Particia Euler beim NARD in Frankfurt. - Foto: NARD Frankfurt

FULDA Tierrechtsaktivistin Patricia Euler:

"Essen ist keine private Angelegenheit mehr. Ein Umdenken muss stattfinden!"

06.07.19 - Kükenschreddern, betäubungslose Kastrationen, Transporte um die halbe Welt - die Missstände in der Massentierhaltung sind hinlänglich bekannt, doch es ändert sich wenig. Die Fuldaer Studentin Patricia Euler möchte dagegen jetzt vorgehen und leitet bald ihre eigene Ortsgruppe der australischen Tierrechtsorganisation "Anonymous for the Voiceless". Die Gruppe, deren Markenzeichen maskierte Aktivisten im sogenannten "Cube of Truth" sind, setzen sich für ein Ende jeglicher Tiernutzung ein. Im Interview mit OSTHESSEN|NEWS erzählt die Aktivistin warum ein Umdenken im Hinblick auf Ernährung stattfinden muss.

O|N: Liebe Patricia Euler, wie sind Sie dazu gekommen sich für Tierrechte einzusetzen?

"Ich habe wie die meisten Leute früher alles gegessen und habe mein Essverhalten als normal betrachtet, weil es eben alle in meinem Umfeld so getan haben. Plötzlich wurde mir aber bewusst: das sind Tiere, die ich da esse, die sich im Prinzip nicht von Haustieren unterscheiden. Da habe ich mich gefragt, wie es sein kann, dass ich die einen liebe und die anderen esse. Als ich mich näher damit beschäftigt und Dokumentationen wie "Earthlings" gesehen habe, stand für mich fest: ab sofort esse ich keine Tierprodukte mehr. Doch das war für mich nicht genug, ich wollte mehr Leute darüber informieren und bin bald darauf auf die Organisation "Anonymous for the Voiceless" gestoßen. Seit einem Jahr bin ich jetzt dabei."

Markenzeichen von "Anonymous for the Voiceless": ...Fotos: Anonymous for the Voiceless Frankfurt

Ein "Cube of Truth" ist bald ...

Passanten betrachten die Videos.

Warum sind die Aktivisten, die die Videos zeigen, maskiert?

"Wir wollen die Aufmerksamkeit nicht auf die Aktivisten lenken, sondern auf die Videos die wir zeigen. Außerdem nimmt es so die Hemmschwelle für neue Aktivisten das erste Mal mitzumachen."

Ein wichtiger Teil des Aktivismus ist es, Gespräche mit den Passanten zu führen. Welche Besonderheiten erleben Sie in den Gesprächen?

"Fast jeder Passant erzählt mir, dass er oder sie nur ganz wenig Fleisch isst und wenn, dann nur vom Metzger des Vertrauens. Dabei zeigen die Zahlen etwas anderes: weit über 90 Prozent der Tiere in Deutschland leben in Massentierhaltung. Auch der Trugschluss, dass die Tiere in kleinen Betrieben ein besseres Leben haben, lässt sich so nicht bestätigen. Undercover-Recherchen zeigen immer wieder, dass gerade in kleinen Schlachtbetrieben die Zustände besonders gravierend sind. Den Menschen fällt es trotzdem schwer ihre Essgewohnheiten zu ändern, obwohl sich viele als tierlieb bezeichnen. Dann wird es häufig auch emotional."

Warum denken Sie, fällt es den Leuten schwer ihr Essverhalten zu ändern?

"Es wird als normal betrachtet, weil es jeder im sozialen Umfeld so tut und deshalb auch nicht hinterfragt. Dabei ist jeder Einkauf eine bewusste Entscheidung. Das Essverhalten ist aber keine private Angelegenheit mehr. Die Zukunft der Menschheit hängt auch davon ab."

Mit Fernsehern zeigen die Aktivisten Videos ...

"Cube of Truth" auf der Zeil ...

Inwiefern ist denn die Zukunft der Menschheit mit meinem Essverhalten verknüpft?

"Der Klimawandel ist wohl das größte Problem unserer heutigen Zeit, wofür sich ja unter anderem auch "Fridays for Future" einsetzen. Was vielen Menschen allerdings nicht bewusst ist: die industrielle Tierhaltung ist für bis zu 51 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Erst vor kurzem wurde wieder eine Studie dazu veröffentlicht, dass die größten Fleisch- und Milchhersteller der Welt für mehr Treibhausgase verantwortlich sind, als Ölriesen wie Shell oder Exxon."

Was wird sich Ihrer Meinung, auch im Hinblick auf ihren Aktivismus, in den nächsten Jahren verändern? Sind Sie optimistisch gestimmt?

"Ich bin sehr optimistisch. Immer mehr Menschen ernähren sich rein pflanzlich, beziehungsweise vegan. Ich war bisher in Frankfurt aktiv und da hat sich allein im letzten Jahr so viel verändert. Es gibt dort immer mehr Restaurants, die eine rein pflanzliche Küche anbieten. Die Produkte, die den tierischen Produkten in Geschmack und Konsistenz gleichen, werden immer besser und leichter zugänglich. Es war noch nie so einfach wie heute, sich rein pflanzlich zu ernähren. Nun möchte ich, dass sich dies auch in Fulda ändert. In wenigen Wochen findet deshalb der erste "Cube of Truth" unter meiner und der Leitung einer anderen Aktivistin in der Fuldaer Innenstadt statt." (Lukas Reus)+++


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