Feuerwehren im Wandel: Die Hauptamtlichen der Feuerwehr in Fulda - Archivfoto: Henrik Schmitt

FULDA Helmer: "Bundesweites Problem"

Brennt es bei der Fuldaer Feuerwehr? - Sechs Hauptamtliche sind schon weg

12.09.19 - Die Feuerwehren in Deutschland stehen vor einer ungewissen Zukunft. Der Fachkräftemangel macht zu schaffen. Der Konkurrenzkampf zwischen den Feuerwehren wächst. Auch die Fuldaer Stadtverordnetenversammlung hat sich jüngst damit beschäftigt. O|N hat das Thema am Beispiel der Feuerwehr Fulda nun aufgegriffen und mit betroffenen Kameraden sowie der Amtsleitung gesprochen.

Die Feuerwehr Fulda ist eines der Aushängeschilder in der Domstadt. Sie sorgt mit ihren haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften für die Sicherheit der Bürger. Doch die Feuerwache in Neuenberg gleicht aktuell einer Großbaustelle - damit ist nicht nur der Bau der neuen Leitstelle gemeint. OSTHESSEN|NEWS erfuhr von einem Ex-Kameraden: „Ich komme von hier, bin aber zurück zur Berufsfeuerwehr nach Frankfurt. Fünf meiner Fulda-Kollegen ebenfalls.“ Innerhalb der letzten zwei Jahre haben sechs hauptamtliche Einsatzkräfte das Brandschutzamt verlassen, bestätigte der Magistrat auf Anfrage.

Archivfotos: O|N

Feuerwehrchef Thomas Helmer (48)

Wieso kehren die Feuerwehr-Kameraden Fulda den Rücken?

Es sind nicht nur jüngere Kollegen, die die Flucht zu einer anderen Dienststelle anstreben: „Viele sind über 40“, sagt der ehemalige Fuldaer Hauptbrandmeister. Ein Weiterer erzählt: „Ich bin bei der Feuerwehr Fulda groß geworden und hätte niemals damit gerechnet, dass ich meinen Dienst an einer anderen Dienststelle beenden werde.“ Was ist auf der Feuerwache Mitte passiert? Was hat sich verändert, dass die Arbeit bei der Feuerwehr Fulda nicht mehr attraktiv genug ist?

Laut Feuerwehrchef und Amtsleiter Thomas Helmer sei ein häufiger Wechsel innerhalb der Feuerwehren ein bundesweites Problem: „Durch die Einführung des 24 Stunden Dienstes haben sich die Rahmenbedingungen mehrerer Feuerwehren im Rhein-Main-Gebiet, insbesondere der Berufsfeuerwehr Frankfurt am Main, völlig verändert und stellen jetzt bei nur zwei Arbeitstagen pro Woche eine echte Konkurrenz zur Feuerwehr Fulda dar", sagt der Brandrat.

„Wir schätzen alle“

Freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften - das heißt: 72 Hauptamtliche unterstützen 450 Ehrenamtliche bei der Brandbekämpfung. Es ist ein zweigleisiges System und daraus entstehen offensichtlich Spannungen: „Die Ehrenamtlichen werden viel mehr wertgeschätzt, wie wir“, so ein Feuerwehrmann, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Die Aussage von Thomas Helmer ‚Ihr seid nur hauptamtliche Gerätewarte‘ hat das Fass zum Überlaufen gebracht.“ 

O|N konfrontierte Helmer mit diesem Zitat. Er betont: „Das habe ich so nicht gesagt. Ich habe lediglich erklärt, dass die Arbeit zu 50 Prozent aus dem Innendienst besteht. Dazu gehört nun mal die Wartung aller Feuerwehrgeräte. Außerdem sind wir auf das Ehrenamt angewiesen und sehr zufrieden.“ Probleme mit Ehrenamtlichen im Einsatz? Fehlanzeige. „Alle sind gut ausgebildet und wir schätzen alle“, so der Feuerwehrchef.

Attraktivität steigern

Laut den Betroffenen seien Ausbildungs- und Sportzeiten zu kurz gekommen, das Klima zur Amtsführung miserabel. Immer wieder versuchten sich die Kollegen einzubringen und übten konstruktive Kritik: „Wenn man nie angehört wird, gibt man irgendwann auf.“ Sechs Kameraden haben die Reißleinen gezogen und sind nun in Frankfurt im Dienst. „Wir bereuen nichts“, erklären sie.

Die Amtsleitung kann das nicht nachvollziehen: „Wir haben mit allen Männern gesprochen und die Probleme aufgearbeitet. Mehrfach. Jedoch kann ich mich als Vorgesetzter nicht erpressbar machen.“ Entgegenkommen ja - aber nur bis zu einer natürlichen Grenze. „Als Feuerwehr haben wir immerhin einen Sicherstellungsauftrag.“ Helmer kann die Entscheidung der meisten Kameraden, die nach Frankfurt gegangen sind, nicht nachvollziehen, akzeptiert sie aber. „Wir haben top Leute verloren, das ist sehr schade. Unser Ziel ist es, die Attraktivität der hauptamtlichen Einsatzabteilung im vernünftigen Rahmen steigern.“ Man wolle der Abwanderung entgegenwirken.

Maßnahmen

Stellen sollen besser bezahlt, neue sollen geschaffen werden. „Zwei Zivilstellen sollen die innerdienstliche Arbeit abfangen.“ Auch Themen wie der 24 Stunden Dienst, Schichten im Notarzteinsatzfahrzeug und in der Leitstelle stehen nun auf der Agenda. Zudem mehr Zeit für Ausbildung und Sport.

Ein bundesweites Problem betrifft also auch die Feuerwehr Fulda. Die Verantwortlichen geloben Besserung. Doch hinter den Garagentoren scheint ein Feuer zu lodern. "Es brennt und niemand kommt" - unvorstellbar! (Nina Bastian) +++


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