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Schildbürgerstreich im Bad Hersfelder Stadtteil Asbach: Das Backhaus in der Ringstraße wurde teuer saniert - jedoch ohne Ofen. - Fotos: Stefanie Harth

BAD HERSFELD Schwarzbuch veröffentlicht

Bund der Steuerzahler prangert Verschwendung an - Teures Backhaus in Asbach

30.10.19 - Der Bund der Steuerzahler (BdSt) hat am Dienstag sein diesjähriges Schwarzbuch „Die öffentliche Verschwendung 2019/20“ veröffentlicht. Aus diesem Anlass stellte der hessische Steuerzahlerbund elf Fälle aus Hessen vor. Darunter fallen nicht nur Negativbeispiele, bei denen nach Ansicht des BdSt zu sorglos mit öffentlichen Geldern umgegangen wurde, sondern auch Erfolge, bei denen Verschwendung verhindert oder zumindest begrenzt werden konnte. „Das Schwarzbuch zeigt anhand konkreter Beispiele auf, welche Fehler zu Verschwendung führen. Damit wollen wir dazu beitragen, ähnliche Fälle in Zukunft zu vermeiden", erklärt Joachim Papendick, Vorsitzender des BdSt Hessen bei der Präsentation des aktuellen Schwarzbuchs im hessischen Landtag.

Ein sowohl skurriler als auch ärgerlicher Fall aus dem O|N-Verbreitungsgebiet ist das historische Backhaus im Bad Hersfelder Stadtteil Asbach, das für 78.000 Euro saniert wurde. Es wird mangels Ofen nun aber nicht als Backhaus, sondern lediglich als Abstellkammer genutzt. Die Stadt realisierte das Projekt wohl auch, weil Fördergelder winkten. Während der Sanierung stellte sich heraus, dass die Bausubstanz viel mehr Mängel aufwies als gedacht, sodass sich die Kosten verdoppelten. Das Backhaus ohne Ofen steht stellvertretend für zahlreiche Fälle, in denen nicht sorgfältig geplant, die Baumaßnahmen nicht aufmerksam genug begleitet und die Bürger nicht ausreichend miteinbezogen werden.

Was war passiert?

Rund 80.000 Euro in den Sand gesetzt: Das schmucke Häuschen entpuppt sich als teuerster Geräteschuppen Hessens. ...

Gebacken wird hier nicht.

Da im Stadtteil Asbach ein historisches Backhaus aus Kostengründen abgerissen wurde, legte die Stadt aus denkmalpflegerischen und stadtplanerischen Gründen sehr viel Wert auf den Erhalt eines weiteren sanierungsbedürftigen Backhauses. Obwohl dort zuvor nur gelegentlich alle zwei bis vier Jahre gebacken wurde und die Stadtteilbürger eine Alternative bevorzugten, wurde das historische Backhaus in der Ringstraße für 78.000 Euro aufwendig saniert. Das Land bezuschusste das Projekt mit 32.000 Euro, der Rest kam von der Stadt Bad Hersfeld.

Als Asbach 2011 seine Dorfentwicklung im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms des Landes Hessen startete, erwartete man, mit dem Backhaus ein verhältnismäßig bescheidenes Projekt rasch realisieren zu können. Allerdings stellte sich heraus, dass die Bausubstanz viel mehr Mängel aufwies als gedacht. Die Kosten explodierten: von zunächst 40.000 Euro auf am Ende fast das Doppelte. Zwischenzeitlich standen für die Gesamtkosten sogar Schätzungen von 96.000 Euro im Raum, doch diese Summe wurde schließlich noch reduziert.

Nach Angaben der Stadt hätte der Planer dies alles genauer untersuchen sollen. Die Hiobsbotschaften kamen jedoch nur sukzessive ans Licht, die Förderanträge waren bereits eingereicht. Die Denkmalbehörde drang darauf, zumindest die Hülle des Backhauses zu erhalten, doch beim Komplettabbau musste man erkennen, dass nur noch wenig Altmaterial für die Wiedererrichtung verwendet werden konnte. Das Haus erweckt also nur den Anschein eines Originals, tatsächlich ist es aber neuartig.

Auf den Einbau eines für ein Backhaus essenziellen Ofens verzichtete man. Die Stadt Bad Hersfeld macht dafür die Asbacher Bürger verantwortlich, die sich nicht wie gewünscht am betroffenen Backhaus engagieren wollten. Darum entbrannte ein erbitterter Streit, der sogar medial ausgetragen wurde. So ist der Ofen sprichwörtlich aus und die leere, fensterlose Fachwerkhülle wird seit der Fertigstellung lediglich von Vereinen und Ortsbeirat als Lagerschuppen genutzt.

Wer wie viel Schuld hat, ist umstritten: Laut örtlicher Presse könne man darüber diskutieren, ob der Arbeitskreis Dorfentwicklung und der Ortsbeirat angesichts wachsender Probleme zu unentschlossen gewesen seien, ob der Planer bei den (Vor-)Untersuchungen nicht genau genug hingeschaut habe oder ob der städtische Denkmalpfleger zu sehr auf dem Erhalt des Gebäudes beharrt habe.

Das Schwarzbuch

Der Bund der Steuerzahler listet in Deutschland der in seinem jährlich herausgegebenen Schwarzbuch die seiner Ansicht nach gravierendsten ihm bekannten Beispiele für die Verschwendung öffentlicher Gelder auf.

Der BdSt wurde 1949 von einem Finanzwissenschaftler, einem Steuerberater und einem Wirtschaftsjournalisten gegründet. Der eingetragene Verein ist laut seiner Satzung überparteilich, unabhängig und gemeinnützig. Der Verein hatte nach eigenen Angaben 2018 etwa 230.000 Mitglieder. Er finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Der BdSt gilt als die größte Steuerzahlerorganisation der Welt. (pm) +++


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