Keine Pass- und Ausweisfotos mehr im Fotostudio? - Symbolbild: pixabay

REGION Gesetzesentwurf gegen Bildmanipulation

Passfotos künftig nur noch im Bürgerbüro: Grund zur Sorge für Fotostudios? 

17.01.20 - Ab 2022 kann es heißen: Fotograf versus Automat - denn Passfotos sollen künftig ausschließlich beim Einwohnermeldeamt mithilfe eines Automaten erstellt werden. Der Grund: Diese Änderung soll wirkungsvoller vor Bildfälschungen schützen. Davon ist das Bundesinnenministerium in Berlin überzeugt, das Gesetz muss aber erst noch verabschiedet werden. Die Abstimmung erfolgt in den kommenden Monaten.

Fotos für den Pass oder für den Personalausweis sollen dann nur direkt in der zuständigen Behörde gemacht werden. Dies wird im Entwurf zum "Gesetz zur Stärkung der Sicherheit im Pass- und Ausweiswesen" formuliert. Geplant seien "Selbstbedienungsterminals". Mitarbeiter würden die Bilder vor Ort aufnehmen und gleich darauf digital erfassen lassen und speichern. Der Preis würde pro Passbild zwischen vier und sechs Euro betragen. Die voraussichtlichen Kosten für die Anschaffung der Foto-Automaten ließen sich mit 177 Millionen Euro beziffern.

Meinung eines Fuldaer Fotografen

Auch im FotoWerk im Fuldaer Einkaufszentrum Emaillierwerk hat sich das Änderungsvorhaben schon herumgesprochen. Inhaber Hüseyin Kayhan Acetler äußert im Gespräch mit O|N große Bedenken. Der Gesetzesentwurf sei nicht vollständig durchdacht: "Das wird ein Chaos, wenn das Bundesinnenministerium den Plan deutschlandweit durchsetzt."

Als Fotograf müsse man auf die kleinsten Details achten. Die Betreuung und die Umsetzung der Wünsche des Kunden seien kein leichtes Unterfangen: Kinder oder Menschen mit Behinderung benötigen fachkundige Beratung und allgemein Geduld. "Kinder beispielsweise halten den Kopf nicht still, Babys schließen ständig die Augen. Außerdem achten viele Kunden auf ihr Aussehen - den Vorstellungen muss man gerecht werden." Acetler fürchtet ohne fachliche Expertise Qualitätsverlust. "Wir Fotografen kennen uns bestens in unserem Beruf aus. Wie sollen die Mitarbeiter im Amt zurechtkommen?" Finanzelle Folgen seien ebenfalls nicht auszuschließen: "Bei uns wären es circa 30 Prozent Umsatzverlust." Für den Fortbestand mancher Fotostudios könne es eng werden.

Was sagt die Stadt Fulda zu dem Gesetzesentwurf?

Die Stadt Fulda hat bereits im Bürgerbüro seit gut zwei Jahren auf das besagte Self-Service-Terminal umgerüstet. Wie Pressesprecher Johannes Heller auf Nachfrage mitteilte, seien hauptsächlich gute Erfahrungen damit gemacht worden. "Es ermöglicht digitale Dienstleistungen, wie zum Beispiel die Ausstellung eines neuen Ausweisdokuments aus einem Guss - ohne zeitaufwendige Zwischenschritte, wie etwa das Einscannen eines Papier-Passfotos", heißt es in dem Statement. Darüber hinaus biete das Verfahren die Garantie, dass die Aufnahme aktuell und die abgebildete Person mit dem Antragsteller identisch sei.

Von den Kunden werde das Verfahren "eifrig genutzt", rund 50 Prozent der Antragstellenden würden die digitalen Fotos aus dem Automaten nutzen. Die möglichen Bedenken von Fotograf Hüseyin Kayhan Acetler in Bezug auf Kinder oder Menschen mit Behinderung, sieht die Stadt Fulda wie folgt: "Da die Bedienelemente höhenverstellbar sind, ist das Terminal auch für Menschen mit einer Körperbehinderung, Rollstuhlfahrer et cetera gut nutzbar." Schwierigkeiten gebe es gelegentlich nur bei Fotos von Kleinkindern für Kinderreisepässe.

Eine direkte Konkurrenzsituation zum Passfoto oder Porträtbild beim klassischen Fotografen bestehe laut Ansicht der Stadt nicht: "Das Foto am Self-Service-Terminal wird rein digital verarbeitet und die Daten anschließend wieder gelöscht. Der Kunde erhält keinen Abzug auf Papier und kann das Bild auch nicht an anderer Stelle weiterverwenden." (Maria Franco) +++


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