetto bezeichnet wird, wie dies in manchen Medienberichten oder den kürzlichen antiisraelischen Al Kuds-Demonstrationen geschehe. Zweitens: Doppelte Standards, die ausschließlich Israel in die Kritik nehmen, autoritäre Staaten des Nahen Ostens oder in Afrika, Asien oder Russland aber ausspart, in denen die Menschenrechte, das Recht auf freie Meinungsäußerung oder Pressefreiheit und die Rechte von Andersgläubigen mit Füßen getreten werden. Drittens: Delegitimierung, wenn Israel jegliches Existenzrecht abgesprochen wird oder die Politik Israels gegenüber den Palästinensern zur Rechtfertigung antijüdischer Vorbehalte dient.

Nicht Fassungslosigkeit und Resignation könnten die Konsequenz sein, sondern eine offensive Auseinandersetzung mit allen Formen und Vorurteilen des Antisemitismus, auch den versteckten und heute vermeintlich wieder salonfähig gewordenen, war der Grundtenor des Abends. Dies sei dringend nötig, da laut Repräsentativumfragen über 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland dem Verschwörungsmythos Antisemitismus zuneigten. Eine lebhafte Diskusssion mit und unter den Teilnehmern der gut besuchten Veranstaltung im Bibliotheks-Foyer schloss sich an. (pm)+++


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