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Petra Hartung und Horst Michel sind die ehrenamtlichen Geschäftsführer des Bürgerladens in Rommerz. - Fotos: Madlin Steinbrecher

NEUHOF Situation des Ehrenamts, Teil 3

25 Jahre Bürgerladen "Gutkauf": "Tut uns einen Gefallen, haltet den Laden"

01.10.19 - Wie steht es um die Zukunft des Ehrenamts in unserer Region? OSTHESSEN|NEWS hat sich einige Initiativen herausgesucht und dort die jeweilige Situation erfragt. Teil 3 der O|N-Serie führt uns in einen „Supermarkt in klein“, wie er von seinen Kunden betitelt wird. Engagement und guter Zusammenhalt stehen hier an erster Stelle.

Die Rede ist vom 70 Quadratmeter kleinen Bürgerladen im Neuhofer Ortsteil Rommerz. Es ist ein Herzensprojekt der Einwohner, das verdeutlicht: Aufgeben ist keine Option. Viel Arbeit und Zeit sind investiert worden.

Der Bürgerladen besteht seit 25 Jahren ...

Neben den großen Supermarktketten, hat sich „Gutkauf“ seit nun 25 Jahren beweisen können. Erst kürzlich wurde das große Jubiläum gefeiert. Ehrenamtliche Geschäftsführer sind Petra Hartung, stellvertretende Schulleiterin an der Kinzig-Schule in Schlüchtern und Horst Michel, pensionierter Förderschullehrer. „Es ist erstaunlich, dass sich der Laden im Kreis Fulda gehalten hat“, sagt Hartung. Das ist keineswegs selbstverständlich, wie Michel ergänzt: „Vor 25 Jahren haben nacheinander fünf Läden im Dorf geschlossen. Die Aufregung war groß. Zum damaligen Zeitpunkt war ich Ortsvorsteher. Innerhalb von drei Wochen haben wir im Ort gemeinsam nach einer Lösung gesucht und etwas zustande gebracht. Die Gemeinde hat uns unterstützt und half uns mit einem günstigen Kredit.“ Da es für Hartung nebenberuflich zu viel gewesen sei, sich komplett dem Laden zu widmen, übernahm Michel Schritt für Schritt wichtige Aufgaben.

Das Geschäft für der Nahversorgung hat sowohl schöne, als auch kritische Momente durchlebt. Im Jahr 2014 sind beispielsweise die Kühlgeräte wegen Hitze ausgefallen. Es entstand ein Schaden und es gab keine finanziellen Rücklagen. Der Bürgerladen stand vor dem Aus. „Es hieß von allen Seiten, dass es wirtschaftlich nicht mehr tragbar ist. Das konnte ich nicht akzeptieren“, sagt Petra Hartung. Gemeinsam sind alle Hebel in Bewegung gesetzt worden, unter anderem haben ein zinsloser Kredit und geliehene Geräte das Lädchen gerettet.

Ohne ein Netzwerk aus hilfsbereiten Menschen wäre das Fortbestehen des Geschäftes aber nicht möglich gewesen. Zahlreiche Ehrenamtliche aus verschiedenen Bereichen leisten ihren Beitrag, wie Michel erzählt: „Einer hilft uns ehrenamtlich mit den Steuern. Andere holen für uns externe Lieferungen in den Laden.“ Auch die drei Verkäuferinnen, die auf 450-Euro-Basis arbeiten, haben den Laden bestens in Griff.

„Das Warensortiment bietet alles an, was man für den täglichen Gebrauch benötigt. Von Lebensmitteln, über Strümpfe, Batterien bis zu Schreibwaren ist der grundlegende Bedarf abgedeckt“, erzählt Hartung. Um mehr Kundenzulauf zu erhalten, wird das Angebot noch ausgeweitet. Neben einem Paket-Service werden Aufträge für eine Reinigungsfirma entgegengenommen. Es besteht zudem eine Kooperation mit der örtlichen Jagdgenossenschaft, so dass Kunden im Laden Wildfleisch bestellen können. Geschenksuchende werden hier ebenfalls fündig. Speziell angefertigte Jubiläumskörbe werden zusammengestellt. „Aber auch Gutscheine werden rege in Anspruch genommen. Dadurch werden hoffentlich noch mehr Menschen auf unseren Laden aufmerksam“, so der 72-jährige Ladenchef.

In der Woche kaufen um die 250 bis 300 Kunden hier ein. Die Kundschaft besteht eher aus älteren Leuten, jedoch sind jüngere Käufer in dem Laden keine Seltenheit. Viele kämen aus Solidarität. „Ohne diese Mischung könnte der Laden nicht bestehen“, sagt Michel. „Wenn das Geschäft schließen würde, hätten die Älteren ein Problem. Einige sind nicht mehr mobil.“ Die Bewohner des Ortes unterstützen den Laden wohlwollend, aber auch aus dem Vogelsbergkreis schauen Kunden vorbei. „Manche schreiben sich eine extra Einkaufsliste und fahren bewusst diese Strecke, um einige Lebensmittel hier einzukaufen.“ Persönliche Erfahrungen führen auch in das Geschäft. „Ein junger Mann aus Hauswurz kommt öfter zu uns. Seine Mutter hat nämlich in so einem kleinen Laden gearbeitet“, sagt Hartung. Selbst der Kindergarten übt sich hier im Einkaufen und schreibt süße Dankesbriefe.

Kindergartengruppen schauen in dem Laden auch ...

Der Laden hat sich zu einem Ort der Kommunikation entwickelt. Neuigkeiten werden hier gerne ausgetauscht. Man kennt und hilft sich untereinander: „In Ausnahmefällen, wenn die ältere Kundschaft krank ist, wird bei uns angerufen und unsere Verkäuferinnen bringen die Ware zu ihnen nach Hause. Das geht natürlich nicht immer“, erzählt die 64-Jährige.

Auf einen bestimmten Tag im Jahr freuen sie sich jetzt schon: Den Rosenmontag. Dann herrscht volles Haus in dem Bürgerladen. Alle helfen bei den Vorbereitungen, bringen Speisen und Getränke mit und feiern gemeinsam. Der Laden ist rappelvoll, die aufgestellten Festgarnituren dicht besetzt. Michel ist froh, dass die Menschen das Konzept so schätzen und ist positiv überrascht. Er wertet es als Ansporn und Bestätigung für das gemeinsame Tun. Für die Zukunft wünscht sich das eingespielte Team Ideen, Zeit und Geld. Nächstes Jahr geht es für Petra Hartung in den Ruhestand - dann kann sie mehr Zeit in den Bürgerladen investieren. (Maria Franco) +++


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