Stress im Klassenzimmer: Immer Schüler leiden an psychischen Erkrankungen - Foto: Symbolbild

REGION Hausaufgaben adé?

Hessens Schüler leiden unter Stress und Leistungsdruck

05.11.19 - Schule ohne Hausaufgaben? Für die meisten Schüler eine Wunschvorstellung, die bislang unerreichbar schien. Die Hausaufgaben gehören zur Schule, wie das Amen zur Kirche. Doch damit soll möglichst bald Schluss sein, fordert jetzt zumindest die Landesschülervertretung.

Der Grund für diesen Vorschlag ist nicht etwa Faulheit oder der Wunsch nach mehr Freizeit. Stattdessen soll dadurch der Leistungsdruck auf die Schüler gesenkt werden. Sehr viele Schüler leiden unter psychischen Problemen. Das macht eine Umfrage im Auftrag der Landesschülervertretung deutlich, an der mehr als 50.000 Schüler teilgenommen haben. Mehr als 50 Prozent der befragten Schüler der Mittelstufe gaben an, dass sie unter anderem durch Hausaufgaben unter enormem Stress stehen. In der Oberstufe sind es sogar 60 Prozent. Die Probleme reichen dabei von Schlafstörungen bis hin zu Burnouts.

Dem Eindruck, dass immer mehr Schüler unter psychischen Problemen zu leiden haben, widerspricht jedoch Dr. Janet Grätz-Tümmers, Schulpsychologin beim staatlichen Schulamt im Landkreis Fulda. gegenüber OSTHESSEN|NEWS: "Aus der Forschung wissen wir, dass die Zahlen von Schülerinnen und Schülern mit psychischen Auffälligkeiten nicht steigen." Die Gründe dafür, dass es gefühlt eine Zunahme psychischer Schwierigkeiten bei Schülern gibt, sieht sie eher der Tatsache geschuldet, dass die Gesellschaft das Thema enttabuisiere und sich dadurch immer mehr Schüler an externe Beratungsinstitutionen wendeten. Von einer Abschaffung der Hausaufgaben hält Dr. Grätz-Tümmers jedoch nichts. "Solange es keine Ganztagsschulen gibt, sind Hausaufgaben sinnvoll. Sie sollten jedoch so konzipiert sein, dass die Schüler sie ohne Hilfe der Eltern lösen können und sich an den empfohlenen Hausaufgabenzeiten orientieren, damit genug Zeit für einen aktiven Ausgleich bleibt", sagt sie.

Die Landesschülervertretung kritisierte auch die mangelnde Unterstützung des Kultusministeriums bei psychischen Problemen. Der Vorwurf: Die Schulpsychologie werde zu langsam ausgebaut. Wie das hessische Kultusministerium mitteilte, gäbe es derzeit 114 Stellen für schulpsychologische Fachkräfte an den Schulämtern. Das Ministerium sieht sich damit gut aufgestellt. Viel zu wenig, meint dagegen die Landesschülervertretung. Derzeit sei ein Psychologe für mehr als 6.000 Schüler zuständig. Vergleicht man diese Zahl mit der Zahl aus dem Jahr 2016 wird jedoch deutlich, dass sich in dieser Hinsicht bereits einiges getan hat. Damals war ein Psychologe noch für 17.000 Schüler zuständig.

Die Forderungen nach Abschaffung der Hausaufgaben und einer besseren Schulpsychologie sind nur zwei in einem langen Katalog. So solle psychische Gesundheit auf den Lehrplan. Vor allem müssten aber auch die Lehrer durch Fortbildungen besser mit dem Thema vertraut gemacht werden. Dem stimmt auch die hessische Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu. „Lehrer können psychische Probleme an den Schulen leider gar nicht adäquat erkennen und deshalb auch nicht adäquat reagieren“, sagte Birgit Koch gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. Das Schulamt Fulda konzipiert deswegen momentan eine Fortbildungsreihe, in der jeweils an einem Nachmittag auf ein Störungsbild vertiefend eingegangen wird, beispielsweise Depressionen, Ängste oder Essstörungen.

Für Lou-Marleen Appuhn, die hessische Landesschulsprecherin, steht fest, dass sich dringend etwas ändern muss. „Wenn es einen Ort gibt, an dem eine Gesellschaftliche Sensibilisierung, aber auch Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen erfolgen kann und müsste, so ist das die Schule. Leider müssen wir feststellen, dass unser leistungsorientiertes Schulsystem in diesem Punkt vollständig versagt“, lautet ihr Fazit. +++ (fh)


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