Die Informationsveranstaltung des Schafhalterveriens im Herbsteiner Hotel wurde gut angenommen. - Foto: Dieter Graulich

HERBSTEIN Nicht jeder Schäfer gewillt

Nachfrage nach Herdenschutzhunden steigt

13.11.19 - Seit der Wolf in Deutschland zurück ist, steigt die Nachfrage nach Herdenschutzhunden (HSH). Dies war in der vergangenen Woche bei einer Info-Veranstaltung des Schafhaltervereins Vogelsberg im Herbsteiner Hotel zu hören. Nach der Informationsveranstaltung zum Thema „Wolf im Vogelsberg - Schutzmaßnahmen und Vorgehensweise beim Wolfsriss“ im Juli in der Aula der Sparkasse Vogelsberg ging es jetzt um den Einsatz von Herdenschutzhunden. Referentin war Ortrun Humpert, Vorsitzende des Schafzuchtverbandes in NRW die sich auch in der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde engagiert. Sie züchtet weiße gehörnte und hornlose-Heidschnucken sowie Skudden und hat mehrere HSH im Einsatz.

Wolfgang Pschierer (Vorsitzender Schafhalterverein Vogelsberg), Eduard ...

Eduard Scherer

Erfahrene Tiere kosten rund 3.500 Euro, Welpen etwa 1000 Euro. Nicht jeder Schäfer sei deshalb gewillt mit Herdenschutzhunden zu arbeiten. Deshalb sei die Anschaffung kein Patentrezept, da es auch eine finanzielle Belastung sei. Die Hunde arbeiteten in der Regel im Team zu zweit, je nach Gelände und Herdengröße seien mehrere Tiere erforderlich. Damit werde für manchen Schäfer die Weidehaltung unrentabel, obwohl sie für Naturschutz und Landschaftspflege von großer Bedeutung sei. Ortrun Humpert forderte deshalb: „Wenn die Gesellschaft den Wolf will, muss sie auch diese Kosten tragen“ fordert Humpert deshalb.

Herdenschutzhunde wurden in den vergangenen Jahrhunderten in unterschiedlichen Regionen Europas gezüchtet, um Nutztiere und Anwesen vor tierischen und auch menschlichen Angreifern zu schützen. Die bekanntesten Rassen seien neben dem französischen Pyrenäenberghund der ungarische Kuvasz, der kaukasische Owtscharka, der türkische Kangal, der italienische Maremmano-Abruzzese oder mazedonische Herdenschutzhund jetzt Sarplaniac. Ihnen allen gemein sei das imposante Äußere, die hohe Wachsamkeit und selbstständige Souveränität. Sie könnten stundenlang dösend auf ihrem Beobachtungsposten liegen, um dann bei Gefahr blitzschnell zu reagieren.

Ortrun Humpert

Ortrun Humpert und ihr Mann Andreas halten seit 2011 Pyrenäenberghunde, weil damals ein Luchs ihre Herden dezimierte. „Wir haben uns für diese Rasse entschieden, weil sie nicht so aggressiv ist. In unserer Kulturlandschaft muss ein Schutzhund viele unterschiedliche Reize durch Freizeitsportler, Fahrzeuge und Passanten entsprechend einordnen können“, betonte sie bei ihrem Vortrag.

Optimal sei es, wenn der Welpe in der Schafherde und dabei in der Ablammzeit geboren und aufgewachsen sei. Er wachse mit den Jungtieren zusammen auf und damit werde die Herde sein wichtigster Bezugspunkt und danach erst die betreuenden Menschen.

In ihren Ausführungen ging sie auch auf die derzeitige Gesetzeslage ein und betonte, das Gesetze die mit Strom eingezäunte Weiden oder Nachtpferche mit Zwingern gleichsetzten, machten die empfohlene und derzeit sicherste Art des Herdenschutzes unmöglich. Zudem seien Herdenschutzhunde wetterfest und wollten bei der Herde liegen und nicht in separaten Hütten. Der sachgerechte Einsatz der HSH könne nur funktionieren, wenn hier Ausnahmen von der geltenden Tierschutzhundehaltungsverodnung gemacht würden. Auch sollte sich die Gesellschaft daran halten nicht durch Tierherden zu laufen und Schilder zu beachten. An mehreren Beispielen machte sie auch deutlich, dass sich der Wolf an die Herdenschutzmaßnahmen wie sicherer Zaun und Herdenschutzhunde halte: „Der Wolf der die Herdenschutzmaßnahmen akzeptiert, mit dem können wir leben!“ betonte sie abschließend.

Zuvor hatte Eduard Scherer aus Ottrau (Schwalm-Eder-Kreis) aus seiner Arbeit mit HSH der Rasse „Sarplaninac“ berichtet. Er setzt seine beiden mazedonischen Herdenschutzhunde bei seinen 150 Dorper-Schafen, die als Nebenerwerb hält, ein. Entscheidend für den Kauf und Einsatz der beiden Mazedonier sei der Ausbruch von zwei Wölfen Mitte Januar dieses Jahres aus dem Tierpark Knüll gewesen. Die Tiere stammen von einem Züchter aus Franken, der seine Tiere aus Mazedonien importiert hat. Scherer hatte mit „Sirma“ eines seiner beiden Tiere mitgebracht und zeigte eindrucksvoll, wie vertrauensvoll sie gegenüber bekannten Menschen sind. Er machte aber darauf aufmerksam, dass Spaziergänger und Freizeitsportler die Herdenschutzhunde nicht reizen oder streicheln sollten, im Kontaktfall langsam den Weg zurückgehen, den sie gekommen seien: „Es sind keine Angreifer, aber sie schützen ihre Familie“. Die Info-Veranstaltung endete mit einer regen Diskussion. (gr)+++


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