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Seit dem Jahr 2012 hat Heike Sippel in dem Schuppen hinter ihrem Haus schon etwa 250 Igel über den Winter gebracht - Fotos: Suria Reiche

NÜSTTAL Umweltverschmutzung ist das Problem

Heike Sippel hat schon 250 zu dünne Igel über den Winter gebracht

Heike Sippel freut sich immer über Futterspenden in Form von Katzenfutter. Und wer einen Igel findet, der den Anschein macht, zu dünn zu sein, kann die Haselsteinerin unter Telefon (06652) 992121 erreichen

28.10.19 - Eigentlich ist die 54-jährige Heike Sippel aus Haselstein gelernte Arzthelferin. Inzwischen geht sie aber ihrer wahren Leidenschaft nach: Seit dem Jahr 2012 hat sie in dem Schuppen hinter ihrem Haus schon etwa 250 Igel über den Winter gebracht. Aktuell schlafen dort „nur“ 17 stachelige Tiere, die einfach nicht genug Speck haben, um in der freien Natur durch die kalte Jahreszeit zu kommen.

Verantwortlich für ihr geringes Gewicht sind verschiedene Faktoren. Die meisten davon sind vom Menschen verursacht: Die Verschmutzung der Umwelt steht wohl an erster Stelle. Einmal hat Sippel einen Igel gebracht bekommen, der sich mit seinen Stacheln in einem sorglos weggeworfenen Nutella-Glas verfangen hatte. Aber auch das Gegenteil von Verschmutzung ist ursächlich für die viel zu dünnen Tiere: Wenn die Gärten beispielsweise zu sauber sind, also Laubreste sofort zusammengerecht und entsorgt werden, dann finden die Igel keinen Unterschlupf und auch zu wenig Nahrung. Igel ernähren sich hauptsächlich von Insekten – wenn es welche gibt. Doch auch dank Pestiziden und Co. bleiben diese in den vergangenen Jahren aus.

„Ich möchte aber, dass meine Enkel Igel auch mal in der freien Natur sehen können“, sagt Sippel. Damit das mal der Fall ist, hat sie den kleinen Tieren nicht nur in ihrem Schuppen einen Unterschlupf gewährt. Sie fährt auch an Schulen und versucht dort, die Kinder für die Achtung vor der Natur und allen Lebewesen zu sensibilisieren. „Die Igelfrau kommt“, heißt es dort dann oft. Und die Kleinen sind ganz verzückt, wenn Sippel einen der Igel auf die Hand nimmt und ihnen den Schulkindern zeigt.

Der Jüngste davon, den Sippel gerade im Schuppen hat, ist gerade einmal acht Wochen alt. „Viele Jungtiere gibt es in diesem Jahr aber nicht“, sagt sie, als sie die Tür zu dem Schuppen öffnet und einen liebevollen Blick auf die großen Kästen wirft, in denen die Tiere tagsüber schlafen. „Das Frühjahr war zu trocken“, erklärt sie dann. Die Igel hätten deswegen erst sehr spät Junge bekommen. Eigentlich fräßen sie sich nach ihrem Winterschlaf nämlich erst wieder Speck an und würden sich dann paaren. Aufgrund der Trockenheit sei das aber eben erst später der Fall gewesen.

Die Igel, die im Schuppen gerade noch schlummern und erst nachts aufwachen, haben derzeit noch zu wenig Gewicht, um den langen Winterschlaf zu überstehen. Die meisten bringen vier- bis fünfhundert Gramm auf die Waage. Schlafen geht es aber erst mit etwa sechshundert. Deswegen werden sie von Sippel jeden Abend mit gespendetem Katzenfutter oder Mehlwürmern gefüttert. Auch der klitzekleine Igel, der gerade noch in Sippels Haus lebt. „Nur 184 Gramm“, sagt sie, als sie ihn auf eine Küchenwaage setzt. Zu wenig also, um zu den anderen in den Schuppen zu dürfen. Aber nicht ganz so wenig wie der Igel, an den sich Sippel wohl immer erinnern wird.

Als er zu ihr gebracht wurde, war er gerade erst einen Tag alt und so groß wie ein Löffel. „Den habe ich dann alle zwei Stunden füttern müssen. Auch nachts.“ Aber er hat es geschafft. Und das ist eigentlich schon genug Anerkennung für Sippel. Dass er einige Zeit später wieder vor ihr stand, war dann aber die Krönung der hingebungsvollen Arbeit. „Ich habe ihn an seiner Kralle erkannt, auch wenn er inzwischen schon ganz schön groß war“, sagt Sippel und lacht. Dann wird sie aber nachdenklich: „Ohne mich wäre er vermutlich nicht mehr am Leben.“

Ihren Weg zu Sippel finden die stacheligen Gesellen über aufmerksame Menschen, die Igel finden und dann bei ihr anrufen. „Ich frag‘ dann immer erstmal, wie groß das Tier ist.“ Gesunde Tiere aus der Natur reißen, will Sippel nämlich auf keinen Fall. Und wenn sie sie über den Winter gebracht hat, dann lässt sie sie auch wieder hinaus in die Natur. „Im Frühjahr habe ich verschiedene Stellen, an denen ich sie wieder auswildere.“ Nicht selten aber trotzdem noch mit einer Futterstelle. Immerhin waren die Tiere ja viele Monate in menschlicher Obhut und müssen erst wieder lernen, sich „draußen“ zurechtzufinden.

Und draußen, da erfüllen sie tatsächlich viele Zwecke: „Zum Beispiel fressen sie Ungeziefer und Aas“, erklärt Sippel. Sie sind also quasi so etwas wie die Umweltpolizei, die für Ordnung sorgt. Einige Menschen würden sie daher im Frühjahr auch anrufen und darum bitten, dass Sippel einen Igel in ihrem Garten aussetzt.

Wer die Igel schützen möchte, der sollte laut Sippel seinen Garten nicht von jeglichem Laub befreien und vor allem kein giftiges Schneckenkorn verteilen. Eine Futterstelle und ein Blumentopf-Untersetzer mit Wasser darin, seien dann noch perfekt. (Suria Reiche) +++


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