Fuldas OB Dr. Heiko Wingenfeld, Prof. Franz Erhard Walther und Dr. Carlo Burschel bei der Buchpräsentation. - Fotos: Stadt Fulda

FULDA OB lobt Buchveröffentlichung

„Nicht nur ein Ausstellungsband, sondern ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte“

10.07.19 - „Dieses Buch ist nicht bloß ein Begleitband zur Schau oder ein Ausstellungskatalog, nein, es handelt sich um eine viel weitergehende und tiefergreifende Publikation, ja ich möchte sagen, es geht um einen wichtigen Teil Fuldaer Stadtgeschichte, die wir hier in den Händen halten.“ Mit diesen Worten stellte Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld in der vergangenen Woche den Band „Junger Kunstkreis Fulda – Aufbruch in die Nachkriegsmoderne. Die Druckgraphik“ vor, der anlässlich der gleichnamigen Sonderausstellung im Fuldaer Vonderau-Museum erschienen ist.

Mehr als 3.000 Besucherinnen und Besucher sahen die mehrfach verlängerte Ausstellung, die anlässlich des 60. Jahrestags der Gründung des Jungen Kunstkreises (JuKu) initiiert wurde und von November 2018 bis Mai 2019 im Von-derau-Museum gezeigt wurde. Der künstlerisch aufwendig gestaltete Begleitband zur Ausstellung wurde maßgeblich von dem Fuldaer Biennale-Preisträger Prof. Franz Erhard Walther konzipiert. Auch andere ehemalige Mitglieder des JuKu (Pedro Herzig, Dieter Ebert, Helmut Kopetzky, Gisbert Seng, Ernst Neid-hardt, Heide Berg-Raab, Rudi Benz etc.) haben für das Buch Materialien zur Verfügung gestellt. Das ist Buch ist auf Deutsch und Englisch im international tätigen Kunstbuchverlag „Arnoldsche art publishers“ (Stuttgart) erschienen.

OB Wingenfeld lobte insbesondere das Engagement des in Fulda aufgewachsenen Autors Dr. Carlo Burschel, der sowohl die Ausstellung als auch das Buchprojekt initiiert und organisiert hatte. Sein Ziel ist es, eine Wiederentdeckung des druckgraphischen Werks des JuKu zu forcieren und auf die Bedeutung des Jungen Kunstkreises im Zusammenhang mit der deutschen Nachkriegsmoderne hinzuweisen. Auch das innovative Vermarktungs- beziehungsweise Verbreitungskonzept über den sogenannten Graphik-Ring wird untersucht. Wingenfeld betonte: „Wir sind als Stadt aufgefordert, diese Episode der zeitgenössischen Kunst in besonderer Weise zu würdigen.“ Entsprechend gebe es auch schon konkrete Planungen, den JuKu und sein Wirken in der Neukonzeption der künftigen Dauerausstellung des Vonderau-Museums zu berücksichtigen.

Prof. Walther, der neben dem Buch auch das Ausstellungsplakat gestaltet hat, ging in seiner kurzen Ansprache ebenfalls auf diesen Punkt ein, nämlich die Stellung des JuKu innerhalb der deutschen Nachkriegskunst, und gab viele in-teressante Einblicke in die frühen Jahre des JuKu sowie in seinen eigenen Werdegang. So beleuchtete er etwa seine Hinwendung zur künstlerischen Avant-garde in den 1960er Jahren – als bewusste Abgrenzung zur Modernen, die Walther als „überholt und Verbraucht“ empfand.

Kulturamtsleiter Dr. Thomas Heiler griff noch einmal einen Randaspekt der Buchveröffentlichung auf, den man als Teil der „Geschichte der kommunalen Kulturförderung“ verstehen könne. Schließlich habe sich der damalige Oberbürgermeister Dr. Alfred Dregger weitsichtig und mutig zu einer finanziellen Unterstützung des Jungen Kunstkreises entschlossen - zu einer Zeit, als die Ausdrucksformen dieser Künstlergeneration in weiten Teilen der Bevölkerung auf massive Vorbehalte oder gar offene Ablehnung stießen. OB Wingenfeld ergänzte: „Trotz widriger Bedingungen in der damals wirklich abgelegenen Provinz haben Künstlerpersönlichkeiten im Fuldaer JuKu eine kreative Kraft entwickelt, die in großen Metropolen zu dieser Zeit nicht zustande kam.“ (pm) +++


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