Der Buchautor und Jäger Seeben Arjes - Fotos: Carina Jirsch

FULDA Jagdforum im Autohaus Sorg

Seeben Arjes: Ein Jäger erhebt den moralischen Zeigefinger

28.11.19 - Ein bisschen hatte der Vortrag „Heutige Jagd im Spiegel der Gesellschaft“ von Seeben Arjes etwas von „Wasser predigen und Wein trinken.“ Während der Buchautor, Förster und selbst Jäger den moralischen Zeigefinger beim neunten Jagdforum im Autohaus Sorg ziemlich weit in die Höhe streckte, vergaß er die von ihm geforderten Maßstäbe wie Offenheit oder Toleranz anderen gegenüber stellenweise gänzlich.

Als Dr. Rudolf Leinweber, Vorsitzender der Jagd- und Gebrauchshundevereinigung Rhön-Vogelsberg, Arjes ankündigte, war die Vorfreude auf den Abend bei den rund 200 Anwesenden ungeteilt. „Bei vielen Verbänden und auch Verlagen ist der Autor mittlerweile in Ungnade gefallen, da er oft die Wahrheit spricht.“ Arjes selbst erzählte später davon, wie seine Fotostrecke in der Fachzeitschrift „Pirsch“ eingestellt worden sei. „Die Medien sind zwar vielleicht nicht immer von der Politik gesteuert, dafür aber ein verlängerter Arm ihrer Werbekunden“, behauptete er. Weil er sich verstärkt für den Naturschutz eingesetzt hätte und gegen eine Vielzahl von Jägern – auch in einem politischen Gremium- sprach- hätte man ihn zum Geächteten erklärt.

Geschäftsführerin Dr. Mascha Sorg Fotos: Carina Jirsch

Vorsitzender der Jagd- und Gebrauchshundevereinigung Rhön-Vogelsberg, ...

An der heutigen Jagd sowie den Jägern ließ Arjes wenig Gutes. „Vor 30 Jahren noch war die Jagd angesehen, heute ist unser Image schlecht, unser Tun wird nicht verstanden“, leitete er seinen Vortrag ein. Den Grund dafür suchte der Naturschützer fast ausschließlich bei den Grünröcken. Die Gesellschaft, so urteilte er, unterscheide nicht zwischen der „Bauernjagd, sie dient der Schädlingsbekämpfung, der Hobbyjagd, sie dient dem Vergnügen und der Trophäenjagd, die der Statuspflege dient.“ Man müsse sich Vorurteilen stellen, offen sein für Diskussionen und dürfte sich nicht hinter bisherigen Schutzbehauptungen verstecken. „Die Menschen haben den Umgang mit der Natur verlernt, sie kommen mit dem Natürlichen einfach nicht mehr klar.“ Die Gesellschaft, so meinte er, die teilweile unter Sozialneid leiden würde, ginge hauptsächlich aus moralischen und ethischen Gründen auf Abstand. „Wir dürfen sie aber nicht einfach verteufeln oder alle in eine Schublade stecken, das reicht nicht. Wir müssen anfangen, zu hinterfragen, warum alles ist, wie es ist.“

Selbst hielt er sich nicht an das von ihm Geforderte und scherte gerade die jüngeren Waidmänner ausnahmslos über einen Kamm: „Heute heißt es bei der Ausbildung eher Masse statt Klasse“, meinte der Mann, dessen eigene Ausbildung rund 50 Jahre zurückliegt. Ein Trefferbild von unter 30 Prozent würde zur Jagderlaubnis führen, außerdem sei eine schlechte Ausbildung bei den meisten Jungjägern gegeben, behauptete er. Fakten dafür konnte er nicht präsentieren. Gerade diejenigen, die ihre Jagderlaubnis in einer Jagdschule erworben hatten, bekamen ihr sprichwörtliches Fett besonders weg. Ein guter Jäger, meinte er, könne man nach einer kurzen Ausbildung nie sein.  Jungjäger, so sinnierte er weiter, würden allesamt als erste Waffe eine sündhaft teure Blaser mit Lochschaft kaufen, nur, um sich damit in den sozialen Medien – auf einem Foto neben einer frisch getöteten Sau- perfekt zu präsentieren. Stolz erzählte er anschließend von seinen 951 Facebook-Freunden.

Generell dreht sich bei der heutigen Jagd, glaubt man denn Arjes, vieles nur um Geld, Ansehen und darum, sein eigenes Selbstwertgefühl aufzupolieren. „Man muss sich nur die Hundeführer ansehen, mit ihrem ganzen Chichi!“ Oder diejenigen, die sich einen teuren Geländewagen kaufen, obwohl den niemand braucht!“  Die ehrenwerte Gemeinschaft der Jäger, meinte er, „benötigt Waidmänner, die ihr Handwerk gründlich erlernt haben, außerdem über ein ausgeprägtes ökologisches Wissen verfügen sowie keinen Kommerz oder ihre eigene Eitelkeit im Sinn haben.“

Ein wenig schade waren die teilweise extremen Ansichten des Buchautors, denn weder ging er beispielsweise darauf ein, dass die meisten Jäger weit häufiger „den Finger gerade sein lassen“, als zu Schießen, oder darauf, dass gerade in den Vereinen – wie auch bei der Jagd- und Gebrauchshundevereinigung Rhön- Vogelsberg - die fast einjährige Ausbildung zum Jungjäger vorbildlich ist. „Ich fühlte mich noch nie so oft durch den Kakao gezogen, wie heute Abend“, meinte eine junge Jägerin im Anschluss an den Vortrag. Unverstanden habe sie sich gefühlt und vom Buchautor auch ungerecht behandelt. (mr) +++


Über Osthessen News

Kontakt
Mediadaten
Werbung
Impressum

Apps

Osthessen News IOS
Osthessen News Android
Osthessen Blitzer IOS
Osthessen Blitzer Android

Service

Stellenangebote
Veranstaltungskalender
Wetter Vorhersage
Biergärten
Freizeit Tipps
Mittagstisch
Beilagen
Benzinpreis Vergleich

Social Media

Facebook
Twitter
Instagram

Nachrichten aus

Fulda
Hersfeld Rotenburg
Main Kinzig
Vogelsberg
Rhön