Christina Lander ist Autorin bei OSTHESSEN|NEWS für die Serie NACHGEDACHT - Foto: Hendrik Urbin

FULDA Von Christina Lander

Nachgedacht im Oktober: Das Gute zu bewahren

06.10.19 - Heute wird in den Regionen und im ganzen Land Erntedank gefeiert. Überall finden wir reich geschmückte Altäre mit den guten Gaben der Ernte, über die wir uns freuen. Es ist ein schönes Fest, das auch vielen Kindern besonders gern zugänglich gemacht wird, indem sie beim Schmücken des Altares helfen dürfen und in den Gottesdienst eingebunden werden.

Ich verbinde mit dem Fest die tatsächliche Ernte aus Kinder- und Jugendtagen. Denn meine Familie väterlicherseits kam im Herbst immer zusammen, um Kartoffeln „auszumachen“. Bereits als kleines Kind war ich mit meiner Schwester, meinen Eltern sowie Tanten, Onkels, meinem Cousin und meinen Cousinen auf dem Feld. Als Kinder wirkte der Tag wie ein kleines Abenteuer, wir machten uns einen Spaß daraus, Kartoffelkäfer zu fangen, banden die fertigen Säcke zusammen zu, entdeckten das umliegende Land.

Mit zunehmendem Alter und Kraft packten wir immer mehr mit an, sammelten die Kartoffeln mit auf, die mein Großvater zuvor mit dem Traktor aus der Erde gepflügt hatte, luden sie in die immer schwerer werdenden Säcke. Ich weiß noch, dass ich jeden Morgen in jedem Jahr, bei dem wir auf dem Feld ankamen, denselben Gedanken hatte: was eine mühselige Arbeit!

Doch wenn wir dann alle Säcke zugebunden hatten, alle Kartoffeln gut verpackt auf dem Anhänger des Traktors lagen, dann kam der Teil, den ich niemals mehr vergessen werde: Wir setzten uns gemeinsam an einen Tisch und aßen zusammen. Wir feierten quasi als Gemeinschaft ein kleines Erntedankfest unter freiem Himmel auf dem Feld. Meine Oma schenkte uns Kindern Kakao in die Becher, wir klopften die Schale von Eiern ab, bissen glücklich in Butterbrote und freuten uns über den gemeinschaftlichen Erfolg.

Dieses Gefühl vollkommener Glückseligkeit nach anstrengender Arbeit tat gut. Und viel wichtiger: Ich schätzte diese Kartoffeln, diese Arbeit und weiß bis heute, dass Ernte etwas. Das ist das Gute, das wir bewahren sollten und Kindern immer wieder zugänglich machen müssen: Ernte ist Arbeit und Geschenk. 

Unsere Nahrung ist unser Leben und die Natur schenkt uns diese reiche Ernte, wenn wir sie schätzen und zu bewahren wissen. Das können wir Menschen aber nur, wenn wir eine gute Beziehung zu unserem Essen und zur Natur aufbauen. Wenn wir dies noch mehr fördern, könnten die Kinder von heute als Erwachsene von morgen womöglich Fehler wieder gutmachen, die in den vergangenen Jahrzehnten schief gegangen sind.

Aber auch wir Erwachsene sollten uns immer wieder vor Augen führen, dass wir - so einfach gesagt - entscheiden können, ob wir schätzen möchten, was die Natur uns schenkt, und dieser Einstellung bei der Auswahl gesunder und nachhaltiger Nahrung Rechnung tragen. (Christina Lander) +++


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