Einen beeindruckenden Vortrag hielt Stefan Zaenker - Fotos: gr

MÜCKE Renaturierung von Quellen

Verein Natur- und Lebensraum Vogelsberg hielt Rückblick

27.11.19 - Der deutschlandweit bekannte Quellen- und Höhlenforscher Stefan Zaenker, referierte jetzt im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Natur- und Lebensraum Vogelsberg über die „Renaturierung von Quellen“. Der aktive Fledermausschützer und Vorsitzender des hessischen Landesverbandes für Höhlen- und Karstforschung erforscht das geheime Leben in den Höhlen von der Rhön bis zum Wendelstein und hat seit einigen Jahren seine Liebe für die Quellen entdeckt.

Er und seine Kollegen haben seit 2001 systematisch Wasserquellen in Rhön, Kellerwald und nun auch im Vogelsberg erkundet und kartiert. In seinem Vortrag im Landhotel Gärtner in Flensungen verdeutlichte Stefan Zaenker die Bedeutung der Quellen sowie deren Schutz. Zunächst beschrieb er, was eine Quelle überhaupt ist: Ein natürlicher Grundwasseraustritt an der Erdoberfläche. Dieser könne als Sturzquelle, Sickerquelle, Tümpelquelle oder als gefasste Quelle erfolgen.

Der Untersuchung einer Quelle gehe eine aufwendige Suche der Quellaustritte im Gelände voraus. Etwa 25 Prozent der in den Karten eingezeichneten Quellen existierten heute nicht mehr. Mittels wasserdichtem Tablet und spezieller Erfassungssoftware werden die

Wassertemperatur, der pH-Wert und die elektrische Leitfähigkeit erfasst. In den Untersuchungsberichten werde das zoologische Arteninventar, die Pflanzenvorkommen und Gefährdungen der Quellen dargestellt, sowie Maßnahmenvorschläge zur Renaturierung und Verbesserung der Quellstandorte gemacht. Im Vogelsberg seien derzeit vom Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Hessen e.V. 809 Quellen kartiert (Stand: Juni 2019). Das Untersuchungsgebiet umfasse dabei den gesamten Naturraum Vogelsberg (Hoher Vogelsberg, Unterer Vogelsberg und Vorderer Vogelsberg), sowie Flächen außerhalb dieses Naturraums, soweit diese im Vogelsbergkreis liegen. In den Quellen wurden bislang insgesamt 984 Tierarten nachgewiesen.

Die Tierwelt der Quellen sei sehr speziell auf diesen Lebensraum angepasst. Meist handelt es sich um sehr kleine Quellbewohner, wie Muschel- oder Ruderfußkrebse und Insektenlarven wie Mücken-, Steinfliegen-, Köcherfliegen- oder Eintagsfliegenlarven. Besondere Verantwortung habe der Vogelsberg für Eiszeitreliktarten wie Alpenstrudelwurm und Rhön-Quellschnecke. Die nur 2 mm große Schnecke komme weltweit nur in den Quellen von Rhön und Vogelsberg vor und reagiere sehr sensibel auf menschliche Einflüsse. Quellen seien wichtige Rückzugsorte für Amphibien, wie Feuersalamander und Grasfrosch und deshalb besonders geschützte Biotope. Als Gefährdungspunkte nannte er vor allem Düngung und Drainage durch die Landwirtschaft, intensive Forstwirtschaft in Waldquellgebieten und menschliche Einfassungen aller Art. Im Vogelsberg komme noch die Entnahme von Grundwasser für das Rhein-Main-Gebiet hinzu, was dazu führt, dass viele Quellen trockenfallen.

Verbaute Quellen würden stückweise zurückgebaut. Im Vogelsberg habe man diese Maßnahmen per Zeitrafferfilm dokumentiert. „Die Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde, den beiden Forstämtern Schotten und Romrod sowie dem Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg funktioniert vorbildlich. Alle sind sich einig, dass die Quellen im Vogelsberg für die Nachwelt erhalten werden müssen“, betonte Zaenker.

Zu Beginn der gut besuchten Jahreshauptversammlung hatte Vorsitzende Anja Püchner die Highlights des Jahres in Erinnerung gerufen. Dies seien die Auszeichnung des Projektes zur „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ mit der Überreichung des „Vielfaltbaumes“ durch Ministerin Prisca Hinz gewesen. Mit dieser Auszeichnung lenkten die Vereinten Nationen den Blick auf vorbildliche Projekte, die dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegenwirken sowie die Bergmähwiesenmeisterschaften Mitte Juni in Breungeshain gewesen.

Projektleiter Ruben Max Garchow informierte dann über die bisher abgeschlossenen und teilweise noch laufenden Teilprojekte. So wurden bei den Biotopeinrichtenden Maßnahmen im Offenland bisher 154 Projekte mit Kosten von rund 503.000 Euro abgeschlossen. Schwerpunkte waren Entbuschungen, Wiederherstellung von Brachflächen, Umwandlung von Ackerflächen und Waldflächen in extensives Grünland, Wiesendrusch und die Einsaat desselben.

Im Bereich Wald und Moor gab es bisher 16 Projekte mit Kosten von 235.000 Euro. Hier lagen die Schwerpunkte bei der Renaturierung Hochmoor und Übergangsmoore sowie der Entfichtung von Quellstandorten. An den Vogelsberg Teichen wurde intensiv gearbeitet und im Projektgebiet etliche Kilometer Gewässer renaturiert. Kosten für 26 Projekte: 498.200 Euro. 30 Projekte gab es im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Bei den Artenmaßnahmen lag der Schwerpunkt bei der Bekämpfung von Lupinen (Neophyten) mit insgesamt 27 Projekten. Die Kosten bezifferte Garchow mit bisher rund 273.000 Euro. Abschließend wurden Klaus Port und Uta Muth als Kassenprüfer bestätigt und Nick Hampel neu gewählt. (gr) +++


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