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Das behandelnde Team des Klinikums in Fulda und Patientin Margarita Sherlock in der Mitte. - Fotos: Henrik Schmitt

FULDA Tumor komplett entfernt

Erfolgreiche Gehirn-OP bei vollem Bewusstsein: Eine Teamplayer-Aufgabe

01.11.19 - Der Gedanke an eine Tumorentfernung am Gehirn weckt in vielen Menschen ein Horrorszenario. Margarita Sherlock aus Züntersbach hat sich vor fünf Wochen genau dieser Operation unterzogen und das zwischenzeitlich bei vollem Bewusstsein. Ihre Erfahrungen teilte sie zusammen mit einem Expertenteam der Neurochirurgie in einem Pressegespräch am Donnerstagnachmittag im Klinikum Fulda mit. Das Ergebnis der OP: Der Tumor der 59-Jährigen konnte erfolgreich entfernt werden, ohne das sprachliche Zentrum zu beschädigen.

Andreas Warkentin aus der Neurochirurgie ...

Prof. Dr. Robert Behr (Mitte)

Millimeter genaue Arbeit ist bei einer Operation im Sprach- und Bewegungszentrum am Gehirn gefordert. Jeder kleinste Fehler könnte zu bleibenden Schäden führen. Die Methode der sogenannten "Wach-OP" bietet eine geeignete Alternative, um Veränderungen des Patienten sofort festzustellen und zu beheben. Während des Eingriffs wird aktiv mit dem Patienten gesprochen. Solche "Wach-OPs" werden, wie in dem vorgestellten Fall, im Klinikum für Neurochirugie unter der Leitung von Prof. Dr. Robert Behr durchgeführt, zusammen mit einem ausgewählten Team, bestehend aus Anästhesisten, OP-Pflegekräften und Logopäden. "Früher war die Gesamtsituation für die Patienten in solch einer OP deutlich schwieriger. Durch die fortschreitende Technik, dem kompletten Equipment, der Nachsorge (Tumorsprechstunde), werden heute neue Möglichkeiten geboten. Das Ganze drum herum muss stimmen", so Behr.

"Wir bieten ein breites Spektrum an Operationen in der Neurochirugie an. Nerven gibt es überall. Dabei muss in bestimmten Regionen im Gehirn besonders aufgepasst werden", führt er weiter aus. Das sogenannte Neuromonitoring wird zentral am Gehirn durchgeführt und kann Impulse vom Kopf in den Arm messen. Ein großes Problem stelle die Sprache dar. Diese kann nicht mit elektrischen Signalen sichtbar gemacht werden. Deshalb müsse der Patient wach gehalten werden, nur so sei das Monitoring möglich. "Es war eine große Herausforderung, aber wir haben das sehr gut gemeistert."

Dr. Ali Reza Hedjrat (links)

Margarita Sherlock

Links: Oberärztin Dr. K. Kleschin

Der Oberarzt der Klinik für Neurochirugie, Dr. Ali Reza Hedjrat, führte die Operation durch. Mit dem Verfahren hatte er sich im Vorfeld intensiv auseinandergesetzt und ist mehr als stolz über die erfolgreich verlaufende OP. Mapping und Monitoring sind bei dem Ganzen wesentliche Aspekte. Durch das Mapping können neurologische Funktionen dem Gehirn zugeordnet werden. Der Unterschied zu einer kompletten Narkose-OP läge darin, dass den Ärzten mehr Zeit geboten werde. Bei diesem Wach-Verfahren müsse dementsprechend alles ohne Probleme laufen. "Die Patientin wurde am Anfang in eine Kurzschlafphase versetzt, dann aufgeweckt und gegen Ende wieder in die Schlafphase gebracht." In diesem Zusammenhang spielt Dr. K. Kleschin eine entscheidene Rolle, die für die Narkose zuständig gewesen ist: "Die Medikamente der Anästhesiologie haben sich im Laufe der Zeit gut entwickelt, sodass wir einen kurzen Moment der Narkose punktgenau hervorrufen können."

Die Logopädinnen Heike Eickeler und Carolin Auth testeten die verschiedenen Zentren der Sprache während des Eingriffs anhand von Sprechübungen, Handbewegungen und Bildaufgaben am Monitor. Einige Tage im voraus wurden die ganzen Abläufe verinnerlicht. Besonders hervorzuheben sei der Verdienst der Patientin, ohne ihr Engagment und ihrer Willenskraft sei das alles nicht möglich gewesen. Alle Beteiligten betonen den Aufbau des Vertrauens: Es Bedarf an enormer Kooperativität, da dem Patienten so einiges abverlangt werde, wie der unbequemen Fixierung des Kopfes. "Für uns steht der Patient im Vordergrund. Darin haben wir auch viel personellen Aufwand investiert- und das mit Erfolg", sagt Andreas Warkentin.

Logopädin Heike Eickeler

Logopädin Carolin Auth

Insgesamt stellt der Eingriff eine Teamplayer-OP dar. Kommunikation stand an erster Stelle, um im Notfall Schlimmeres zu verhindern. Die Patientin Sherlock konnte nach der OP nur minimale Beschwerden vermerken. "Die Zeit in der OP ging für mich sehr schnell rum, eine Woche später habe ich schon gar nicht mehr daran gedacht." Heute geht es ihr gut, die Chemotherapie dauere noch bis November an: "Ich bin froh, dass ich reden kann - das war wirklich das Wichtigste für mich." (Maria Franco) +++


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