KÜNZELL "Menschen zweiter Klasse"

Demo der Landwirte: Ministerpräsident Volker Bouffier spricht vor Bauern

25.01.20 - „Wir lassen nicht locker!“ rief Landwirt Peter Kömpel den rund 150 Anwesenden vor dem Künzeller Bäderpark Hotel zu. Anlässlich der Klausurtagung der CDU Hessen hatten sich Landwirte aus der Region erneut versammelt, um ihrem Ärger Luft zu machen.

Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier nahm ...Fotos: Henrik Schmitt

Landrat Bernd Woide

„Bei vielen von uns geht es um einiges, bei manchem sogar um alles“, meinte Kömpel. Eine 80- Stunden-Woche, kaum Freizeit und das bei schlechter Bezahlung – „Oft sind wir dennoch der Sündenbock der Nation.“ Um bessere Bedingungen für die heimischen landwirtschaftlichen Betriebe zu schaffen, forderte er, das von der Bundesregierung beschlossene Agrar-Paket auf Eis zu legen. „Wir verfügen über die Erfahrung aus der Praxis, es kann nicht sein, dass immer nur über uns, aber nie mit uns gesprochen wird.“

Bezüglich der Düngeverordnung rief Kömpel die Politik dazu auf, alle Protokolle der Messstellen herauszugeben. „Priska Hinz hatte bei unserer Demonstration in Wiesbaden zugesagt, dass das geschieht, bisher hat sie allerdings nicht Wort gehalten.“ Vielleicht, so mutmaßte der Landwirt, seien die Ergebnisse nicht so repräsentativ, wie von den Politikern behauptet.

„Oft wird uns für etwas die Schuld gegeben, für das wir gar nichts können. Nur, weil es so einfach ist“, meinte Kömpel weiter. Als Beispiel nannte er das Insektensterben. „Da wird öffentlich behauptet, wir Landwirte seien dafür verantwortlich. Fakt ist, dass seit dem Ausbau des Mobilfunks, insbesondere von UMTS, seit den 1990er Jahren in Deutschland die Anzahl der Insekten um bis zu 80 Prozent gesunken ist!“

Auch ärgerte sich der Landwirt über importiertes Fleisch aus Nordamerika. Abkommen nach dem Motto „Tausche Rindfleisch gegen Autos“ seien für die heimischen Bauern wenig nützlich. „Wir haben das bessere Fleisch hier, dafür muss aber auch ein ordentlicher Preis bezahlt werden.“ Lebensmittel, führte er aus, dürften nicht „verramscht“ werden.

Generell fühle man sich als Landwirt manchmal als Mensch zweiter Klasse. Auch, weil die Politik den Lebensmittelproduzenten nicht zuhören würde. „Ich fordere die Politik heute auf, hören Sie zu! Jeder Stall der einmal leer steht, bleibt auch in Zukunft leer.“

Landrat Bernd Woide und der Landtagsabgeordnete Markus Meysner, die anlässlich der CDU-Tagung vor Ort waren, sprachen kurz zu den Landwirten. Beide versicherten den Bauern ihre Solidarität. Meysner versprach, sich mit dem Organisator der Veranstaltung in der nächsten Zeit erneut zu treffen, um die Landwirte zu unterstützen.

Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier nahm sich Zeit, um den Anwesenden zuzuhören. „Mit Ihren Protestaktionen haben Sie es geschafft, dass die Diskussion um die Landwirtschaft in der Mitte der Gesellschaft geführt wird.“ Auch er bestätigte, dass Landwirte oftmals einen schlechten Ruf hätten. „Da heißt es zum Beispiel, Sie würden den Boden vergiften, Tiere quälen.“ Vorurteile, meinte er, müssten abgebaut werden.

Zwei Versprechen gab Bouffier: „Erstens, Sie werden nicht mit ihren Fragen alleine bleiben. Egal, wie die Sache auch ausgehen wird. Zweitens werden Sie die geforderten Protokolle erhalten.“ Ob allerdings etwas am Agrar-Paket geändert werden könnte, bezweifelte der Ministerpräsident. (mr) +++


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