Christian Ulmen und Johannes Boss bei der Ausstellungseroeffnung 'Bilder der Freundschaft' der Fotografin Gabo in der Galerie an der 'Herrlichkeit'. Hamburg - Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress

LAUTERBACH Über Preisverleihungen und das Schreiben

Drehbuchautor Johannes Boss im O|N-Interview (Teil 2)

03.10.19 - Nachdem am 31. Januar der Deutsche Fernsehpreis in Düsseldorf verliehen wurde, darf sich auch ein gebürtiger Vogelsberger zu den Gewinnern zählen: Johannes Boss, im Stadtteil Lauterbach-Maar geboren, hat die ProSieben/maxdome-Serie „jerks.“ mit seinem Drehbuch zum Preis geführt. Bereits Stuckrad Late Night, Filme wie „Jonas“ oder „Er ist wieder da“ sowie die Telekom-Kampagne „Familie Heins“ stammen aus seiner Feder. Warum er nicht zu Preisverleihungen geht, welche Projekte er verwirklichen möchte und welche Aspekte des Dorflebens ihm in der Hauptstadt Berlin fehlen, verrät er im zweiten Teil des Interviews mit OSTHESSEN|NEWS.

Im Februar wurde „jerks.“, basierend auf ihren Drehbüchern, mit dem Deutschen Filmpreis in der Kategorie „Beste Comedyserie“ ausgezeichnet. Warum waren Sie selbst nicht auf der Preisverleihung?
Johannes Boss: „Das ist eine tolle Anerkennung, aber ich besuche sehr selten Preisverleihungen. 98 % der Programmpunkte sind langweilige, heruntergeleierte Dankesbotschaften, das halte ich leider nicht durch. Höchstens mit einer Flasche Schlitzer Korn.“

Stehen schon neue Projekte in den Startlöchern?
Johannes Boss: „Neben „Jerks“ habe ich zuletzt mehrere serielle Stoffe erarbeitet, ich weiß aber noch nicht, welcher als erstes verfilmt wird. Aber sobald es feststeht, bekommt es Osthessen|News natürlich exklusiv.“

Viele Konzepte bedürfen auch jeder Menge Ideen. Woher nehmen Sie die ganze Inspiration?
Johannes Boss: „Das ist so eine Sache. Manchmal glaubt man auch, inspiriert zu sein, und dann sitzt man mit Redakteuren und Produzenten am Tisch, und sie schauen einen aus leeren Augen an. Das Gefühl: „Jetzt hab ich ne Inspiration“ bringt noch nichts, solange man es exklusiv hat. Als Drehbuchautor muss man eine Portion Masochismus mitbringen, Entwürfe auch wegschmeißen und Ideen beerdigen können. Doris Dörrie hat mal gesagt: „Schreiben bedeutet, Sitzen zu bleiben“. Das ausblenden, was drumherum ist. Daran versuche ich mich zu halten. Die größten Feinde des Schreibens sind für mich Facebook und kicker.de, und wenn es draußen Frühling wird, und man sich gerne mit kalkweißem Autorengesicht auch mal nach draußen begeben würde.“

Was soll beruflich noch kommen? Was würden Sie gerne noch verwirklichen?
Johannes Boss: „Natürlich einen Kinofilm, der zu mindestens 80 % im Vogelsberg spielt. Vielleicht ja die längst überfällige Verfilmung der „Geschichten von der Maarer Frau“, der fantastischen Anekdotensammlung des Lauterbacher Autoren und Zeichners Heinrich Euler, der leider 2018 verstorben ist. Das wäre eine Humorfarbe, von der das deutsche Fernsehen wirklich profitieren könnte.“

Wie schaltet man bei der ganzen Arbeit noch ab?
Johannes Boss: „Ich bin der letzte Mensch, der Tageszeitung liest, liebe lange Bundestagsdebatten, Touren durch die hässlichsten Gegenden Brandenburgs und sehe natürlich jede Eintracht-Minute live.“

Kann man dich oft in deiner Heimat antreffen?
Johannes Boss: „Ich war zuletzt vor zwei Jahren in Maar, im Sommer. Leider ist meine Großmutter vor einigen Jahren nach Wiesbaden gezogen. Die habe ich dort mindestens einmal im Monat besucht. Dort gingen Freunde und Verwandte ein und aus, es gab immer etwas zu besprechen, meist hatte jemand Geburtstag, goldene Hochzeit, oder man fand sonst irgendeinen Anlass, um sehr guten Kartoffelsalat zu machen und meistens gute Witze zu erzählen. Natürlich immer dieselben. Mit immer denselben Gästen. Aber gelacht wurde trotzdem.“
Das vermisse ich hier an einem Ort, an dem man fünfzig Kinos zur Auswahl hat, aber null Mirabellenbäume. Dass man über denselben Witz ein drittes Mal lacht, und sich über den Gartenzaun die täglichen News zuwirft. Außerdem das Apfelkeltern im Sommer. Sowas fehlt mir hier. Ein bisschen Maar würde Berlin ganz guttun. (Franziska Schaub) +++


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